Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 25.1.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle Politiker der Industrieländer stehen vor einer provozierenden Frage:
Machen die Amerikaner erneut vor, ähnlich wie vor 35 Jahren, wie man ein großes Land dynamisiert und gleichzeitig zur Konjunkturlokomotive der Welt macht? Ausgerechnet ein äußerst umstrittener Präsident steht hier im Mittelpunkt. Welche Folgen hätte dies und wer kann dem überhaupt folgen?
APPLE macht den Anfang.
38 Mrd. $, die bislang unversteuert im Ausland lagen, werden „nach Hause“ gebracht und gehen nun in neue Investitionen ins Inland. Die Summe all solcher Salden der anderen großen Adressen wird von Banken und Rating-Agenturen zwischen 1 bis 1,4 Bio. $ geschätzt und diese Unternehmen stehen vor der gleichen Entscheidung. Solche Beträge gab es noch nie, siehe Seite 7. Damit zeichnet sich ab:

Die Steuerreform hat mit großer Sicherheit die gleiche Wirkung wie diejenige Reagans. Aus sinkenden Steuern entstehen stets Investitionen. Die Lücke zwischen den Fehlbeträgen für die Staatskasse und erhöhten Steuererträgen liegt nach allen Ökonomie-Urteilen zwischen fünf und sieben Jahren. Sie ist problemlos finanzierbar. Die damalige Politik führte zu neuen Jobs in den Größenordnungen zwischen 25 bis 30 Mio. in ca. 18 Jahren (unterschiedliche Abgrenzungen). Alle Zahlen sind belegt.

Das amerikanische Wachstum hat folgende Wirkung: Zunächst für die Inlandskonjunktur und zum anderen mit einem erhöhten Import, worin der Export aller Lieferanten steckt. Größter Gewinner war früher Deutschland, heute ist es China. Ob die Amerikaner dies begrenzen, lassen wir offen. Der Wachstumseffekt ist auf jeden Fall unstrittig, geht aber zu Lasten des Dollars.

Wer könnte dem folgen?
Nur Frankreich hat eine ähnlich hohe Steuerquote von knapp 35 %. Alle anderen liegen zwischen 20 und 30 %. Für Deutschland gelten offiziell 15,8 %, aber inkl. Gewerbesteuer sind es knapp 30 %. Eine Reduzierung dieser Steuersätze um vielleicht 5 bis 7 % würde umfangreiche Investitionen auslösen, was ebenfalls unstrittig ist. Welche europäische Regierung wagt es, diese Existenzfrage zu einem echten politischen Ziel zu machen? Für China und Japan gelten andere Regeln.

Wo arbeiten die innovativsten Firmen der Welt? Aus der neuesten Rangordnung aller berühmten Namen sind unter den ersten 20 Firmen 14 mit amerikanischer Adresse, 4 mit japanischer und Nr. 21 in dieser Liste ist die erste deutsche Adresse, nämlich SIEMENS. Das ist für ein Industrieland wie Deutschland wirklich mager. Offensichtlich reicht das verdiente Geld nicht aus, um die Forschung zu forcieren.

Ergebnis: Den Begriff Visionen hatten wir in den vergangenen Actien-Börsen bereits in den Mittelpunkt der Börsendiskussionen gestellt. Die Entscheidung für Deutschland darüber fällt in Berlin. Mit einem „weiter so“ geht es nicht.

LEITLINIE

In jeder extremen Entwicklung steckt der Ansatz zu einer markanten Korrektur.
Mathematisch ist dies fast zwingend. Offen ist nur, wo die absolute Spitze der Eskalation liegt. Gut 90 % aller Experten halten die bisherige Entwicklung für unbegrenzt fortsetzbar. Das halten wir für wenig wahrscheinlich.

Die Wirtschaftsstimmung für den Euroraum ist in kurzer Zeit rasant gestiegen. Weitaus schneller als allseits gedacht und mit den aktuellen Zahlen auch belegbar. Es stecken also wirkliche Erwartungen in diesem Sachverhalt.

Der Arbeitsmarkt hat sich ebenfalls rasant verbessert, was in dieser Form gleichfalls niemand vorauszusagen wagte. Wie viel Anteil die EZB-Politik daran hat, ist zwar umstritten, aber sicherlich nicht unbedeutend.

