Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 27.2.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

jede Marktwende beginnt dann, wenn die größere Mehrheit aller Experten noch in die andere Richtung blickt.

Das können Sie in diesen Tagen gut nachvollziehen, sowohl in New York als auch in Frankfurt. Die Faktenlage:
Die Einkaufsmanager sind stets die schnellsten.
Sie drehten sich soeben, siehe Seite 2. Die Analysten im ZEW überlegen seit zwei Monaten, ob sie sich drehen sollten und die Unternehmer im ifo befinden sich noch im Sturzflug. Siehe ebenfalls Seite 2. Die Börse nimmt diese Wende offenbar richtig voraus und erreichte bereits 9 bzw. 13 % (DAX und MDAX) seit Jahresanfang. Gut vergleichbar mit früheren Zykluswenden nach einer deutlichen Korrektur über 13 Monate und nun dem Wendeansatz.

Die dramatische Änderung der Zinserwartungen in New York lieferte den gleichen Beleg, siehe nebenstehenden Chart. Ab dem Moment, als die Fed ihre Zinspolitik änderte und die Kürzung der Bilanzsumme einstellte, starteten in New York alle drei Indexvarianten mit inzwischen rund 11 - 14 %, ebenfalls seit Jahresanfang. Wie weit dies reicht, wird sich demnächst noch herausstellen, aber der Trendansatz ist unverkennbar, obwohl alle Fondsmanager (laut Umfrage der BANK OF AMERICA) einen S&P 500 von 2.950 als historischen Rekord einstufen, der nicht zu überbieten sei. Ihm fehlen jedoch lediglich 3 - 4 % dazu.

Das dritte Signal kommt vom Öl- und Rohstoffmarkt.
Öl tastet sich in gleicher Form vorsichtig nach oben, obwohl die politischen Umstände sowohl in Nahost als auch in Venezuela eigentlich für das Gegenteil sprechen. Die Industrierohstoffe signalisieren den gleichen Trend in der gleichen Laufzeit, was am besten an den Kursen der großen Rohstoffkonzerne ablesbar ist. Eine relativ hohe Volatilität gehört dazu. Beide Materialien sind für die Weltwirtschaft die wichtigsten Trendindikatoren schlechthin, denn ohne diese Industrierohstoffe gibt es keinen Trend.

Der Zollkrieg USA/China liefert die vierte Komponente. Wir bestreiten weiterhin die angeblich katastrophalen Folgen eines Handelskrieges und die ähnlichen Folgen im Zuge des Brexit. Politische Konflikte dieser Art führen zu kommerziellen Kompromissen, und genau in diese Richtung zeigen alle Hinweise der letzten Tage. Damit sind die Befürchtungen und psychologischen Ängste erklärbar, aber nicht in sich schlüssig. Eine endgültige Lösung dieser Probleme gibt es noch nicht und es wird sehr lange dauern, bis es einvernehmliche Lösungen gibt - dafür aber kein Chaos.

Resümee: Look on the market, bleibt unsere Richtlinie für Sie. Dazu zählt insbesondere, dass wohl die Mehrheit der großen Investoren (sowohl Investmentfonds als auch Pension Funds und andere Großanleger) mehrheitlich unterinvestiert ist, eine relativ hohe Liquiditätsreserve fahren und sich demnächst entscheiden müssen, in Position zu gehen. Das wird spannend. Wie Sie dies zusätzlich effektiv nutzen, entnehmen Sie dem heutigen Special.

LEITLINIE

Die Widersprüche liegen auf der Hand, wie auf Seite 1 vermerkt. 

Die Einkaufsmanager signalisieren den Ansatz einer deutlichen Wende. Das ifo-Geschäftsklima repräsentiert die Unternehmermeinungen von immerhin 7.000 Befragten mit offensichtlich sehr vielen Gefühlen.
Markante Abstürze sind stets Teil eines Zyklus.
Wie weit die deutschen Zyklen reichen, ist für die vergangenen 30 Jahre gut nachvollziehbar. Unverkennbar ist:

Deutschland war bislang der Hauptprofiteur des Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die dies gut belegt. Ohne Euro hätte Deutschland das bisherige Wohlstandsniveau nicht erreicht. Die ungewöhnlich positive Entwicklung der Exporte und der Leistungsbilanz belegen dies zusätzlich. Solange sich diese Konstellation nicht ändert, ist zwar das bisherige Tempo nicht haltbar, aber dafür der Trend.

