Sie lesen die Ausgabe: Der Aktionärsbrief vom 22.11.2017

Sehr geehrter Aktionär!

Die deutsche Börse ignoriert die Ereignisse von Berlin in einer beeindruckenden Weise.
Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen wurden eigentlich gar nicht zur Kenntnis genommen. Das hat es in dieser Form in Deutschland noch nie gegeben. Tatsache ist freilich auch: Nur wenige politische Entscheidungen haben für die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland größere Bedeutung.
Das Ausland bleibt ruhig, solange Angela Merkel fest im Sattel sitzt.
 Nach außen mag sie geschwächt erscheinen, innerhalb der Partei sitzt sie felsenfest im Sattel, da es schlicht keine Alternative gibt. Neuwahlen sind somit wohl die wahrscheinlichste Variante. Ob es dem Bundespräsidenten nochmal gelingt, die Parteien an den Tisch zurückzuholen, darf bezweifelt, muss aber abgewartet werden. Eine wesentliche Gefährdung für den Markt resultiert aus dieser Sachlage also zunächst nicht.

Dagegen sorgen einzelne Unternehmensmeldungen für das Salz in der Suppe.
VW (WKN: 766 403; 172,15 €) zeigt eindrucksvoll, wie man sich aus dem tiefsten Sumpf herausarbeitet. Man will nun den Umsatz bis zum Jahr 2020 um mehr als 25 % steigern. Beim Vorsteuergewinn ist ein Plus von 30 % geplant. VW will zudem binnen fünf Jahren die Dividenden-Ausschüttungsquote gemessen am Nettogewinn von 20 auf 30 % steigern. In die Entwicklung von Elektroautos, autonomem Fahren, neuen Mobilitätsdiensten und Digitalisierung sollen von 2018 bis 2022 mehr als 34 Mrd. € fließen. Das sind Zeichen der Stärke. Gehen die Pläne auf, sinkt das KGV von etwa 7 auf 5. Dass dies machbar ist, zeigte zuletzt die Margenentwicklung im dritten Quartal. Die Gleichteilestrategie in Form der modularen Baukästen entfaltet jetzt seine Wirkung. Wir haben den Titel zuletzt immer wieder empfohlen und bekräftigen dies. Ziel per 2020 für die VW-Aktie sind 280 €.

Das Rennen um die DT. BANK (WKN: 514 000; 16,40 €) hat nun ebenfalls begonnen. Ein weiterer Investor meldet 3 % und eine weitere amerikanische Bank meldete vorsichtshalber 6,6 % Anteil in gebündelten Produkten ihrer Kunden. Auch Cerberus ist wie bei der Commerzbank an Bord gegangen. Das bedeutet zusammengenommen: Diese Aktionäre hätten in einer HV sehr wahrscheinlich die Stimmenmehrheit der jeweils anwesenden Aktionäre (Streubesitz nur noch ca. 65 %). Sie könnten damit die gesamte Dt. Bank völlig neu strukturieren. Auf dem European Banking Congress forderte Cryan vehement eine Konsolidierung von Europas Banken. Insbesondere Deutschland mit seiner fragmentierten Bankenlandschaft hänge weit zurück. Größenvorteile seien in jeder Branche wichtig, sekundierte Commerzbank-Chef Martin Zielke auf derselben Veranstaltung. Beide haben Recht und es darf spekuliert werden. Die neuen Finanzadressen an Bord der Dt. Bank haben ihr Investment gut durchdacht. Sie haben Geduld und spekulieren auf einen Verdoppler auf drei bis vier Jahre. So rechnet Private Equity.

Fazit: Schauen Sie nicht nur auf den DAX.
Es gibt zahlreiche Einzelstories, deren Bewertungen immer noch extrem tief sind. Hier müssen Sie ansetzen.

