Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 2.12.2021

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Jahresendrally hängt von zwei Entscheidungen ab, Impfpflicht und Lockdown.
Im Ausverkauf am Black Friday und dem möglichen Lockdown stecken 90 % Psychologie und 10 % Fakten. Das ist nicht zu ignorieren, aber wegweisend. Wir hatten am 22.11. alle Aktien auf Stopp gestellt und warten auf die definitive Entwarnung. Das kann täglich oder gar stündlich erfolgen.
Die neue Virusvariante Omikron traf die Welt heftig und mit weitreichenden Folgen.
Im März 2020 kostete die erste Viruswelle rund 30 % in den Indizes in zehn bis zwölf Börsentagen. Im November 2020 bewegte die zweite Welle die gleichen Märkte mit einem Discount um rund 10 bis 12 % in fünf Börsentagen. Der „Black Friday“ kostete rd. 7 % in zwei Tagen. Offen bleibt das Lockdown-Risiko, worüber in Berlin entschieden wird.

Alle bisherigen kritischen Themen sind eingepreist.
Sie waren die Ursache für die deutlich übergekaufte Marktlage, die uns zu dem Aktienstopp animierte. 1. Die Lieferketten, 2. die Chipkrise, 3. das Tapering der Notenbanken, 4. die Inflationserwartung, 5. die möglichen Zinskonsequenzen, 6. die absolvierte Bilanzsaison und 7. die noch offene Impfpflicht und deren Folgen. Der relativ enge DAX ist am empfindlichsten;  im breitesten Markt (S&P 500) sind die zuverlässigeren Daten messbar. Immerhin: 2 Bio. $ waren am Black Friday ebenfalls weg.

Im Virusrisiko stecken ökonomische Folgen.
Das lässt sich nicht vermeiden, ist aber inzwischen messbar. Dazu gehört pure Psychologie zum einen, nämlich  Angst. Die nüchterne Einschätzung führt zu relativ schnellen Erkenntnissen, wie das vergangene Jahr gezeigt hat. Zudem sind alle Institutionen der Gesundheit in allen Ländern der Welt darauf vorbereitet und technisch gerüstet, wenn auch in der Umsetzung schwer nachzuvollziehen. In dieser Nachrichtenlage steckt das tägliche Schwankungsrisiko. Sowohl die Impfpflicht wie die Inflationserwartung sind die aktuell wichtigsten emotionalen Themen.

Die Markttechnik liefert den besten Ansatz. Bis zum 25.11. schleppten sich alle Indizes schrittweise zu neuen Rekorden, aber mit abnehmender Dynamik. Damit war eine technische Korrektur zwingend angesagt. Nun kehrt diese Einschätzung ins Gegenteil, indem die Märkte in sehr schneller Form die Risiken überdrehen und nach unten übertreiben. In diesem Fall ist nicht der Chart entscheidend, sondern die dahinterstehenden Momenti. Das ist physikalisch wörtlich zu nehmen: Momentum heißt Kraft der Bewegung. So wie das eine Pendel nach oben ausschlägt, schlägt das andere nach unten aus. Daraus entstehen neue Perspektiven mit zunehmend ökonomischem Hintergrund und deutlich weniger Psychologie.

Merkwürdig genug: Die Etablierung der Ampel-Regierung wird in diesem Zusammenhang nur eine Nebenerscheinung sein. Wie sie diese Themen jedoch angeht, hat eine Langzeitwirkung. Darüber wird frühestens in drei oder vier Monaten zu diskutieren sein.

LEITLINIE:

Der Weltaktienindex (MSCI) bleibt der Messwert für alle Börsen der Welt unter dem gleichen Vorzeichen:
Pandemie! Wie weit reicht die aktuelle Faktenlage zu der neuen Variante und den möglichen Lockdowns?

Der MSCI-Index reagierte in den letzten 10 Jahren in allen technischen Korrekturphasen jeweils auf die 200-Tage-Linie.
Lediglich in der ersten Coronawelle stürzte er für wenige Tage darunter, um sich anschließend unmittelbar in ebenfalls kurzer Zeit wieder in die Normallage zurückzubewegen.