Wirtschaftspolitische Schnitzer, wie der Umgang mit der Autoindustrie belegt, gehören leider dazu. Sie waren die wichtigste Bremse in den laufenden drei Monaten seit Mitte des letzten Jahres.

Die Gewinnentwicklung der DAX-Unternehmen wird der nächsten Schlüssel für die Einschätzung aller vier DAX-Indizes werden. Dazu legt die DZ BANK als erste eine Schätzung vor, die zitierfähig ist.
Sollte sich diese Schätzung als richtig erweisen, was wir für sehr realistisch halten, wird der größere Teil aller DAX-Titel eine überproportionale Dividendenrendite aufweisen, die überschlägig mit 3,3 bis 3,5 % anzunehmen ist.

Abgestellt auf die Gewichtung der Aktien (von großen Konzernen bis kleinen Unternehmen) ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 4 %, ausgehend vom aktuellen Kursniveau. Das wäre neuer Rekord.

Neue Aktienrückkaufprogramme sind angekündigt, aber noch nicht bestätigt. Die größten laufen bei der ALLIANZ und der MÜNCHENER RÜCK sowie SIEMENS, aber nun kommen auch einige andere auf die Idee, ihre relativ hohe Liquidität dafür zu nutzen, über Aktienrückkäufe ihren eigenen Kurs zu manipulieren. Ob man dies richtig findet oder nicht, lassen wir offen. Die Verwendung dieser Mittel für strategische Investitionen in den jeweiligen Kerngeschäften würde weiter führen. Andererseits stützen sie den Trend insbesondere des DAX im langfristigen Verlauf.
Der DAX bewegt sich unverändert in der beschriebenen Konstellation.
Die 38-Tage-Durchschnittslinie ist klar überwunden worden und der DAX selbst steigt. Der 90-Tage-Trend wurde ebenfalls geschnitten, doch er befindet sich gerade in der Wendeposition, siehe nebenstehenden Chart. Nach dem Gesamtgewinn von etwa 9 % seit Jahresanfang ist eine übergekaufte Marktlage entstanden, woraus ein Pull-back entsteht. Also Rückfall in die Größenordnung um etwa 11.150 als Mittelwert. Risiko daher rd. 3 %, wie bereits in der AB-Daily vom Mittwoch avisiert. Die 200-Tage-Linie wird erst oberhalb von 11.900 geschnitten werden und das bleibt die mittlere Erwartung für die nächsten Wochen. Es war mithin richtig, die schwierige Berichtssaison des ersten Quartals positiv, aber zurückhaltend zu begleiten, siehe auch Seite 7.

VOLKSWAGEN

Die deutsche Autoindustrie steht weiterhin im Mittelpunkt des gesamten Marktes.
kein Bild vorhanden Die Basisanalyse dafür gaben wir Ihnen am 02.02. in AB 05/19. Mit einer gesonderten strategischen Konzeption dynamisieren wir diese Investments in der Termin-Börse mit einem Paket unterschiedlicher Optionsscheine zur Unterlegung der bestehenden Positionen in Ihrem Portfolio. Der größte Autobauer wagt es als erster:
VW nennt die Ziele bis 2025 für die Umsatzrendite von VOLKSWAGEN als Konzern und gibt einen vorsichtigen Ausblick.
Mit diesen Zielen läge VW trotz eines Aufwandes von bislang 25 Mrd. € für alle Prozesse im Mittelfeld der Autoindustrie, wobei BMW voraussichtlich etwas darüber und DAIMLER etwas darunter liegt. Gegriffen:

VW müsste in diesem Rahmen ein Umsatzziel von mindestens 260 Mrd. € annehmen, arbeitet zurzeit mit einem operativen Cashflow von 18,5 und hat einen Börsenwert von lediglich 75 Mrd. €.

