Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 8.10.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

die ökonomischen Ergebnisse verbessern sich weiter, aber die Nervosität bleibt hoch.
Bei erkennbar bescheidenen Umsätzen. Und sogar der Ölpreis pendelt aufgeregt in einer Bandbreite von 10 %. Der nächste Termin ist der Wahltag am 03.11., einen festen Termin für einen Impfstoff gibt es noch nicht. Dafür startet in der kommenden Woche die Berichtssaison. Die Faktenlage dazu:
Alle Vorgaben kommen aus den USA oder China.
Europa kann nur in einzelnen Fällen mithalten. Die großen Firmen bieten Erholungen oder Comebacks, aber nur wenige eine Sichtweite, die über Jahre gilt. Dies einzuordnen, gilt spätestens ab November. BYD ist ein solcher Fall. Wir liegen zurzeit mit 118 % Kursgewinn vorn, aber wie geht‘s weiter? Siehe dazu Seite 2. TESLA ist die amerikanische Variante mit ähnlichen Akzenten, siehe dazu ebenfalls Seite 2. Gemeinsam ist: Wer zurückbaut, ist kein Investment, nur derjenige, der vorbaut, wird es sein.

Die Berichtssaison bringt die nächsten Maßstäbe. Die erste Überraschung lieferte BAYER mit einem wahrlich bescheidenen Ausblick, der 17 % Verlust in zwei Tagen bewirkte oder eine Reduzierung des Marktwertes um fast 6 Mrd. €. Eine Reihe anderer Konzerne baut zurück, indem sie umfangreich Mitarbeiter freistellen, aber keine überzeugende Idee liefern, wie sie in zwei oder drei Jahren aussehen wollen. Nur zwei DAX-Firmen sind ausgenommen, SAP und INFINEON, wofür höhere Kursziele mit neuen Rekorden anzunehmen wären.

Wenn 90 % aller Kommentare davon ausgehen, dass die Zinsen bei null bleiben und die Inflation ebenfalls knapp darüber, stellen wir dies in Zweifel. Mehrheiten dieser Art liegen kurzfristig richtig, aber nie auf längere Sicht. Das dürfte sich schon nach der US-Wahl ab 04.11. erkennen lassen. Bezeichnend: Im Fed-Board fehlen angeblich nur zwei Stimmen für eine andere Politik.

Deutschland macht vor, wie man mit einer Pandemie umgeht. Wenigstens in dieser Beziehung sind wir Weltmeister. Auf diese sorgfältige Politik begründet sich die Sonderchance der Deutschen in der weiteren Aufholjagd aus der Pandemie heraus in eine neue Zukunft. Mit Geld allein ist dies nicht zu machen. Wer aus dieser Krise herauskommt, ist jedoch anschließend ein Investment wert.

ETFs und Einzelinvestments treten in einen besonderen Wettbewerb. ETFs fahren wie ein Omnibus, Einzelinvestments wie ein Pkw oder fliegen sogar wie eine Drohne. Welches die intelligentere Investmentidee ist, wird sich nun zeigen, wenn die Rahmenbedingungen deutlich anders ausfallen, als sie seit gut 10 Jahren galten.

Resümee: Auf höchste Individualität in der Auswahl der Investments kommt es ab der Berichtssaison und den jeweiligen genannten Akzenten demnächst an.

LEITLINIE:

Die Auslese in der Berichtssaison folgte dem Modell, das wir bereits ab Mitte März vorgegeben hatten:
Bis 12.000 im DAX gilt der Einkauf wie im Supermarkt zum halben Preis. Das hat hervorragend geklappt. Ab 12.000 wird es deutlich schwieriger und komplizierter. Das versuchen DAX & Co nunmehr seit fast 7 Monaten, ohne bis zur Stunde ein klares Trendsignal erkennen zu lassen.