Wie weit reicht das aktuelle Risiko unter den bezeichneten Bedingungen, wie auf Seite 1 dargelegt?
Eine Korrektur bis auf die 200-Tage-Linie ergäbe eine markante Schwäche im Umfang von gut 20 %. Jeweils als Durchschnitt. Jede andere kleinere Variante lässt sich im Welttrend kaum erklären.

Eine technische Korrektur aus Lockdown und den genannten Fakten reicht dafür nicht aus.
Es müsste schon deutlich mehr passieren, um eine solche Korrektur auszulösen. Wie viel Risiko dieser Art steckt in dem Begriff Inflation?

Die Bundesbank widerspricht der EZB deutlich.
6 % stehen gegen 2,2 % Inflation. Aktueller Stand laut Statistischem Bundesamt 5,2 %. Die Qualität der Bundesbank-Analysen ist hochwertig, die der EZB dagegen politisch abhängig. Dazu passt: Der italienische und der französische Präsident vereinbarten in der vergangenen Woche einen umfangreichen Partnervertrag innerhalb der EU-Regelungen und damit als Sondervereinbarung als Affront gegen Deutschland. Eine der wichtigsten Begründungen liegt in der Formulierung: Gemeinsame Finanzpolitik und Durchsetzung dieser Politik im Eurozonenrahmen. Das bedeutet Finanzierung der Haushaltsdefizite beider Länder, die als nicht vermeidbar bezeichnet werden, mit Geld aus den Eurokassen. Kommentar überflüssig!

Die Steuerung der Geldmenge ist jedoch die entscheidende Größe für die Liquidität der Märkte.
Sie ist wichtiger als die Festsetzung irgendwelcher Zinsen. Welchen Kurs die Bundesregierung diesbezüglich einschlagen wird, gilt zurzeit als völlig offen. Die Angst vor Inflation hat daher einen hohen psychologischen Stellenwert. Erkennbar daran:
Das Konsumklima in Deutschland zeigt eine merkwürdige Schwäche.
Sie lässt sich mit den bisherigen Kommentaren der einzelnen Sektoren (Handel wie Industrie) nicht recht erklären. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Eindruck der Ampel und dem Verhalten der Verbraucher besteht, ist bis jetzt von keiner statistischen Zahl belegt.

In der Erwartung des Weihnachtsgeschäfts gilt in der Regel das Gegenteil. Dafür sprechen alle bisher bekannten Daten der Einkommensentwicklung, der Beschäftigung und der Produktion. Letztere nur eingeschränkt in der Lieferbarkeit infolge Chip- oder Lieferkettenproblemen. Aber:

In allen Fällen geht es um Erwartungen der Verbraucher, also des größeren Teils des Inlandmarktes.
Mit dem neuen Aufhänger „Lockdown“ würde sich diese Erwartung wahrscheinlich noch verschlechtern. Das ergibt sich rückblickend zum letzten Jahr im zweiten Quartal. Eine glaubwürdige Perspektive müsste dazu das Programm der neuen Bundesregierung liefern.

Die Markttechnik hängt vom täglichen Nachrichtenstand in Sachen Impfpflicht oder Lockdown ab. Dazu bitte TB-Daily wirklich täglich lesen, wie bereits seit dem 22.11. gut nachzuvollziehen war. Der Leitbulle bleibt dennoch New York.

SCHWERPUNKTE: VW

VW wird zum dritten Mal in 12 Jahren die brisanteste Wette im DAX.
2008 in der Finanzkrise, 2015 in der Dieselkrise und jetzt in einem besonders pikanten Wettstreit zwischen der italienischen Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo und dem österreichischen Chef mit deutschem Pass Herbert Diess. Ihr Vorgänger Bernd Osterloh wurde vor einem Jahr mit einem üppigen Salaire Vorstand einer VW-Tochter, zwei Jahre vor seiner Pensionierung, nebst Zusage einer ebenso großzügigen Altersvorsorge. Elegant entsorgt.