Die Erholung der deutschen Autowerte ist deshalb der zentrale Faktor für den ganzen DAX, inklusive CONTINENTAL als größtem Zulieferer.
Die Gewichtung aller vier im DAX beträgt 16 %, aber das Meinungsgewicht taxieren wir 5 bis 6 Punkte höher. Deshalb dynamisieren wir ein Autoportfolio über Optionsscheine in der Termin-Börse.

HENKEL

Der Schreck hat gesessen.

Die massive Korrektur des Kurses von HENKEL um insgesamt knapp 25 % seit Jahresanfang und sogar 15 % an einem Tag hat in Düsseldorf die „Puppen tanzen lassen“. CEO Hans Van Bylen und seine AR-Chefin machen mobil, siehe AB-Daily vom Montag.


Teile der Familie als Großaktionär und mindestens zwei größere Ankeraktionäre (Fonds) verlangen eine Dynamisierung der Geschäftsfelder Kosmetik und Klebstoffe. Für den dritten Sektor Waschmittel bestehen nur beschränkte Möglichkeiten des Ausbaus.

Mit einer Eigenkapitalquote von 57,7 % lässt sich ein größeres Volumen an neuen Geschäften erreichen, nachdem Van Bylen lediglich 432 Mio. € für Zukäufe ausgegeben hat. Größte Akquisition war ein chilenischer Klebstoffhersteller. Kosmetik ist zurzeit die schwächste Stelle. Noch nicht bestätigt, aber zu vermuten: Nach dem verpassten Einstieg bei WELLA vor einigen Jahren ist eine Art Megadeal in diesem Sektor wahrscheinlich. Darin liegt die HENKEL-Wette. Eine Kapitalerhöhung ist unwahrscheinlich, denn der Finanzrahmen für eine solche Akquisition reicht bis etwa 2 bis 2,5 Mrd. €. Der Free-Cashflow unterstützt dies mit immerhin 1,9 Mrd. €.

PROSIEBENSAT.1

Die Amerikaner sind in München gelandet.

KKR, der bekannte Investor aus New York, kauft die TELE MÜNCHEN GRUPPE zu einem geschätzten Preis von etwa 5 Mrd. € von Herbert Kloiber, der sich aus Altersgründen zurückzieht, und neuer CEO wird Fred Kogel, einst Vertrauter von Medienmogul Leo Kirch. KKR war schon früher einmal Großaktionär von PROSIEBENSAT.1 und damit wird es spannend:


Jeder kennt jeden. Unter dem Dach von TELE MÜNCHEN mit rd. 520 Mio. € ist so gut wie alles zu haben, was mit TV und Internet etc. zu tun hat. Es ist eine ideale Spielwiese für diese Kenner, daraus die größte private Tele-Gruppe Deutschlands zu basteln. Wie diese Gespräche im Einzelnen laufen, ist noch offen, aber wie man solche Investments bastelt, machten KKR und PERMIRA bei PROSIEBENSAT.1 schon einmal vor: Unter 500 % Gewinn lag das Ergebnis nicht. Was sie dieses Mal basteln, wird eine der spannendsten Stories in diesem Umfeld werden. RTL GROUP bleibt mit BERTELSMANN außerhalb der Betrachtung und auch der Konkurrenz. AXEL SPRINGER ist bereits in Sachen Internet davongelaufen. Bauen Sie die Position in PROSIEBENSAT.1 aus.

HOCHTIEF

Bei HOCHTIEF müssen wir nachrechnen. Bezüglich des spanisch-italienischen Deals um den Autobahnbetreiber ABERTIS waren wir sehr skeptisch und bleiben es, aber:

Dagegen steht, was HOCHTIEF im Kerngeschäft bietet. Die bisher vorgelegten Ergebnisse überzeugen. Unklar ist lediglich, wie sich der 20-%-Anteil von HOCHTIEF an ABERTIS mit dem sehr hohen Finanzaufwand zugunsten der Mutter ACS in der Bilanz verträgt. Denn ACS investierte am wenigsten, aber hält 50,4 % an HOCHTIEF neben den Italienern (BENETTON) mit 23,8 %. Das Problem liegt nicht im Ertrag, sondern in der Bilanz.