Die Rolle der Amerikaner und Chinesen ist überdeutlich erkennbar. Keiner investiert in Forschung und Entwicklung derart umfangreich. Beide sind zwar die größten Volkswirtschaften der Welt und in Milliarden Dollar gerechnet natürlich auch größer, aber schon die nächst kleineren Exportnationen fallen deutlich ab: Deutschland und Japan. Alle anderen kann man unter ferner liefen einordnen.

Die Eigenkapitalfinanzierung ist im halbkommunistischen China wie auch im total kapitalistischen Amerika die wichtigste Finanzquelle und Garantie für die freie Entwicklung der Finanzkräfte.
Nur der, der sich an beide Länder irgendwie anhängen kann, kommt mit. Das Bankhaus Metzler lieferte dafür soeben eine interessante nähere Studie, die dies präzisiert.

Wir unterscheiden zwischen Klumpenrisiken in den großen Techs und deren nötigen Korrekturen und den nachhaltigen Konsequenzen für die nächsten fünf oder zehn Jahre als Grundlage für den Wettbewerbsvorteil von Marken und Ländern in den Schlüsselsektoren. Das technische Risiko gehört jeweils dazu. Kurzfristig:

TESLA ist in der E-Mobility das Maß aller Dinge. Das weiß inzwischen jeder. Produktionsziele von 20 Mio. TESLA-Autos sind übertrieben, aber: In den Sektoren Software und Batterietechnologie rangiert TESLA mit einem Zeitvorsprung von zwei bis drei Jahren. Daran entzünden sich natürlich fantasievolle Kursziele, die jeweils korrigiert werden, aber im Trend stimmen.

BYD überfährt alle mit seinen Stückzahlen. Ende des Jahres fahren in China rund 5 Mio. E-Autos. Im kommenden Jahr wird die gesamte China-Produktion auf 4 Mio. Stück geplant. Im Sektor Lokalverkehr dominiert BYD schon jetzt mit seiner Technik diesen Markt in Stückgrößen, die auch in den USA unmöglich sind. Auf solche Trends aufzuspringen, ist schwierig. Aber die nächste technische Korrektur wird das ermöglichen.

Ob NIKOLA den Sprung schafft, ist im Moment zweifelhaft.
Mit einem Partner wie GM ergibt sich jedenfalls eine dritte Produktlinie mit dem Schwerpunkt Brennstoffzelle, die bei einem erfolgreichen Start die Lkw-Märkte der Welt nachhaltig verändern wird.

Alle drei sind Repräsentanten der Autotechnik, gleichgültig von welcher technischen Ausgangslage. In allen Fällen stehen die deutschen Konzerne vor dem Gegenteil: Sie bauen zurück, reduzieren Kapazitäten und Mitarbeiter und schaffen damit keinen einzigen Euro Mehrwert. Das gab es schon einmal: IBM eröffnete 1961 das Computerzeitalter. COMPAQ ab 1975 den PC-Markt und APPLE ab ca. 2008 den Markt für Smartphones. Damit setzten alle drei die wichtigsten Akzente für Produktlinien, die bis heute maßgeblich gelten und den Trend für weitere Produkte begründeten.

Die Markttechnik des DAX bleibt ausgewogen: Positiv im Grundtrend, aber behindert durch fehlende schlagkräftige Argumente aus Politik und Wirtschaft. Bei rd. 2,5 Mrd. € DAX-Umsatz pro Tag und einem VDAX deutlich unter 30 wartet der Markt wohl bis zur amerikanischen Wahl und dem Ergebnis, bevor sich eine nachhaltige Tendenz entwickeln kann. In MDAX und TecDAX ergeben sich etwas günstigere Vorzeichen aus den Ergebnissen der Firmen, deren Berichtssaison in der kommenden Woche schon beginnt. Einige Firmen griffen bereits vor.

SCHWERPUNKTE:BAYER und COVESTRO

Die Bilanzsaison hat begonnen und damit das Aussortieren ab der beschriebenen DAX-Linie von 12.000.
Die wichtigsten Meldungen dazu aus den vergangenen fünf Tagen:

BAYER verlor in zwei Tagen knapp 17 % oder fast 6 Mrd. € Marktwert. Eine technische Erholung mag sein, aber: Die MONSANTO-Story für BAYER ist vorerst erledigt.