Pikant zudem:
Die Stämme sind 60 % teurer als die Vorzüge. Der Markt ist extrem eng, weil 20 % dem Land Niedersachsen gehören, 53,3 % der Familie Porsche/Piëch und 10 % dem Scheichtum Katar. Tatsache ist:

Im Kern geht es stets um das Stammwerk Wolfsburg. Dafür gibt es einen Sondertarifstatus für VW und eine Art Glaubensbekenntnis. Über diese Frage sind sämtliche Vorgänger von Herrn Diess gestolpert oder haben sie trickreich umgangen. Am besten Herr Piëch mit dem Rationalisierungsfachmann von GENERAL MOTORS, Herrn López. Das kostete VW eine zweistellige Millionenstrafe vor amerikanischen Gerichten. Die Rahmenbedingungen sind also erneut wichtiger als alle definitiven Zahlen pro Quartal.

Alle Erholungsphasen von VW waren ein interessantes Investment. Im ersten Fall von 40 auf 120 € in zweieinhalb Jahren = 200 % Gewinn. Im zweiten Fall von 110 auf 240 € in rd. vier Jahren = rd. 100 % Gewinn. Im dritten Fall nun von 160 € bis wohin? Das ist die Wette.

Alle deutschen Autobauer gehören zur Billigklasse.
Gemessen an den Gewinnschätzungen per 2022 ergibt sich das bekannte Niveau zwischen 5 und 7. Es ist insbesondere abhängig davon, wie die Märkte den Umbau aller drei Konzerne in Richtung E-Mobil ohne Blessuren schaffen. Alle haben Großaktionäre, so BMW die Familie Quandt, DAIMLER zwei internationale Investoren aus China und dem Nahen Osten und VW die genannte Gruppe. Klar ist:

115 Mrd. € Marktwert (Stämme und Vorzüge) sind für Zielumsätze in der Größenordnung von 270 bis 280 Mrd. € extrem wenig. Die bekanntesten Analysten als permanente Beobachter von VW kommen in einem umfangreichen Vergleich in der FAZ vom 27.11. zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen. Sowohl bezüglich des Verhältnisses von Frau Cavallo und Herrn Diess als auch andererseits in der Perspektive, wie der forcierte Umbau von VW zum größten E-Mobilhersteller der Welt einzuordnen ist. An Letzteren hängt der Großaktionär PORSCHE und teilweise der Ministerpräsident von Niedersachsen. Wöchentlich pendelt der Aufsichtsratsvorsitzende zwischen Salzburg und Wolfsburg, um eine Brücke zu finden. Welches Ergebnis ist denkbar?

Wir gehen in der Bandbreite 130/160 € für die Vorzüge in Position. Die relativ große Bandbreite muss aus technischen Gründen sein, je nachdem, wie der ganze DAX sich verhält. In den Stammaktien wagen wir keinen Einkauf, aber ignorieren sie nicht. 10 % ergeben einen täglichen Umsatz von 60.000 bis 70.000 Stück, also nicht zu ignorieren. Welche Interessenlage dahinter steht, wird von nahestehenden Kreisen ebenfalls unterschiedlich eingeordnet. Wer jedoch investiert, muss mehr wissen. Dann ist es vertretbar, neben den Vorzügen auch eine winzige Portion Stämme zu kaufen. Dafür spricht die zitierte Differenz. Eine Schieflage der Leerverkäufer wie einst 2008 lässt sich nicht denken, aber es wäre möglich, dass noch offene Positionen aus dieser Zeit einzudecken sind.

Für alle gilt: Der deutsche Autoexport fiel im letzten Monat um 17,8 % zurück, aber der Export von E-Autos legte um 26,7 % zu. In diesem Wechsel steckt die Zukunft der deutschen Autobauer am Weltmarkt. Wer dies am besten kann, ist der Gewinner. Hier stellen wir uns wie im Frühjahr 2020 auf: Mit der Bodenbildung im DAX & Co. werden die Autotitel das interessanteste neue Investment auf die „Zukunft“ der E-Mobility.