Auftragsbestand 47,3 Mrd. €, Umsatz knapp 24 Mrd. €, Ebit 1,02 Mrd. € und ein Nettofinanzvermögen von 1,6 Mrd. €. Damit ist HOCHTIEF weiterhin der größte deutsche Baukonzern mit einem operativen Cashflow von 1,37 Mrd. €. Die 20-%-Beteiligung an ABERTIS brachte bereits einen ansehnlichen Dividendengewinn. Lässt sich eine Perspektive hochrechnen? 9,8 Mrd. € Marktwert sind für das Kerngeschäft inklusive USA und Australien und 20 % an der Cashcow des Autobahngeschäftes noch nicht das letzte Wort. Wir spielen mit einem Anfangsbetrag bis 140 € mit. Ob eine Anhebung der Ziele infrage kommt, hängt von den zitierten Risiken in der Bilanz ab. Sie liegen in der möglichen Abschreibung auf die Beteiligung, wenn nach den IFRS-Regeln wegen des Autobahn-Crashs Wertberichtigungen nötig werden.

KRONES

KRONES ist Weltmeister bei Getränkeanlagen, allerdings ohne weltmeisterlichen Kurs, und in Rosenheim steht ebenfalls das Management auf dem Prüfstand.

122 € im Top, 66 € im Tief, jetzt 72,25 € und damit 41 % Minus vom Hoch. Der Marktanteil reicht Richtung 30 %, von dem wiederum mehr als die Hälfte auf Schwellenländer nebst China entfällt. Unterhalb dessen gibt es einen sehr zersplitterten Markt mit vielen kleineren Anbietern. Somit resultiert das Wachstum aus einer flachen organischen Kurve und kleineren M&A-Transaktionen, die jeweils zu integrieren sind. Das läuft nicht immer reibungslos und braucht etwas Zeit. Ergebnis:

Umsatztendenz, Auftragseingänge, freier Cashflow und Marktanteilsgewinne stimmen, aber die Margen noch nicht. 2,2 Mrd. € Börsenwert stehen gegen rd. 4 Mrd. € Umsatz in 2019, was in dieser Relation einer historischen Tiefstbewertung entspricht. Damit ist die schuldenfreie KRONES auf fast halbiertem Niveau eine Wette darauf, dass es CEO Christoph Klenk gelingt, einerseits die Zukäufe zu integrieren und andererseits die Kosten in den Griff zu bekommen. Im September 2018 kam der erste Kauf etwas zu früh. Jetzt gilt es nachzulegen: Neue Kaufbasis 65 bis 70 € in einer der spannendsten Comebackwetten im SDAX.

MTU

Trotz technischer Probleme und Lieferverzögerungen hat MTU 2018 ein Rekordjahr auf die Beine gestellt.
Anstieg des Umsatzes und des operativen Gewinns um jeweils 17 %. Die Dividende soll zudem von 2,30 auf 2,85 € zulegen.

Für 2019 peilt MTU wieder einen neuen Umsatz- und Ergebnisrekord an.
Das Auftragsbuch garantiert für annähernd vier Jahre Vollauslastung. Dabei hat die Luftfahrtbranche im Vergleich zur Autobranche einen entscheidenden Vorteil: Sie leidet nicht unter dem verschärften Protektionismus der USA. MTUs Kooperationen mit Pratt & Whitney sowie GE AVIATION sorgen für große Kosteneinsparungen, ohne die es in der Branche nicht geht. Gehandelt wird im gleichen Sektor eine Annäherung an ROLLS-ROYCE, was im Wesentlichen von den Konditionen rd. um den Brexit abhängt. ROLLS-ROYCE ist in Friedrichshafen nicht unbekannt.