New Yorker Berechnungen des Konzernwerts von BAYER nach den Rechtsfällen von 85 Mrd. € werden zurückgezogen. Aktuell sind es 46 Mrd. € oder fast die Hälfte. Wie die endgültige Konzernbilanz per Jahresende aussieht, wenn alle Ergebnisse der laufenden Geschäfte und der nötigen Abschreibungen auf die Tochter bekannt sind, gilt in Leverkusen als vorerst theoretische Kalkulation. Die Topkurse der vergangenen 52 Wochen von rd. 78/80 € sind zunächst unerreichbar.

Ob CEO Baumann und sein AR-Chef dies überleben, ist durchaus offen.
Zwei aktivistische Investoren überlegen eine Alternative. Wir erwägen den Rückzug nach einer möglichen technischen Erholung ab evtl. 55 €.

COVESTRO wurde für die jüngste Investition mit einem Abschlag von zeitweise 10 % bestraft. Der Kauf einer Produktlinie harzgebundener Wirkstoffe ist eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Produkte rund um den Sammelbegriff Polymere. Es ist schwer nachvollziehbar, wenn der Preis von 1,6 Mrd. € für knapp 1 Mrd. € Umsatz zwar rechnerisch schwierig ist, aber in der Perspektive für COVESTRO einen klaren Ansatz dafür liefert, wohin das Steilemann-Team kommen will. Die Kaufbasis 40 € bleibt gültig, wenn auch nicht besonders lukrativ.

SCHWERPUNKTE: CONTINENTAL

CONTINENTAL ist der dritte Problemfall in der laufenden Berichtssaison.
Unsere permanenten Zweifel an der Strategie der Hannoveraner haben sich als richtig erwiesen. Reicht das? Die Abspaltung einer Tochter über das Verschenken an die Aktionäre wurde am Fall SIEMENS genau beobachtet. Der Spin-off der Motorenfertigung lässt sich nicht umgehen. 19 Mrd. € Marktwert bleiben eine unverändert hohe Bewertung. Das Manager Magazin beschäftigt sich in seiner neuesten Nummer (Oktober) mit den Problemen des Großaktionärs SCHAEFFLER.

Wir warten seit längerer Zeit darauf, wie sich die Familie Schaeffler aus eigenen Finanzgründen aus dieser Beteiligung zurückzieht. Der aktuelle CONTI-Kurs ist deshalb leicht manipuliert.

SCHWERPUNKTE: MERCK und INFINEON

MERCK demonstriert, wie man erfolgreich aus der ältesten Apotheke der Welt ein stramm organisiertes Unternehmen entwickelt, das nachhaltig zulegen kann.
Der bisherige Chef Stefan Oschmann übergibt an Frau Belen Garijo, die in der Branche als Geheimwaffe bezeichnet wird. Die Spanierin setzt demnächst die neuen Akzente. Die 250 Mitglieder der Großfamilie MERCK stehen voll dahinter. Wir liegen mit 37 % Kursgewinn nach dem letzten Einstieg vorn und erhöhen das Kursziel für MERCK auf zunächst 145/150 € per 12 Monate. MERCK hatte ursprünglich vor, sich von den Flüssigkristallen (Chipindustrie) zu trennen. Nun fährt man zweigleisig mit klarer Fokussierung auf beide Kerngeschäfte., die sich gegenseitig nicht stören.

Nachrichtlich zu INFINEON: Wir erhöhen die Kursziele für INFINEON auf 30 €, behalten uns aber die nähere Begründung bis zur Vorlage der 9-Monatszahlen vor. Ein Vorgriff macht keinen Sinn, weil die volle Eingliederung der neu erworbenen Tochter CYPRESS noch abzuarbeiten ist. Nicht überrascht wären wir von einer Ankündigung weiterer Käufe von Chipspezialisten. Macher des Ganzen bleibt weiterhin CEO Ploss.