Wie weit lässt sich dies für den Jahresverlauf hochrechnen und wie viel davon können alle Eurobörsen vom aktuellen Niveau aus neu einpreisen? Rückenwind kommt dafür sowohl von der amerikanischen Steuerreform als auch von den Wirtschaftsdaten der Chinesen. In dieser Erwartung stecken politische und auch wirtschaftliche Fakten. Für Deutschland natürlich die künftige wirtschaftspolitische Grundhaltung einer neuen Regierung.
Die Debatte um die Inflationsentwicklung steht im Mittelpunkt.
Die langfristigen Erwartungen, insbesondere für die Zinsen am Kapitalmarkt, sind nebenstehend gut erkennbar und zu interpretieren. Lediglich die Zeitachse mag offen sein, aber die Ziele sind erkennbar. Wie die Märkte reagieren werden, wenn die EZB die Wende offiziell einläutet, ist die spannendste Frage für die kommenden Monate.

Die Amerikaner machen es bereits sehr geschickt vor. Vom kurzen bis zum langen Ende am dortigen Markt für Staatsanleihen bewegt sich die sogenannte Zinsstrukturkurve schrittweise nach oben. Das sind die Vorgaben für die Amerikaner, für den dortigen Immobilien- und Kreditmarkt und für den Dollar-Kurs. Ob der EZB dieser Gleichschritt gelingt, wird die gleichfalls spannende Frage in den nächsten Monaten sein.
Chips sind die besten Trendanzeiger bzw. das Fieberthermometer der spekulativen Erwartungen.
Denn in 80 % aller Industrieprodukte stecken Chips.

Der Chip-Index erreichte soeben den alten Rekord aus 2000. Es war die Spitze der Dotcom-Blase. Es geht nicht um Mengen oder Preise, sondern um die Bewertung der Chip-Titel rund um die Welt. Die extreme Empfindlichkeit auf dem aktuellen Niveau zeigte kürzlich INTEL mit dem bekannten Chip-Unfall, aber auch ASML als Chipausrüster mit neuen Rekorden. Zu dieser Gruppe auch die Deutschen INFINEON, DIALOG SEMI etc. Für Charttechniker eine Delikatesse:

Dieser Index erreicht soeben mit dem Rekord die letzte Stufe des üblichen Zyklus nach Elliott Wave, also die 5 in der 5. Dem folgt üblicherweise eine Konsolidierung bzw. eine Korrektur. Das wird in der laufenden Berichtssaison, wenn alle ihre Daten vorlegen, auf dem Prüfstand stehen.

ADIDAS

In den Zukunftsplänen der Manager stecken die Potenziale, was sich in der begonnenen Berichtssaison nun herausstellen soll.
Darauf konzentrieren wir unser Interesse für Investments. Die Zahlen von gestern oder grundsätzliche Studien über Firmen spielen nur eine Nebenrolle.

ADIDAS macht es als Erster vor. Wir ergänzen zu unserem letzten Brief: Eine etwas merkwürdige Negativspekulation, deren Hintergründe wir nicht kennen, hatte den ADIDAS-Kurs zweimal auf das Niveau 165/167 € zurückgeführt und musste am Verfalltag mit sehr hohen Umsätzen eingedeckt werden. Das ergab einen Kursgewinn von gut 20 % in zwei Tagen aus dem Stand heraus. Unser Kursziel liegt bei 225 €. Den Beleg dafür erwarten wir von Kasper Rorsted. Eine Anhebung der Kursziele schließen wir nicht aus.

THYSSENKRUPP

Die THYSSENKRUPP-HV liefert das zweite Beispiel.
Das offenbar überforderte Spitzen-Duo kann sich mit dem Ruhrpott-Establishment noch halten. Dem Investor Cevian fehlt vorerst die Kapitalkraft, um den Druck zu erhöhen. Zurzeit bildet sich ein weiteres Paket, das zwischen 5 und 10 % geplant ist, aber die meldepflichtigen 3 % noch nicht erreicht hat. Die Grundrechnung hatten wir bereits in einer früheren Ausgabe dargelegt. Spannend ist die technische Einschätzung der Aktie bei exakt 26,50 €. Wir erhöhen vorsichtshalber das Kursziel auf 30/31 €. Werfen Sie dazu weiterhin einen Seitenblick auf unsere andere Metallspekulation bei SALZGITTER/AURUBIS. Beide erreichten soeben neue Rekordkurse. Die Zielkurse sind in unserer Kontroll-Liste bereits genannt.