Das Break bei 200 € ist nur verschoben, nicht aufgehoben. Denn dass der Kurs angesichts der Rekordzahlen und noch besseren Aussichten letztlich diese Hürde überwinden kann, ist unstrittig. Greifen Sie dem also vor! Wir bauen unsere Position mit 36 % Gewinn aus!

SAF HOLLAND

Im SDAX bietet sich das ähnliche Bild: Solide Ergebnisse, aber ein extrem vorsichtiger Ausblick mit einer Menge Erklärungen zur Unsicherheit der Lage, jedoch ohne Belege.

Eine ähnliche Ausgangslage bietet SAF HOLLAND.

Das Unternehmen liefert komplette Achsen, Sattelkupplungen, Stützwinden und Königszapfen an die internationale Lkw-Industrie und liegt mit seinen Produkten am Weltmarkt auf den Plätzen eins bis drei. 2018 schaffte man über 12 % organisches Wachstum, stagnierte aber beim Gewinn infolge höherer Stahlpreise, negativer Währungseffekte und Kapazitätsengpässen an den US-Standorten nebst einem etwas schwächeren Margenausblick per 2019 mit abflachender Umsatzdynamik. Gleichwohl soll der Gewinn weiter zulegen.

Rechtfertigt das eine Kurshalbierung in 12 Monaten?
Die neuen reduzierten Gewinnschätzungen lauten 1,19 € per 2019 und 1,38 € per 2020 und das ergibt somit klar einstellige KGVs. 1,35 Mrd. € Umsatz stehen gegen 466 Mio. € Börsenwert.

BET-AT-HOME

Eine ganz andere Ausgangslage bietet BET-AT-HOME.
Dieser Wettanbieter schaffte im Sommer 2017 einen Rekordkurs von 150 € und sackte anschließend bis 45 € durch - aktuell 60,20 €. Am 4. März wird man Rekordzahlen für 2018 melden und eine Dividendenrendite von rd. 10 % oder 6,25 €. Wie geht das? Bei 4,50 € freiem Cashflow je Aktie werden 1,75 € aus der Substanz gezahlt. Das ist kein Problem, da der Nettokassenbestand je Aktie bei etwa 11,30 € liegt. Auch hier gilt:

Bitte kein Vorgriff. Regulatorisch gibt es im Sektor Gegenwind vom Gesetzgeber. Akut bedroht ist das komplette Schweiz-Geschäft. Auffangkurse unter 50 € einplanen.

PFEIFFER VACUUM

Bei PFEIFFER VACUUM ist ein unaufgeregt und weitsichtig agierendes Management am Werk, das dazu neigt, zu vorsichtige Prognosen zu liefern, die irritieren. So auch aktuell:
2018 hat PFEIFFER VACUUM die Tradition starker Zahlen fortgesetzt.

 Ein Umsatzanstieg von 12,4 % und ein EBIT-Wachstum von rund einem Drittel lagen nicht nur am oberen Ende des eigenen Prognosekorridors, sondern auch deutlich über den Analystenschätzungen. Wegen gut gefüllter Auftragsbücher gibt man sich auch für 2019 zuversichtlich.

Die Kooperation mit dem Großaktionär Busch (Mehrheit) läuft inzwischen störungsfrei, aber mit Berührungsängsten.
Ein Übernahmeangebot ist für den Großaktionär zurzeit zu teuer. Die Absicht einer Fusion 1 zu 1 gilt als Wette in der Branche, womit eine Verdoppelung von PFEIFFER in Umsatz und Ertrag entstünde.

DR. HÖNLE

DR. HÖNLE hat sich seit den Tops im Sommer letzten Jahres zeitweise mehr als halbiert.

Damit hat der Aktienkurs bereits einen großen Teil der schwächeren Zahlen vorweggenommen, mit denen sich der Spezialist für UV-Technologie mittlerweile auseinandersetzen muss. Ein EBIT-Rückgang von gut 11 % im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist zwar unerfreulich, aber auch kein Drama, ebenso wie das Umsatzplus von 2,4 %. Ein KGV von ca. 15 für das laufende Geschäftsjahr lässt sich gut rechnen. Charttechnisch scheint sich bei gut 40 € ein Boden herausgebildet zu haben. Kurse um 50 € dürfen zumindest zum Aufbau einer Einstiegsposition genutzt werden. Sollte es noch einmal runter bis auf 42/43 € gehen, darf nachgefasst werden!