Im FOKUS: RWE

RWE erhält ein neues Kursziel von 40 €.
Nun inzwischen zum dritten Mal hintereinander. Soeben ging der 25. Windpark in den USA in Betrieb. Essen rechnet mit zügigen Erweiterungen, entweder selbst oder über den Kauf ganzer Anlagen. Das ist lediglich eine Preisfrage. Vorbehaltlich der Zahlen zum 30.09.: Die Plangrößen per 2021/2022 reichen bis zu einem Umsatz von 15 Mrd. bis 16 Mrd. €. Aktueller Marktwert 22 Mrd. € ist dafür zu wenig.

Im FOKUS: K+S

K+S liefert den spannendsten Sachverhalt.
Schon der Blick auf den Chart ist aufregend. Der Verkauf der amerikanischen Salzinteressen spielt 3 Mrd. $ in die Kasse.

Mit diesem Erlös ist die Bilanz von K+S wieder solide. Wie sich dies netto rechnet, wird mit den Ergebnissen zum 30.09. vorgerechnet werden. Damit bleibt die kanadische Kalimine im Konzern als wichtigste Säule. Nettoumsatz nach Verkauf voraussichtlich um 3,2 Mrd. €. Das Problem: Wie angreifbar ist K+S mit der nach wie vor bestehenden Versalzung der Werra, wenn Umweltschützer dieses Thema erneut angehen? Die erste Reaktion des Kurses betrug rd. 18 %, Kursbasis aktuell 7,20 €, was für ein weitergehendes Ziel bis 10 € reicht. Preisvergleiche mit der Konkurrenz (Bela Kali und Rus Kali) sowie MOSAIC lassen sich wegen der unterschiedlichen Bilanzen nicht machen. 1,3 Mrd. € Marktwert sind jedenfalls preiswert.

Im FOKUS: GRENKE

GRENKE braucht Zeit.
Die erste Reaktion mit + 17 % nach dem ersten Testat von KPMG geht in Ordnung. Es betraf jedoch nur die Banksalden.

Unklar ist, in welchem Umfang Buchwerte der Beteiligungen wertberichtigt werden müssen oder ganz abzuschreiben sind.
Darin steckte der zweite Vorwurf des Shorter-Angriffs. Baden-Baden taxiert dieses Risiko für die GRENKE-Bilanz auf 150 bis 180 Mio. €, aber ohne Auswirkungen auf den Gewinn. Daraus resultiert in der Regel lediglich eine Bonitätsabstufung.

Wann ist der alte Topkurs von 104 € vor gut einem Jahr wieder erreichbar? Unser Einstand liegt bei 75 €. Der sofortige Zugriff über GRENKE-Calls in der TB-Daily erwies sich als beste Reaktion (Gewinn bisher + 63 %). Das mittlere Preisziel reicht vorerst bis 55, vielleicht 58 €. Ein Rücksetzer bis 34/36 € ermöglicht Zukäufe.

Im FOKUS: PUMA

Neue Perspektive für PUMA:
Großaktionär KERING reduziert seinen Anteil von 15,7 auf 9,8 % und der Freefloat steigt auf 61,7 %. Dafür wurde der Kurs vorher geschickt nach oben gezogen, mithin:

Wir warten die 9-Monatszahlen ab.
Insbesondere die Perspektive für die Umsatzentwicklung der nächsten Monate. NIKE hat es vorgemacht: Volle Fokussierung auf Online. PUMA setzt dafür den Fußballer Neymar ein, worin ein besonderer Test liegt. Wahrscheinlich wird ADIDAS die Ergebnisse vorlegen, denen PUMA anschließend folgt. Für beide gilt also: Kein Vorgriff!