Im FOKUS: DAX

Der Black Friday wirkte wie ein Großreinemachen.
Die Ergebnisse der Berichtssaison lassen sich daran orientieren. Tagesverluste bis 12 % gehörten dazu. Ergebnis:

Die DAX-Konzerne haben im 3. Quartal durchweg die Ergebniseinbrüche der vergangenen 18 Monate berücksichtigt und saldiert.
Dazu gehören auch massive Rückgänge, die jedoch periodengerecht berechnet werden, aber die Ertragsstärke nicht wiedergeben. So z. B. im Fall AIRBUS, wo die Abrechnung der jeweiligen Auslieferungen zu berücksichtigen ist. Im Fall BAYER sind es Sonderaufwendungen im Monsanto-Streit. Jedenfalls:

Alle bewiesen bis jetzt, dass sie in den schwierigen acht Quartalen standfest geblieben sind.
Das ergibt die bekannte durchschnittliche Gewinnbewertung von rd. 14,2 für die Gewinnschätzungen 2022.

Die aktuelle Marktschwäche reduziert diese Bewertung auf etwa das KGV 14.

In der Pandemie gibt es stets die Gewinner und Verlierer.
Hier bleiben wir dabei: Die bisherigen Pandemiegewinner haben ihre endgültige Bewertung noch nicht erreicht. Echte Investments rechtfertigen sich deshalb nicht.

Die Pandemieverlierer bleiben die gleichen wie bisher: Extreme Schreckkurse sind ein Investment. Betroffen davon waren im DAX vor allem AIRBUS und MTU, obwohl diese sich kaum als Pandemieverlierer bezeichnen lassen können.

FRESENIUS, FRESENIUS MEDICAL CARE und HENKEL bleiben die bisherigen Trendverlierer, unabhängig von jedem Einfluss.
Unverkennbar ist auch:

Die Erweiterung des DAX erhöht die Nervosität sowohl im Tagesverlauf wie in der Trendeinschätzung. Traumbewertungen für SARTORIUS und QIAGEN und teilweise PUMA sind nicht nachvollziehbar.

Das größte Gewicht im DAX haben weiterhin die Autoaktien. Es stellt sich auf 11,2 %. Damit ist dieser Sektor der wichtigste Träger für die künftige Erholung.

Die Chemie bringt es auf 8,7 % Anteil und der Sektor Gesundheit auf 6,8 %.
Hier finden die größten Bewegungen statt, die von unterschiedlichen Nachrichten getragen werden.

Größte Stabilisatoren im DAX sind die Finanzaktien mit ALLIANZ und MÜNCHENER RÜCK vor DT. BÖRSE und DT. BANK.
Sie reagierten am Black Friday auch am geringsten.

Resümee:
Die Ertragsqualität aller Firmen im DAX ist gut bis sehr gut. Darin liegt der Kern für die nächsten Investments im Zuge der Stabilisierung des gesamten Marktes. So ähnlich wie im März/April 2020 bzw. im Oktober/November des gleichen Jahres. Wer vorgreift, könnte in eine besondere Rolle kommen, die mit der Energiewende der Ampel zu tun hat. Dazu fehlt vielen die konkrete Größenordnung.

Im FOKUS: RWE, E.ON und UNIPER

RWE und E.ON beginnen mit einem Investitionsprogramm von zusammen 77 Mrd. € in erneuerbare Energie.
UNIPER und ENBW legen zusammen weitere knapp 30 Mrd. € dazu. Reicht dies in der Summe, um in rd. sieben bis acht Jahren die deutsche Energielücke zu schließen?

EU-Kommissar Thierry Breton stellt unmissverständlich klar: Ohne Kernkraft ist die Klimaneutralität unmöglich (Interview im Handelsblatt am 29.11.). Im Dezember will die EU in der sog. Taxonomie festlegen, welche Investitionen künftig als grün gelten. Dazu fand ein Treffen von Breton mit Olaf Scholz statt, worüber absolute Diskretion herrscht. Kernpunkte sind die Verlängerung der Kernenergie und die Sonderrolle vom Gas für die deutsche Energieversorgung.

Die Investitionsprogramme sind richtig und weitsichtig. Kern der Spekulation ist jedoch: Die noch laufenden deutschen AKWs sind nicht abschaltbar. Wie aber lassen sie sich aus den Bilanzen sowie den Rechtskonstruktionen des Ausstiegs nebst Entschädigungen aus beiden Konzernen eliminieren? Juristisch wohl nur dadurch, dass alle AKWs in einer gesonderten Gesellschaft rechtlich selbstständig werden und im Zahlenwerk beider Energiekonzerne nicht mehr erscheinen sollen. Was sind diese Assets wert, wenn eine Verlängerung der AKWs um 10 Jahre stattfindet, eine extra Finanzierungsrunde stattfinden muss? Worin liegen dann die Potenziale aus der aktuellen Sicht der Börsenkurse von RWE und E.ON? Das hat es in der deutschen Energiepolitik noch nie gegeben. Denn als sicher gilt: Lediglich abschalten geht nicht mehr!