KONE

Helsinki studiert die Möglichkeiten, die sich aus einer Verbindung von KONE mit THYSSENKRUPP ELEVATOR technisch und im Marktbild erreichen lassen. Die sehr vorsichtigen Finnen rechnen sorgfältig:
Technologisch ist ein Brückenbau jederzeit möglich.

Das liegt vor allem daran, dass ca. 30 bis 40 % der Produkte sich gegenseitig nicht überschneiden und mithin ergänzen lassen. Das gilt insbesondere für Großprojekte in Asien für Wolkenkratzer aller Art. Die Konkurrenz ist OTIS/USA und SCHINDLER/Schweiz.

Im Bereich Treppen und kleinere Aufzüge lassen sich Synergieeffekte und Austausch von Produktlinien ebenfalls denken. Gedacht ist an eine Rollenteilung in den verschiedenen Sektoren. So der Stand der Prüfungen.

Eine Fusion unter Gleichen wird schwieriger. Marktwert von KONE rd. 20 Mrd. €. Geschätzter Marktwert für THYSSEN ELEVATOR um 15 Mrd. € nach Essener Rechnung. Eine Fusion kann von THYSSEN nur akzeptiert werden, wenn THYSSEN mindestens 50 % oder + 1 % mehr halten darf. Andernfalls bricht die THYSSEN-Bilanz auseinander. Ergebnis aus persönlichen Gesprächen:

Wir investieren in KONE mit der Absicht, frühzeitig dabei zu sein. Ein Fehlgriff ist kaum denkbar. Das Potenzial lässt sich nur schätzen: Ein Zusammengehen von KONE mit THYSSEN ELEVATOR würde jedenfalls den größten Konzern dieser Art in der Welt schaffen. Das hat seinen Preis.

ROCHE

Zürich meldet eine Art Vollzug.

Alle drei Großen, NESTLÉ, NOVARTIS und ROCHE, haben nach langer Arbeit ihren langfristigen Trend aufgenommen. Als letzter legt ROCHE soeben 4,3 Mrd. $ für einen amerikanischen Pharmaspezialisten auf den Tisch. Im Mai wird andererseits NOVARTIS die ALCON-Beteiligung an seine Aktionäre verteilen. Schließlich: NESTLÉ baut erfolgreich um.
ROCHE ist mit 236 Mrd. CHF Marktwert die Nr. zwei im SMI, vor NOVARTIS mit 209 Mrd. CHF und nach NESTLÉ mit 270 Mrd. CHF. Diese drei bestimmen die weiteren Tendenzen in Zürich, aber:

Mit diesen Marktwerten ist keiner der drei ein schneller Renner, aber ROCHE zeigte in den vergangenen drei Monaten, dass auch 20 % Kursgewinn in relativ kurzer Zeit möglich sind. Zur Disposition stehen noch 13 % ROCHE-Aktien in der Bilanz von NOVARTIS, die zu platzieren sind. Dafür braucht man höhere Kurse. Wir stocken die Position in ROCHE auf, als Zweites bei NOVARTIS und für NESTLÉ warten wir die nächste Meldung ab, wie CEO Mark Schneider das Unternehmen umbaut.

SCHWEIZER COMEBACKS

Alle Comebacks sind gestartet:

AMS inzwischen 31 CHF nach einem Tief um 18/19 CHF. U-BLOX erreichte knapp 92 CHF nach 73 CHF im Tief. Die technischen Korrekturen taxieren wir auf 5 bis 6 % und erwägen demnächst den Ausbau der Positionen. AUTONEUM schaffte inzwischen 167 CHF nach 148 CHF und FEINTOOL 82 nach 72 CHF als Autozulieferer, was auch für GEORG FISCHER gilt, die inzwischen 923 nach 750 CHF im Tief erreicht haben. Im Techniksektor:

TEMENOS stieg von 109 auf inzwischen 142 CHF als Softwarespezialist und VAT GROUP von 82 auf 107 CHF. Dieser Vakuumspezialist wurde im letzten Jahr unqualifiziert hochgejubelt und deshalb die größte Herausforderung. Wir lassen den Zielkurs vorerst offen.