11,6 Mrd. € Marktwert und 40 im KGV bzw. 54 Mrd. € für ADIDAS bei einem KGV um 30 sind sehr anspruchsvolle Ausgangslagen.
Die Differenzen zu den Spitzenkursen betragen für PUMA nur 5 % und für ADIDAS knapp 19 %.

Im FOKUS: S&T

Besondere Hintergründe rechtfertigen besondere Analysen!
Ein böses Déjà-vu erlebten die Aktionäre von S&T. Der österreichische IT-Dienstleister war Gegenstand einer Short-Studie vom britischen Research-Haus The Analyst mit Kursziel 6 €. Nach WIRECARD und GRENKE die nächste mutmaßliche Betrugsnummer? Im Vorfeld der Research-Studie gab es wie üblich entsprechende Aktivitäten von bekannten Leerverkäufern. Beruhigend ist die Tatsache, dass The Analyst S&T nicht wie in den anderen Fällen Betrug vorwirft, sondern die Buchhaltung an sich kritisiert sowie geringe Margen und die Komplexität der Gruppe durch die Aktivitäten im ehemaligen Ostblock samt 79 Tochterfirmen in 32 Ländern. Gegenhalten?

Für das laufende Jahr hat Firmenchef Hannes Niederhauser 1,15 Mrd. € Umsatz und einen operativen Gewinn von mindestens 115 Mio. € in Aussicht gestellt. Daran ist nicht zu rütteln, das dritte Quartal soll unternehmensnahen Kreisen zufolge noch einmal besser gelaufen sein als das zweite. Es würde uns nicht wundern, wenn S&T spätestens bei der Vorlage der Q3-Zahlen mit einer höheren Prognose aufwartet. Wir kennen Firmenchef Niederhauser als seriösen Manager, Macher und Strategen, der S&T vom IT-Dienstleister mit hohem niedermargigen Hardware-Anteil zu einem Spezialisten für IoT/Industrie 4.0 umgebaut hat. Auf die berechtigte Analystenkritik etwa zur schwachen Cash-Konvertierung und zur komplexen Organisationsstruktur hat S&T bereits 2019 mit einem eigenen Effizienzprogramm reagiert. Unter dem Strich: Die Studie der Briten ist in Teilen falsch oder übertrieben.

S&T kommt nach dem deutlichen Kurssturz um 25 % innerhalb weniger Tage auf einen Börsenwert von 1,2 Mrd. €. Für 1,5 Mrd. € Umsatz per 2021 geht das in Ordnung. Das KGV für das laufende Jahr liegt bei 22 und per 2021 bei 18. Für einen Spezialisten im IoT-Umfeld ist das günstig. Der aktuelle Kurs ist eine Einladung zum Einstieg samt spekulativer Wette auf eine Prognoseanhebung. CEO Niederhauser hat die jüngsten Rücksetzer selbst für Käufe genutzt.

Im FOKUS: MASTERFLEX

Im Nebenwertebereich wird MASTERFLEX wieder wachgeküsst, nachdem die Aktie in den vergangenen zwei Jahren rund 50 % an Wert verloren hat.
Ausschlaggebend dafür ist der Umbau der Firma vom reinen Produktanbieter von Spezialschläuchen für verschiedenste Anwendungen zu einem Technologieanbieter für Hightech-Schläuche und Verbindungssysteme. Das klingt zunächst unspektakulär, wenn es aber um komplexe Bestückungsautomaten, Roboter, mikroinvasive Medizinprodukte, auf Dauer in Kaffeemaschinen verbaute Schläuche oder sehr leichte Schläuche für die Luftfahrt oder selbst vernetzungsfähige digitale Schlauchlösungen geht, führt kein Weg an MASTERFLEX vorbei. Für den nötigen Impuls für die Aktie sorgt das vom Management weitgehend umgesetzte Restrukturierungsprogramm.