MERCK und FRESENIUS

Die beiden Pharma-Investments taten sich bis zum Verfalltermin ebenfalls schwer.
 Dahinter standen Baisse-Konstrukte größerer Investoren. Insbesondere bei FRESENIUS, die ab Montag dieser Woche davon frei sind. Unklar ist es noch im Fall von MERCK, obwohl der Verkauf der rezeptfreien Medikamente für 4,2 Mrd. € an NESTLÉ an sich feststeht, aber noch nicht bestätigt ist. Anschließend geht es um den Rückzug aus dem Flüssigkristallsektor. Die Kursziele entnehmen Sie ebenfalls unserer Kontroll-Liste in diesem Brief oder auf www.bernecker.info.

BASF

BASF überlegt den Rückzug aus der Basischemie.
Der Grund ist die Margenschwäche infolge der China-Konkurrenz, die als dauerhaft eingeschätzt wird. Eine Trennung von diesem Sektor ergäbe eine völlig neue Einschätzung von BASF. Wahrscheinlicher ist ein Börsengang und kein Verkauf. Wir hatten BASF seit Dezember BAYER vorgezogen. Der Wechsel an der Spitze war der entscheidende Anlass. Potenziale bis 120 € lassen sich vorerst theoretisch rechnen. Ob BAYER mit dem MONSANTO-Deal mithalten kann, ist in Kreisen dieser Spezialchemie (Genkulturen) zunehmend fraglich. Exakte Gründe gibt es dafür jedoch nicht.

DT. TELEKOM

Der Finanzchef der DT. TELEKOM (Thomas Dannenfeldt) präzisiert in einem Interview in der Börsen-Zeitung soeben die strategischen Optionen in den USA, die darauf hinauslaufen:
Eine Trennung von T-MOBILE US wäre nur bei einem „Mondpreis“ zu erwägen. Der Ausbau von T-MOBILE in Richtung US-Kommunikationsmarkt hat Vorrang. Wir hatten daran kürzlich unsere Einschätzung der DT. TELEKOM aufgehängt. Bei 14,50 € liegt die letzte Verteidigungslinie oder die Grundlage für das Comeback.

Fazit:
In allen Fällen liegt der Ansatz für die Entscheidungen, wie bereits eingangs erwähnt, ausschließlich in den Managemententscheidungen und keineswegs im allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld.

AIRBUS

AIRBUS verkauft 16 A380 für 16 Mrd. $, verdient jedoch keinen Cent an den Maschinen.
Der politisch eingefädelte Deal stützt sich nur auf Deckungsbeiträge, die der amtierende Chef Tom Enders nicht mittragen kann und daher ausscheidet. Aus französischer Sicht: Der Anteil des AIRBUS-Konzernumsatzes geht rechnerisch voll in die französische Exportstatistik, woraus ein Anteil von rund 9 bis 11 % resultiert. Ferner: Die Einstellung des A380 hätte 3.000 französische AIRBUS-Jobs gekostet. Wir tun uns daher mit der AIRBUS-Einschätzung knapp über 90 € schwer.

CECONOMY

14 % Kursstrafe für Ceconomy hatten wir bereits am Montag für eine Kaufempfehlung genutzt.
Der interessante Hintergrund: Ein Teil des Managements war gegen die Rabattoffensive von CECONOMY im Weihnachtsgeschäft, dem der andere Teil widersprochen hat. Er gehörte zum Minderheitsaktionär. Was tun?

Solche Aktionen machen keinen Sinn. Der Abschlag ist eine Kaufgelegenheit und eine Art Besserungsschein. Offen bleibt lediglich, wie die Erben von Herrn Kellerhals ihre Positionen überdenken.

Die Schwester METRO steckt in einer ähnlichen Diskussionsfalle in Düsseldorf. In Kürze folgt hierzu mehr.