Ergebnis: Die Schweizer Comebackszene funktioniert sehr ähnlich der deutschen, wobei die bisherigen Gewinne wohl technische Schwächen enthalten. Kurze Korrekturen halten wir deshalb für wahrscheinlich. Insbesondere bei AMS und U-BLOX im Zuge der nervösen Marktkommentare zum Sektor Chip. Leitlinie für alle ist der Chipbedarf der großen Smartphone-Konzerne, insbesondere APPLE für alle Europäer.

WALL STREET

New York steht vor einer noch spannenderen technischen Ausgangslage als Frankfurt mit dem DAX.
 Ergänzend zur Seite 1: Die zitierte Skepsis aller Fondsmanager ist nur die eine Seite des Marktbildes, denn die andere Seite ist offenbar von anderen Investoren definiert, die es anders sehen. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

Wie weit die Markttechnik vom Dow mit rd. 5 Bio. $ Marktwert und S&P 500 mit über 21 Bio. $ Marktwert (inklusive Überschneidungen) reichen, lässt sich noch nicht formulieren. Zumindest ist anzunehmen, dass eine technische Korrektur als Pull-back auf die jeweiligen Trendlinien die größte Wahrscheinlichkeit hat. Aber, ob dies ganz kurzfristig möglich wird, ist offen, Ebenso möglich die übliche Annahme eines „Durchmarsches“ bis April/Mai mit der üblichen Verhaltensform: „Sell in May and go away.“ Bis dahin sind noch drei Monate Zeit.

Ein Pull-back auf eine der Trendlinien ist die kurzfristige Erwartung der nächsten zwei bis drei Wochen. Das wird voraussichtlich vom Gesprächsklima China/USA abhängen. Das Risiko für die einzelnen Aktien liegt bei max. 5 %.

KRAFT HEINZ und BERKSHIRE HATHAWAY

Warren Buffett musste 27,5 Mrd. $ Bucherverlust in BERKSHIRE HATHAWAY hinnehmen.
 Die Ursache sind Abschreibungen auf APPLE und KRAFT HEINZ als größte Positionen in der BERKSHIRE HATHAWAY-Bilanz. Das ergibt eine interessante Überlegung:

KRAFT HEINZ muss einen dicken Verlust hinnehmen, der  aus Abschreibungen auf Produkte und Namen zurückzuführen ist. Auf das Auftragsproblem dieser Bilanzpositionen hatten wir schon frühzeitig aufmerksam gemacht. Mit dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis hat dies nichts zu tun.

KRAFT HEINZ ist umfangreich liquide und immer noch der größte Nahrungsmittelhersteller und muss nun das tun, was die anderen schon angefangen haben, so NESTLÉ und UNILEVER und teilweise DANONE. Es wird mithin eine saubere Comebackstory. Auffangebenen 30 bis 32 $.

Rd. 40 Mrd. $ Marktwert und über 70 Mrd. $ Liquidität stehen für KRAFT auf dem Prüfstand. Umsatz um 28 Mrd. $ ohne Berücksichtigung möglicher Verkäufe oder Zukäufe. Immerhin werden gut 15 % des aktuellen Umsatzes auszuwechseln sein. Vorbild dürfte NESTLÉ sein.
BERKSHIRE HATHAWAY reagierte auf diese Abschreibungen erstaunlich vorsichtig.
 Bislang nur um etwa 12 bis 13 %. Im Portfolio dieser Beteiligungen stecken hinreichende stille Reserven, die sich dagegen rechnen lassen. Wie weit dies nach GAAP möglich ist, lässt sich nicht exakt bestimmen. Unsere Position liegt mit 39 % Kursgewinn vorne. Auch einen Ausbau fassen wir dann ins Auge, wenn nach den neuen Nachrichten der Kurs um 7 bis 5 % zurückfällt. Mit Glück auch 10 %. Denn:

Warren Buffett persönlich kündigte auf der kürzlichen Generalversammlung an, einen großen Deal vorzubereiten. Weitere Einzelheiten gab er nicht bekannt. Es ist also eine Wette wert, dem vorzugreifen.