Für das Jahr 2020 ist das Management um CEO Andreas Bastin und CFO Mark Becks noch vorsichtig, zumal sich die Effekte aus dem Umbau insbesondere aufgrund des negativen Einflusses aus der Coronakrise noch nicht offensichtlich in den Zahlen niederschlagen.
Einen ersten Vorgeschmack gab es bei den Zahlen zum ersten Halbjahr, das trotz des pandemiebedingten 10 %-igen Umsatzrückgangs profitabel war. Die schwache Kundennachfrage aus der Industrie, dem Autobau und auch aus der Luftfahrt konnte man mit gut laufenden Geschäften in Zukunftsbereichen wie der Medizin-, Labor- sowie Pharma- und Lebensmittelindustrie abfedern. Spätestens 2022 hat man sich eine zweistellige EBIT-Marge als Ziel auf die Fahne geschrieben. 2023/24 soll die Umsatzmarke von 100 Mio. € überschritten werden. Mit Zukäufen stehen perspektivisch sogar 200 Mio. € auf der Agenda. Der aktuelle Börsenwert von knapp 50 Mio. € spiegelt diese Aussichten nicht annähernd wider. Per 2021 liegt das geschätzte KGV bei 10/11. Kurse von 7 bis 8 € lassen sich rechnen, das wären immerhin rund 50 % spekulative Kurschance.

EUROPA: LONZA und GURIT

Die Schweizer Pharmaszene gleicht einer Wundertüte.
Kleine Spezialisten entwickeln regelmäßig Produkte mit Überraschungseffekt. Jüngster Fall ist BACHEM mit Wirkstoffen, die in der augenblicklichen Virusmedizin eine Sonderrolle spielen. Vor acht Monaten wäre dies kein Thema gewesen. Bei 406 CHF ist ein Aufspringen nicht mehr möglich. Gibt es andere Varianten?

LONZA ist eine Sondernummer als erfolgreichster Spezialist für Wirkstoffe und Herstellung von Pharmaprodukten für die großen Konzerne in Basel und teilweise auch in Amerika. 42 Mrd. CHF Marktwert entsprechen rd. dem 7-Fachen des Umsatzes, der jedoch mit einer Marge von über 45 % arbeitet. Für deutsche Verhältnisse unvorstellbar. Der bisherige, sehr erfolgreiche Chef ist gegangen und die Abspaltung des Chemiegeschäfts steht auf dem Terminkalender. Hier können Sie nur mitfahren, auf technische Korrekturen jeweils so reagieren, dass Sie die Positionen schrittweise ausbauen. Aktuell rd. 560 CHF mit Zielrichtung auf neue Rekordkurse nach Vorlage der 9-Monatszahlen und der Konditionen für den Verkauf der Chemiesparte.

GURIT deckt das Gleiche im Sektor Zulieferer/Ausrüster für die Windkraft ab.
GURIT stellt die Flügel her, deren Länge inzwischen über 80 Meter beträgt. Der Durchmesser dieser Windkraftaggregate liegt inzwischen bei über 160 Meter. Um der erheblichen Windkraft in der Offshore-Szene gerecht zu werden, ist beim Material höchstwertiger Kunststoff vonnöten sowie eine sorgfältige Konstruktion. Entsprechend hoch sind die Margen. 985 Mio. CHF Marktwert sind für einen solchen Spezialisten ambitiös, aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. 

EUROPA: GRIFOLS

Madrid bietet Ähnliches.
Mitten in der Coronakrise verliert der interessanteste spanische Pharmawert fast 30 %, weil im Moment niemand darauf achtet. GRIFOLS produziert Medikamente auf Basis von Blutplasma für die Transfusionsmedizin. Die Pandemie drückte das Ergebnis deutlich, weil die Blutgeberzentren teilweise geschlossen waren. Die geringere Verfügbarkeit von Plasma schlug auf den Umsatz durch, wodurch der Kurs von 33 auf 23 € durchsackte.

Es ist der seltene Fall, einen solch ungewöhnlichen Zusammenhang griffig zu nutzen. GRIFOLS wird im Übrigen von der Gründerfamilie noch immer geführt und maßgeblich als Großaktionär begleitet.