HEIDELBERGCEMENT

HEIDELBERGCEMENT-Chef Bernd Scheifele ist immer für eine Überraschung gut.
Nach dem sehr geschickten Kauf von ITALCEMENTI vereinbarte er soeben einen umfangreichen Kreditrahmen über 3 Mrd. € mit 30 Banken. Damit wäre eine Ausweitung des Konzernumsatzes um gut 3 bis 4 Mrd. € und mehr möglich. HC wäre dann die Nr. 1 im Baumarkt und nicht zwingend alleine im Zementgeschäft. Das KGV ist mit 13 ohnehin preiswert. Wir riskieren ein Investment auf Verdacht. 

STEINHOFF

Hat STEINHOFF eine Comeback-Chance?
Der Verkauf von Aktien einer Untergesellschaft in Südafrika über rund 400 Mio. € (umgerechnet) dürfte gelingen. Eine Kürzung der Kreditlinien der Lieferanten ist nicht mehr aktuell. Die Festlegung neuer Buchwerte in der Konzernbilanz wird nicht vor April vorliegen. Ein Marktwert von 2,1 bis 2,5 Mrd. € lässt sich damit rechnen. Jede Hochstufung durch Rating-Agenturen ist dabei sehr hilfreich. Spürbar darin ist:

Es gibt vier STEINHOFF-Anleihen, die kürzlich sogar von der EZB Hals über Kopf verkauft wurden. Die Abschläge gegenüber nominal betragen 38 bis 45 % bei volatilen Kursen. Das ergibt Renditen per Endverfall von knapp 9 % für etwa fünf bis sechs Jahre. Sie wissen: Jede Verbesserung des Ratings führt zur schnelleren Anpassung des Anleihen- an den Aktienkurs. Fragen Sie die Details bei Ihrer Bank bitte nach.

Wir hatten salopp zum Einsatz von jeweils 1.000 € geraten. Der Erste hat sich schon verdoppelt (Einstieg um 0,30 €). Erstes Kursziel ist knapp 1 €.

Resümee:
Alle genannten Aktien bedürfen noch einiger Bestätigungen im Zuge der Berichtssaison. Die Ergebnisse 2017 können zu kleinen Korrekturen führen, die den Einstieg noch etwas günstiger gestalten.

UNIPER

Der Kampf um UNIPER ist noch nicht erledigt.
Die Finnen haben zwar das E.ON-Paket erworben und einen Teil der Aktien übernommen, die angeboten wurden, aber die neuen Überlegungen gehen weiter. Sollte eine neue Bundesregierung die Abschaltung einiger Stromkraftwerke beschließen, so geht dies nur über direkte Stilllegungsprämien, die in bar zu entrichten sind. Die Gutachten dazu stützen sich sodann nicht nur auf den Wert eines Kraftwerkes als Substanz, sondern den wirtschaftlichen Nutzungswert für die übliche Laufzeit solcher Kraftwerke. Das kostet Milliarden, wofür es konkrete Berechnungen von Wirtschaftsprüfern und Energiefachleuten bereits gibt, dies in Düsseldorf! Vorläufiges Kursziel bleibt
31 €.

MEDIGENE

Im Sektor der Small-Caps rechnen wir in der Berichtssaison mit lebhaften Reaktionen, was bei engen Märkten zu erheblichen Ausschlägen führen kann.
Im Grundsatz konzentrieren wir uns darauf, deutliche Korrekturkurse für Investments zu nutzen.

MEDIGENE ist spezialisiert auf Krebsimmuntherapien. Die umfangreichen Forschungen hierzu verlangen Kooperationen mit anderen Spezialisten unter dem Sammelbegriff TCR-Technologie. Die Umsatzzahlen sind nicht brauchbar und die Gewinne noch weniger. Rund 300 Mio. € Marktwert enthalten also zu gut 80 % Erfolge in der Forschung. Jede positive Meldung auf diesem Gebiet führt zu umfangreichen Spekulationen. Wir gehen eine Anfangsposition bis maximal 14 € ein. Gibt es eine technische Korrektur bis vielleicht 12 €, bauen wir diese Position weiter aus. Gibt es einen Sprung nach oben, warten wir eine technische Korrektur ab, um dann gleichfalls die Position aufzustocken. Auf die Beurteilung der Immuntherapie kommt es insgesamt an.