Nord Stream 2 spielt eine ähnliche Rolle.
Trotz Sanktionen und anderer Hindernisse,wie der Zertifizierung durch die Netzagentur ist sicher: Ohne Nord Stream 2 sind die Gasversorgung und der Umbau der Kohle- auf Gastechnik ebenfalls nicht machbar. Dann gilt das Gleiche: Es muss eine Sonderrolle mit eigener juristischer Konstruktion her, um dies zu gewährleisten. Das macht zusammen:

In RWE und E.ON sowie UNIPER stecken die interessantesten Investmentziele mit Langzeitwirkung.
Kurzfristige Lösungen der genannten Art können beide Kurse jedoch zusätzlich treiben. Wir hatten die Kursziele angehoben und bleiben dabei, aber Eile ist nicht geboten.

Im FOKUS: LUFTHANSA, SIXT und FRAPORT

LUFTHANSA, FRAPORT und SIXT sind die aktuellen Spielpapiere je nach dem Nachrichtenstand beim Thema Impfstoff/Lockdown, nicht nur in Deutschland, sondern international.
Wir stellen klar:

Horrornachrichten in Sachen Flugverkehr/Touristik bringen LUFTHANSA und SIXT unmittelbar unter Druck.
Das rechtfertigt sofortige Investments auf Sicht oder kurzfristige Trades via TB-Daily mit Laufzeiten von wenigen Tagen. FRAPORT läuft im Schatten beider Titel mit. Klar ist:

Sowohl LH wie SIXT haben die gesamte Pandemiephase seit 18 Monaten glänzend gemeistert und finanziert. Die Bundeshilfe erbrachte sogar einen Gewinn von 1 Mrd. € über die bekannten Transaktionen. SIXT schaffte es allein. Bei hoher Volatilität aller drei Titel kalkulieren wir mit einer Limitspanne von 5 bis 5,70 € für LUFTHANSA, 76 und 81 € für SIXT Vz. und 51 bzw. 54 € für FRAPORT.

Resümee:
Die Versorger sind echte Klima-bezogene Langfristinvestments. LUFTHANSA, FRAPORT und SIXT sind das Gegenteil: Sie leben von dem Verlauf der weiteren Pandemie. Das lässt sich für kurzfristige Trades nutzen.

EUROPA: Moskau, GAZPROM, ROSNEFT, LUKOIL

Moskau ist der Gewinner der Turbulenzen am Ölmarkt.
Wie immer! Die amerikanische Entscheidung, die Ölreserven teilweise freizugeben, ließ den Ölpreis deutlich zurückfallen. Damit ist eine kurzfristige Entspannung die logische Folge. Reicht das?

Der Ölmarkt zeigt eine klare Entwicklung.
Dem Einbruch im Frühjahr 2020 folgte der schrittweise Aufbau sowohl der Förderung auf der einen Seite wie des Weltangebots auf der anderen. Daran orientieren sich auch die Amerikaner. Fest steht jedoch:

Die Reduzierung der fossilen Rohstoffe für Energie wird knapper und nicht umfangreicher.
Kohle kann vorerst nur durch Öl und Gas ersetzt werden. Der Aufbau der Kernenergie mit zurzeit 470 AKWs weltweit in Ist-Bestand und in der Planung führt nur langfristig zu einer Entspannung. Bis es so weit ist, sind Öl und Gas die wichtigsten Alternativen.

Die größte Abhängigkeit vom Gas zeigt Deutschland, siehe auch Seite 5.

GAZPROM, ROSNEFT und LUKOIL reagierten auf die amerikanische Entscheidung ruckartig.
GAZPROM legte soeben seine Ergebnisse vor, die mehr als überzeugend klingen.