EUROPA: BILLERUDKORSNÄS

BILLERUDKORSNÄS: Papier statt Plastik!
Der schwedische Papierhersteller hat sich schon länger als Spezialist für nachhaltige, plastikfreie Verpackungen am Markt etabliert. Erst Ende September wurde mit dem Partner Syntegon eine flexible, komplett recyclebare Verpackung vorgestellt, die z. B. die Plastikverpackungen für Schokoriegel ersetzen kann. Für den französischen Baustoffhersteller LAFARGE entwickelte BILLERUD Zementsäcke, die zusammen mit dem Inhalt in den Zementmischer gegeben werden können, da sie sich rückstandsfrei auflösen. Außerdem arbeiten die Schweden an der Entwicklung von Getränkeflaschen oder Minibatterien aus Papier. Damit liegt BILLERUDKORSNÄS voll im Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Operativ war das erste Halbjahr noch von Covid 19 belastet. Zwar sank der Umsatz nur um 1 %, aber der operative Gewinn ging um 37 % zurück. Im zweiten Quartal hat aber schon eine deutliche Erholung eingesetzt (operativer Gewinn + 26 %). Das laufende Effizienzprogramm soll bis Jahresende insgesamt einen positiven Ergebnisbeitrag von 250 Mio. SEK erbringen, von denen bisher 90 Mio. SEK realisiert wurden. Mit einer EK-Quote von 52 % und 36.000 Hektar Grundbesitz auf der Aktivseite, der erhebliche Bewertungsreserven beinhaltet, bietet BILLERUD zudem genügend Substanz. Charttechnisch wurde in diesem Jahr der seit Ende 2015 bestehende moderate Abwärtstrend gebrochen. Damit rücken die alten Höchstkurse bei über 189 € in Reichweite. Wir steigen mit einer ersten Position ein.

WALL STREET:

Die Wall Street muss sich bereits drei Wochen vor dem Wahltermin auf das Ergebnis einstellen.
Das wird durchaus spannend, weil es in diesem Fall weniger um Sachverhalte als um Spekulationen geht. Die Einschätzung der verschiedenen Sektoren von Growth bis Value erfährt mit Sicherheit eine neue Betrachtung. Die Ausgangslage ist klar:

Die bisherigen Konsolidierungen im Tech-Sektor, also Nasdaq 100, liefen vorbildlich, sind jedoch noch nicht beendet.
Die täglichen Umsätze sind gegenüber den Spitzenwerten um etwa 20 % niedriger anzusetzen. Ob die sog. zweite Phase der Korrektur noch absolviert wird, bleibt im Moment offen. Denn:

Ob ein Präsident Biden nebst einer sehr linken Vizepräsidentin eine wesentliche Stimulanz für neue Geschäfte initiiert, steht infrage. Auch dann, wenn viele der Chefs der Tech-Firmen eher zu den Unterstützern der Demokraten gehören als umgekehrt. In welcher Form z. B. die Geschäfte von AMAZON & Co. durch die Politik beeinflusst werden, ist komplett offen.

WALL STREET: BIOGEN, INCYTE, ILLUMINA

Die Coronakrise ergab für die amerikanische Pharmaindustrie ein seltsames Bild.
Alle mit Impfstoffforschung beschäftigten Firmen waren die Objekte vielfältiger Kombinationen, mit extremen Spekulationen und noch extremeren Kursen. Die Gegenseite der Pharmazeutik stand völlig im Schatten und verlor kräftig. Darin liegen die aktuellen Möglichkeiten, die Position zu wechseln:


BIOGEN ist spezialisiert auf die Entwickelung lebensrettender, lebensverlängernder und die Lebensqualität verbessernder Medikamente. Die Forschungen liegen im Sektor neuralgischer Kombinationen bis zur Multiplen Sklerose oder Schuppenflechte sowie in den Bereichen Onkologie, Rheumatologie und Hämophilie. Marktwert rd. 40 Mrd. $. Bruttoumsatz um 12 Mrd. $. Mit diesem anspruchsvollen Programm wird BIOGEN zurzeit mit einem KGV um 9 per 2021 bewertet. Das ist die tiefste Bewertung, die es für BIOGEN in den letzten 20 Jahren gegeben hat. Der Kurs rutschte in der Coronakrise von 320 bis 230 $ und zeigt jetzt den Ansatz für einer deutlichen Erholung.
INCYTE ist ein Nummer kleiner.
Man konzentriert sich auf die Forschung und Entwicklung von proprietären Therapeutika, z. B. für Patienten mit Myelofibrose oder Polyzythämie. Der Umsatz wächst geschätzt um 22 % auf 2,6 Mrd. $. Auf Basis 2021 erscheint ein greifbares KGV um 30. In der Krise ging es von 95 bis 67 $ in den Keller. Nach Erholung und jüngster Korrektur sind Kurse über 100 $ unser erster Ansatz.

ILLUMINA machte bereits den Anfang. Zwischengewinn 15 %. Auf die Spezialitäten kommt es an, wofür diese Firmen mit umfangreichen Entwicklungsarbeiten stehen. Neue Topkurse sagen wir nicht voraus. Das Erholungspotenzial ist grob mit 30 bis 35 % anzunehmen. Cleverer ist es, in Optionsscheine zu investieren, wo das Ergebnis etwa das Doppelte einer Direktinvestition erreicht.

WALL STREET: TWITTER

Für TWITTER steigen die Kursprognosen auf 52 bis 55 $.
 Es war richtig, trotz Donald Trump dabeizubleiben. Zwischengewinn bis jetzt 47 %. Der Reiz bleibt:

TWITTER lebt von etwa 280 Mio. Usern. Davon etwa zwei Drittel dauerhaft oder täglich. TWITTER ist inzwischen rentabel über Werbeeinnahmen, die zwar nicht den Umfang anderer Netzwerke erreichen, aber die Rentabilität sichern. 34 Mrd. $ Marktwert ist jedoch die bei weitem niedrigste Bewertung eines solchen Netzwerkes. Eine veränderte politische Landschaft in den USA macht TWITTER deshalb interessant, weil mit diesem Netzwerk und ohne den gelegentlichen Missbrauch durch D. T. eine der letzten Möglichkeiten besteht, in ein bestehendes Netz einzusteigen, um es mit einer veränderten Konzeption deutlich auszubauen.

Dafür gibt es mehrere Interessenten mit ausreichendem Kapital. TWITTER hat bewiesen, dass es als Nachrichtennetz einen besonderen Stellenwert aufweist. Wir stocken die TWITTER-Positionen auf. Die Anfangsposition wird zum aktuellen Kurs eingegangen.

Ölpreis

Der Ölpreis absolviert den ersten Qualitätstest für seinen längeren Trend.
Das Tief vom März knapp über 20 $ je Barrel bleibt die Ausnahme. Aber:

Die Besonderheiten am Terminmarkt prägen erneut das Marktbild, dagegen nicht das normale Mengengeschäft am Kassamarkt für die Versorgung von Chemie und Kraftstoff. Infolge der verlängerten Fristen für die Aufnahme des Luftverkehrs aller Airlines wurden Terminkontrakte erneut zurückgefahren bzw. gestrichen. Gleichzeitig erhöhen sich damit die Vorräte.

Kein Rückzug aus den Ölwerten, aber sorgfältige Beobachtung ist zwingend. Im Öl steckt weiterhin die sicherste Einschätzung für die gesamte Weltkonjunktur nach der Pandemie im Schrittverfahren. Neue Ölinvestments haben allerdings noch Zeit.

DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Das ist unser Haupthindernis:
Dass wir zu schnell mit uns
zufrieden sind. (Seneca)

Herzlichst Ihre


(Hans A. Bernecker)         (Markus Horntrich)   (Georg Sures)

Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker
IMPRESSUM:
Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Actien-Börse erscheint wöchentlich. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.