OHB

Unser Rückzug bei OHB nach dem Rückzug des amerikanischen Investors Guy Wyser-Pratte mit Gewinn war falsch.
Unser Stand:

Wo die Aktien des amerikanischen Investors gelandet sind, ist zurzeit noch ein Rätsel.
Aber als einziger Spezialist für die Orbitaltechnik rückte OHB in das Interessenfeld mehrerer Investoren, und davon mindestens einem mit Industrieinteresse. Auf die Familie Fuchs als Großaktionär kommt es weiterhin an.

Mutter und Sohn der Familie Fuchs sehen aber inzwischen ein, dass sie mit seriösen Investoren reden müssen. Daraus entwickelt sich aus unserer Sicht eine neue Perspektive, was die Orbitaltechnik wirklich wert ist.

Dafür gibt es in Deutschland keinen Vergleich und auch kein Vorbild.
Rund 860 Mio. € Marktwert für 750 Mio. € Umsatz sind jedenfalls eine deutliche Unterbewertung in jedem beliebigen Vergleich zu amerikanischen Firmen dieser Art.

SÜSS MICROTEC

Die dritte Möglichkeit liegt in SÜSS MICROTEC.
Nach 141 % Kursgewinn für uns wird ein Neukauf schon etwas schwieriger.

SÜSS MICROTEC ist Spezialist in der Bonder- und Lithographie-Technik und gleichzeitig Lieferant und Chiphersteller. Das Problem: Die grundsätzlich sehr positive Entwicklung von Aufträgen und Umsatz kann von Quartal zu Quartal deutlich schwanken. Entscheidend ist, dass Sie diese Schwankungen dazu nutzen, um die Position auf- oder auszubauen. Ob im Fall von SÜSS MICROTEC eine Übernahme durch einen anderen möglich wird, wird von Technikexperten dieses Sektors unterschiedlich beurteilt.

Nachrichtlich:
Die besondere Wette in BIOTEST-Vorzügen stellen wir mit knapp 45 % Kursgewinn glatt. 2 oder 3 € mehr sind möglich, aber nicht sicher, wenn die Chinesen die amerikanische Genehmigung erhalten und den Übernahmepreis vielleicht etwas anheben. Die Alternativen siehe oben. KUKA gerät erneut ins Fadenkreuz. 17 % Zuwachs im Umsatz auf 3,45 Mrd. €, aber ein Gewinneinbruch um 11 % werden in Karlsruhe unterschiedlich interpretiert. Der Großaktionär Midea (China) hat im Aufsichtsrat keine Kontrolle. Teilweise durch sprachliche Verständigungsprobleme und teilweise durch technisches Unverständnis. Erwogen wird ein Teilrückzug auf eine Mehrheit von 51 %.

UBS

In Zürich bringt die Berichtssaison ähnliche Erkenntnisse:
In allen Fällen geht es um Entscheidungen für die Zukunft, teilweise sogar mit Brisanz.

Die UBS kündigt ein Aktienrückkaufprogramm an. Vor acht Jahren musste das Kapital noch mit Staatshilfe gestützt werden. Die Rückkehr in die Garde der größten Vermögensverwalter der Welt ist gelungen und ein Sachverhalt wird mit einiger Spannung am Paradeplatz beobachtet:

Muss der 9,9-%-Aktionär der DT. BANK (HNA China) aus Liquiditätsgründen aufgeben, hat die UBS den alleinigen Zugriff auf die Aktien der deutschen Nummer 1. Chef des Verwaltungsrates ist Axel Weber, früher Dt. Bundesbank. Ihm sind beste Kenntnisse über die DT. BANK zu unterstellen. Webers Gehalt erreicht etwa das Dreifache des Salärs des deutschen Kollegen. Somit sind alle Phantasien noch offen. Doch die UBS ist 63 Mrd. CHF wert. Das ist gut das Doppelte der DT. BANK. Eine Fusion kommt nicht in Frage, aber eine Schachtelbeteiligung von 25 % sehr wohl.