GAZPROM bleibt das sicherste Investment in Öl und Gas.
Beide bestimmen ihre Ergebnisse sowohl in der Menge als auch im Preis. Pikant: Alt-Kanzler Schröder sitzt im Aufsichtsrat für ROSNEFT und ist damit Gesprächspartner seines früheren Ministers Olaf Scholz in Sachen Nord Stream 2. Hier ist Fantasie gefragt. Die Linie in Moskau lautet:

Kooperative Vereinbarungen mit Deutschland, während man die Situation mit Polen und der Ukraine entspannt. Wir nutzen die Gelegenheit, in GAZPROM und ROSNEFT zu investieren. LUKOIL ist die kleinere Variante, etwas marktenger, aber in der gleichen Lage. Bei GAZPROM kann man auch Hebelprodukte nutzen.

EUROPA: RENAULT

Paris offeriert den billigsten Autokonzern der Welt, den jeder kennt, der aber an der Börse kaum noch eine größere Rolle spielt: RENAULT.
10,2 Mrd. € Marktwert für einen Umsatz von knapp 52 Mrd. € im kommenden Jahr bedeuten eine Bewertung von 20 Cents für 1 €. RENAULT ist zurzeit immer noch der größte Lieferant von E-Mobilen der kleineren Modelle und technisch ohne Beanstandungen. Die vorsichtige Auflösung der Ehe mit NISSAN ist weitgehend bewältigt. Nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr rechnet Paris mit 6,47 € Gewinn je Aktie im kommenden Jahr, nach 2,06 € in diesem Jahr. Das ergibt ein KGV von 5. Vergleichbar VW, siehe Seite 3.

Die interessante Frage:
Bleibt RENAULT in dieser Position allein, wofür nur einer als Großaktionär maßgeblich mitwirkt? Der französische Staat mit ca. 15 % Anteil. Es gilt als sehr unwahrscheinlich. DAIMLER hat sein 5-%-Paket verkauft, RENAULT im Übrigen seine DAIMLER-Beteiligung von 4 %. RENAULT ist ein klarer Kauf auf aktuellem Niveau.

WALL STREET:

New York: Fed-Chef Powell muss zurückdrehen.
Das Inflationspotenzial erscheint größer als bisher von ihm angenommen (Statement am Montag). Damit entsteht Handlungsbedarf nicht nur an der Zinsseite, sondern in der Steuerung der Geldmenge, also der Bilanzsumme. Letzteres ist wichtiger als die unmittelbaren Zinsschritte am kurzen Ende. Das Besondere daran:

Der Meinungsstand an der Wall Street läuft komplett auseinander.
Zum einen in den Erwartungen laut Umfragen und zum anderen in den Erwartungen der Fondsmanager für ihre eigenen Dispositionen. Bis vor etwa 14 Tagen haben sie das Thema Inflation kleingeredet oder heruntergespielt, siehe Chart.

Das Fed-Board muss nun entscheiden, wie es das Tapering im Umfang und mit welchem Termin beginnt, ohne dem Markt zu schaden.
Darin liegt die sehr sensible Steuerung der Bilanzsumme der Fed als Richtlinie für die Liquiditätsversorgung des Marktes. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn das Fed-Board noch im Dezember ein entsprechendes Signal an den Markt gibt.

WALL STREET: TWITTER

Ausreichende Korrekturen begründen weiterhin die Möglichkeit gut überlegter Investments.
Dies gilt sowohl für die Techs wie für klassische Valuetitel. Spannend:

TWITTER-Mitgründer Jack Dorsey muss auf Druck von Investoren seinen Posten räumen.
Erste Reaktion des Marktes - 2,5 %. Ob daraus eine neue Strategie für TWITTER entsteht, ist umstritten. 36,5 Mrd. $ Marktwert liegen auf der Waage. 6,3 Mrd. $ Zielumsatz wurden zuletzt genannt. Die Gewinnentwicklung ist bescheiden, aber positiv: Von - 0,87 $ je Aktie geht es über 0,90 $ in diesem Jahr in Richtung 1,15 $ im kommenden Jahr. Die Kernfrage lautet jedoch:

Kann TWITTER als Kurznachrichten-Board die User-Zahlen deutlicher als bisher erhöhen?
Das hängt von der Verbreiterung der Technik und der Programme und vom Ausbau des Werbegeschäfts ab. Analysten in New York unterstellen, dass TWITTER in der Lage ist, 400 Mio. User und mehr zu erreichen. Sollte sich dies als realistisch erweisen, erscheint der zitierte Marktwert bei Weitem nicht ausgeschöpft. Wir gehen auf der Ebene 40/42 $ erneut long.