Resümee: Die großen Investoren in New York denken in ebenso großen Dimensionen, die mit Krisenstimmung à la Europa nicht viel zu tun haben.

GENERAL ELECTRIC

GENERAL ELECTRIC bleibt die interessanteste Wette, weil es um sehr hohe Potenziale geht.
 Aktueller Stand mit Pfiff: Der aktuelle Chef verkauft die wichtigste Beteiligung an seinen früheren Arbeitgeber.

GE ist eines der wenigen Investments in New York, die sich in dieser Größenordnung als Comeback rechnen lassen. Jeder kann mitmachen. 11 $ sind inzwischen erreicht. Aktueller Marktwert ungefähr 92 Mrd. $ für einen geschätzten Restumsatz von etwa 95 Mrd. $, wenn die Pharmatochter für 21,4 Mrd. $ verkauft werden kann. Gelingt dies, ist GE bereits gut finanziert, um den weiteren Umbau zu forcieren. Die Zielgrößen:

GE wird weitere 10 Mrd. $ Umsatz verkaufen und erwartet daraus einen Mittelzufluss von 15 bis 17 Mrd. $.
Das ist weniger als für Pharma bezahlt wird. Das ergäbe einen weitgehend schuldenfreien GE-Konzern (netto gerechnet) und eine Umsatzgröße von vermutlich 80 bis 85 Mrd. $. Anschließend geht es um die Erweiterung der verbleibenden Sektoren Energie und Flugzeugtechnik mit kleineren Zukäufen. Erst dann greifen die üblichen Bewertungsrichtlinien für amerikanische Unternehmen, die eine Umsatzbewertung von etwa dem 1,4- bis 1,5-fachen zulassen. Zielgröße für den Kurs läge dann bei 18 bis 20 $.

BAIDU, ALTABA

Der Shanghai-Index macht vor, wie die Chinesen den ganzen Zollkonflikt einordnen.
Rd. 22 % Gewinn für beide größeren Indizes (180 und 300) hatten wir frühzeitig mit den großen bekannten chinesischen Netzwerktiteln abgedeckt. Sie sind das Rückgrat von Shanghai in der Meinungsbildung. Zwei fehlen:


 BAIDU ist die dominierende chinesische Suchmaschine, ein Pendant zu GOOGLE. Gleichwohl nur bedingt mit den Amerikanern vergleichbar, aber in der Dynamik gleichzusetzen. BAIDU musste ebenfalls kräftig korrigieren um rd. 40 % als Schnitt. Zu den Größenordnungen: 13,5 bis 14 Mrd. $ (umgerechnet) sind die Messlatte für dieses Jahr. Die amerikanische Konkurrenz ist praktisch ausgeschaltet. Die Ausweitung der Geschäfte außerhalb Chinas bleibt ebenso begrenzt, wie der Zugang der Amerikaner nach China. Dafür ist der Markt vorerst „unendlich". Wir investieren analog zu allen anderen mit einer positiven Marktmeinung ohne an den einzelnen Zahlen pro Quartal orientiert zu sein, ebenso wie für ALIBABA und TENCENT. Alle Chinesen sind ein Erwartungsinvestment.

Die Ergänzung zu ALIBABA ist in New York ALTABA, früher unter den Namen YAHOO! notiert und zurzeit der größte ausländische ALIBABA-Aktionär. Damit fahren Sie praktisch im ALIBABA-Trend mit.

DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Der wahre Präsident eines Unternehmens ist der Konsument. (Helmut Maucher, früher NESTLÉ-Chef)
IMPRESSUM:
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