SULZER

Die zweite Industrieadresse mit russischem Großaktionär in der Schweiz beginnt, sich deutlicher zu bewegen:
SULZER. Einer der ältesten Industriekonzerne baut seit Jahren um. Die beiden wichtigsten Beine sind Oberflächentechnik und Pumpenbau nebst Service. Das früher erhoffte Geschäft mit Russland blieb bislang bescheiden. 4,6 Mrd. CHF Marktwert sind nicht ausgesprochen preiswert. Doch mit der jetzigen Ausrichtung der Technik und Kapazitäten gilt ein zweistelliges Wachstum von Aufträgen und Umsatz nebst Gewinn als zuverlässig erreichbar. Das halten wir bei einem Investment für tragbar. Die Schwester OC OERLIKON mit dem gleichen Großaktionär hat es bereits vorgemacht. Unser Kursgewinn beträgt bisher 57 %.

RICHEMONT

RICHEMONT baut weiter um.
Nach dem Erwerb von knapp 10 % an DUFRY (siehe letzte Actien-Börse) kauft RICHEMONT für 5 Mrd. € die italienische Online-Plattform  YOOX NET-A-PORTER GROUP, um eine Art AMAZON für Luxusgüter aufzubauen. Hierfür steht DUFRY als weltgrößter Flughafenshopbetreiber als offensichtlich ideale Ergänzung. Der Umsatz der Italiener beträgt 1,6 Mrd. €. Die erste Marktreaktion waren 3 % Minus für RICHEMONT und wir bauen die Positionen auf der aktuellen Basis um rund 85/87 CHF aus.

SANOFI

Die Comebacks in der europäischen Pharmazeutik erweitern wir um eine weitere Variante.
NOVO NORDISK, NOVOZYMES, AstraZeneca und GLAXO erwiesen sich bereits als gute Investments.

SANOFI versucht mit einem Super-Deal über knapp 12 Mrd. € das zu ersetzen, was in der eigenen Forschung offenbar nicht gelingt. Ursachen sind wohl die Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankfurt-Hoechst als deutschem Teil und den Franzosen, wobei die Kommunikation nicht stimmt.

Mit 91 Mrd. € Marktwert ist SANOFI immer noch die Nummer 3 im Europa-Vergleich (nach ROCHE und NOVARTIS).
Der Rückenwind kommt aus dem Élysée-Palast, wie zuverlässig verlautet. Mitfahren? Auf der Ebene 70/72 € liegt ein brauchbarer Kursboden bei einem aktuellen KGV von nur 13. Gegenüber dem Top-Kurs der letzten 12 Monate sind dies rund 25 % weniger.

ERICSSON

ERICSSON gelingt die Wende.
Der weltgrößte Mobilfunkausrüster hat das Sanierungsprogramm beschlossen, womit die Belegschaft um ein Viertel reduziert und die Investitionen deutlich gekürzt werden, um eine nachhaltige Ertragspolitik zu erreichen. Inzwischen liegt der Kurs bei rund 6 € (umgerechnet) und wir erweitern das Kursziel auf zunächst 8 € oder 79 SKR. Der Zweite in dieser Reihe bleibt NOKIA inkl. ALCATEL, deren Zahlen in etwa 14 Tagen vorliegen werden.

Wall Street

Die Wall Street beginnt konkret zu rechnen.
Wer als der Initiator für die umfangreichen Rückführungen von Geldern großer Konzerne gilt, lassen wir offen. Gesetz ist Gesetz und wer die Möglichkeiten nutzt, ist die entscheidende Frage:

Die nebenstehende Tabelle umfasst nur die bekannten großen Adressen. Sie werden ihre Barreserven schrittweise zurückführen und das in dem Umfang, wie sich dies steuerlich für sie rechnet und wie im Land investiert werden kann. Manager sind keine Ideologen, was wir anmerken.

Die Tabelle gibt nur einen kleinen Teil der Schätzungen wider, die insgesamt von den großen Rating-Agenturen wie S&P und MOODY‘S sowie den Banken zusammengestellt worden sind. Die geschätzte Summe hatten wir bereits genannt, rund 1,5 Bio. $. Das sind etwa 9 % der Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Wird dies wirklich umgesetzt, entspricht es einem gewaltigen Konjunkturprogramm und einer Größe, die es noch nie gab.
Das umstrittene Reagan-Programm enthielt solche Vorzüge nicht. Der IMF attestierte immerhin: „Die US-Steuerreform stimuliert die Weltwirtschaft für einige Jahre“, so Chef-Volkswirt Maurice Obstfeld.