WALL STREET: LENNAR

Da eine Notbremse der Fed nicht ansteht, ist eine sprunghafte Verschlechterung der Immobilienfinanzierungen nicht zu erwarten.
Das ist der Grund, warum die Immobilienaktien schrittweise zulegen, ohne ausdrücklich zu boomen. Wir stellen unserer kürzlichen Empfehlung für PULTE ein Investment in LENNAR an die Seite. Die komplizierte Sachlage: Die Immobilienpreise steigen, die Nachfrage steigt weniger stark, aber das Gesamtvolumen von Immobilientransaktionen wächst im Jahresdurchschnitt um 6 bis 7 %. Investments in diesen Titeln sind mit IT nicht vergleichbar, aber dafür sehr solide. Dividendenrenditen von 2,8 bis 3,6 % sind nicht aufregend, aber ein Kurspotenzial von 10 bis 15 % ist realistisch. Klassische Value-Investments.

WALL STREET: BIONTECH

Die internationale Impfstoffszene bleibt enorm schwankungsanfällig, aber im Trend.
Mehr als 30 Impfstoffhersteller sind inzwischen weltweit dominierend vertreten, sowohl in Asien als auch in Amerika und in Europa. Die Spitzenkurse vom Sommer haben deutlich korrigiert.

Die großen Pharmaadressen erreichten inzwischen neue Topkurse, z. B. PFIZER. Wir sind durchweg investiert, wie geht es weiter?
BIONTECH ist Partner von PFIZER, aber nur für den Impfstoff gegen Covid-19. Soweit bisher bekannt, ist BIONTECH bereits auf dem Weg zum nächsten Hit: Krebstherapien.

Das Forschungsprogramm der Amerikaner ist weniger bekannt, allerdings breit aufgestellt. Die Deutschen haben sich auf sehr spezielle Therapien eingestellt, was auch für CUREVAC gilt. Wichtig ist dabei: Beide setzen ausschließlich auf die Forschungstechnologie mRNA, während die Angelsachsen noch überwiegend in der klassischen Form der Forschung unterwegs sind. Die Wahrscheinlichkeit für die neue Methode, erfolgreich zu sein, wird von Branchenexperten deutlich höher veranschlagt. Der Spiegel berichtete soeben ausführlich darüber.

Da der Nachrichtenstand die Kurse bestimmt, bleibt die Volatilität hoch.
Unser Vorschlag: Schrittweise in kleinen Portionen investieren, jeweils in einer technischen Schwäche.

KONTROLL-LISTE

Bitte beachten:
Die Dispoliste passen wir an den Zeit-Rhythmus an, wie er von fast allen Publikationen, Print wie Internet, verwendet wird. Also 52-Wochen zurück und in der Perspektive der Kursziele 52 Wochen nach vorne. Das hat zur Folge:

Ältere Empfehlungen nehmen wir aus der Liste heraus. Auf die Woche genau muss das nicht sein, doch im Prinzip. Sie finden deshalb in den Spalten Hoch-/Tief die gleichen Kurse, die Sie auch in den Medien finden. Eine weitere Folge: Eine ganze Reihe von Empfehlungen fallen damit heraus. Den Verlauf der Geschäfte und die Einschätzung dieser Papiere verfolgen wir intern und kommen jeweils aus aktuellem Anlass zu einer neuen oder wiederholten Empfehlung. Das ergibt insgesamt eine Straffung der gesamten Liste.

Aktuelles Beispiel: VW führen wir seit 2018 in der Kaufliste. Dieser Hinweis wird gestrichen. Heute empfehlen wir sie neu mit dem aktuellen Ausgangswert und der aktuellen Quelle AB 48/21.

DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Was du an Geld verlierst, gewinnst du an Verstand. (N. N.)

Herzlichst Ihr


(Hans A. Bernecker)                

Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker

IMPRESSUM:   Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Actien-Börse erscheint wöchentlich. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.