Der Einfluss der US-Steuerreform auf die Unternehmensgewinne lässt sich ebenfalls bemessen.
Die überwiegenden Vorteile gehen zugunsten der Sektoren, die in den vergangenen zwei bis drei Jahren die Verlierer waren und umgekehrt! Denn:
Telekom und Energie sowie Versorger sind die klassische Old Economy.
Reduziert sich die Steuerlast, werden Mittel frei, um die Geschäfte auszubauen. Wie?

Die Telekom benötigt die Erweiterung in Richtung Netz.
Die Kombination aus beiden Techniken ergibt die Perspektive für die kommenden 20 Jahre. Die beiden größten Unternehmen sind AT&T und VERIZON, die Nr. 3 ist T-MOBILE US.

Im Sektor der Energie tauchen die ersten Prognosen bereits auf, die von umfangreichen Investitionen und Neugeschäften im Sektor Öl und Gas sprechen. Darauf hatten wir bereits vor acht Tagen aufmerksam gemacht.

Die Technologie ist der Verlierer, war aber bislang der Gewinner. Mithin sind alle Gewinnschätzungen ein erhebliches Risiko. KGVs über 20 lassen sich dann kaum vertreten.

EXXON und TRANSOCEAN

Unser zunächst technischer Einstieg in die Ölausrüstung/Ölservice in der letzten Woche war rechtzeitig und richtig.
HALLIBURTON meldete am Montag neue Auftragsrekorde im Bohrbereich.

Wir ergänzen diese Investments um zwei Varianten: EXXON MOBIL ist das solideste Investment in diesem Sektor und die Nr. 1 in der Welt. Bei einem Marktwert von 374 Mrd. $ ein Schwergewicht, aber EXXON deckt alle Varianten des Öl- und Gasgeschäftes ab. Dazu passen gerundet 3 $ Dividende.
Die spekulative Variante liegt im größten Verlierer des bekannten Mexiko-Ölunfalls, TRANSOCEAN.
In TRANSOCEAN zu investieren, ist eine Mischung aus Mut und Zuversicht. Dazu genügt ein Blick auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre.

TRANSOCEAN ist nur noch knapp 4 Mrd. $ wert.
Vor zehn Jahren war es rund das Zehnfache. Die Gesellschaft ist der größte Offshore-Spezialist, der überlebt hat. Sie verfügt über die beste und umfangreichste Technik für Tiefseebohrungen, auf die kein großer Ölkonzern verzichten kann. Die Sanierung und das Überleben sind auf jeden Fall gelungen. Eine zuverlässige Umsatzprognose ist schwer zu formulieren und auch nicht wichtig.

Mit der Übernahme von SONGA OFFSHORE verfügt die Gruppe über die modernsten Bohrgeräte (Cat D Rigs). Investieren Sie bitte in einer Relation von 70 % in EXXON und 30 % in TRANSOCEAN. Mit diesem Mix ergänzen Sie die Riege der Ölservice-Titel, wie bereits vor 8 Tagen beschrieben.

China: BYD und GEELY

Chinas Autobauer fahren in Sachen Elektro-Mobilität allen anderen davon.
Wir berichteten darüber bereits in der AB-Daily am Montag dieser Woche. Das ist einen näheren Blick wert:

Wer hält mit?
Investments in BYD und GEELY als den beiden bekanntesten Autotiteln sind eine bereits diskutierte Variante. Das lässt sich mit den Stückzahlen, aber nicht mit den Gewinnen dieser Unternehmen begründen. Unsere Sicht ist daher:

VW/Audi stehen in China in der besten Ausgangsposition als deutsche Hersteller. Darauf kommt es entscheidend an. In Wolfsburg und Ingolstadt schweigt man auf Anfragen zu diesem Thema. Dafür erreichte der VW-Kurs die bislang beste Performance seit dem Start der Auto-Rally seit Frühherbst.

In GEELY sind wir bereits investiert, um dabei zu sein. Eine technische Korrektur für BYD und GEELY mit Vorlage der Berichtszahlen werden wir als Zukaufmöglichkeit nutzen. Eine Anfangsposition in BYD sollte jedoch kurzfristig arrangiert werden.

DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Die Kunst der Politik besteht häufig darin, heiße Eisen mit fremden Fingern anzufassen. (Manfred Rommel)
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