LogBuch

Politische Börsen haben derzeit kurze oder gar keine Beine.
Dagegen: Die Wirtschaftsdynamik beschleunigt sich deutlich. Nachdem die Amerikaner ihre offizielle Wachstumsgröße für das dritte Quartal auf 3,1 % angehoben haben, ziehen nun alle anderen nach. 2,8 % Wachstum in Deutschland ist ebenfalls erste Klasse und 3 % hochgerechnet auf das erste Quartal 2018 sind drin. Die EZB begleitet dies mit einer expansiven Geldpolitik. Das ist reichlich Futter für die Aktienmärkte.
Asset Allocation

Schlaglichter:
Deutsche Börse zeigt sich widerstandsfähig ++ Bei GESCO sind die Segel gesetzt ++ Jetzt bei EVOTEC einsteigen? ++ Was tun mit FRESENIUS? ++ Vielversprechende Prognose von SGL CARBON ++ Unter der Lupe: Agrartechnik-Aktien ++ FOOT LOCKER explodiert nach Zahlen ++ LEONI wieder in Hochform

BörsenWelt

• Der norwegische Staatsfonds zieht sich aus seinen Ölbeteiligungen zurück.
Offensichtlich traut man dem Ölpreis nicht mehr allzu viel zu. Das sorgte Ende letzter Woche für Druck auf den Sektor. Insgesamt geht es um Portfoliobereinigungen von über 31 Mrd. €. Allein an Shell hält der Fonds rd. 2,3 % der Anteile. Wir hatten in der letzten Woche zu Investitionen in den Öl-Multis geraten, möchten diese aber aufgrund dieser neuen Erkenntnis zurückziehen. Gleichwohl bleibt Shell als Dividendengarant im Passiven Einkommen Portfolio.
• BITCOIN - wird er unterschätzt?
Auch wir haben noch keine Antwort. Handelt es sich es beim Bitcoin um die größte Blase seit der holländischen Tulpenspekulation von 1637 oder ist der jüngste Hype erst der Beginn von noch viel mehr? Offensichtlich ist: Der Blockchain-Trend inklusive Kryptowährungen mit einem Marktvolumen von inzwischen mehr als 300 Mrd. $ ist unumkehrbar. Es geht um dezentrale Geschäfte unter Umgehung der Banken. Zuletzt hatten wir uns eher auf die Seite der Blase geschlagen. Nun hat sich das Bild etwas gewandelt, denn:

Die ersten Institutionen/Börsenplätze ändern ihre Meinung zum Bitcoin. So überlegt die CME, Futures auf den Bitcoin einzuführen. Blankfein von Goldman Sachs ist sich zwar noch nicht sicher, was er von der Internetwährung halten solle, allerdings seien die Menschen ja auch skeptisch gewesen, als das Papiergeld das Gold abgelöst habe. Solche Worte lassen aufhorchen. Weiter: Bei den Banken schrillen jedenfalls die Alarmglocken und keine Bank kann dies ignorieren, wie man uns aus erster Hand berichtete. Gerüchten zufolge entwickelt die Dt. Bank mit IBM zusammen bereits eine gemeinsame Blockchain-Plattform. Wir werden uns dem Thema demnächst intensiver widmen inklusive der berüchtigten ICOs.
• Der Markt für Neuemissionen in den USA läuft besser, als sich auf den ersten Blick offenbart.
Und das, obwohl vor allem die jüngsten IPOs von Technologieunternehmen die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Erst war der Instant-Messaging-Dienst Snap krachend gescheitert. Die Aktie notiert mittlerweile 27 % unter ihrem Emissionspreis und sogar 58 % unter ihrem Allzeithoch. Dem Lebensmittel-Lieferdienst Blue Apron erging es sogar noch schlechter. Die Aktie notiert mittlerweile mehr als zwei Drittel unter ihrem Ausgabepreis.

Auch der jüngste Börsengang hatte zu kämpfen. Der Online-Stilberater Stitch Fix hatte seine Aktien ursprünglich innerhalb einer Preisspanne von 18 bis 20 $ angeboten. Letztlich musste man den Ausgabepreis dann aber auf 15 $ senken. Zwar legte der Kurs dann am ersten Handelstag bis auf 18,53 $ zu, was dann aber auch schon das vorläufige Allzeithoch war. Danach ging es runter bis auf 14,48 $. Derzeit notiert die Aktie mit 15,80 $ immerhin knapp über dem Ausgabepreis.

Damit sind aber schon die promintentesten IPOs genannt, die enttäuscht haben. Summa summarum läuft es nämlich deutlich besser, als diese Beispiele vermuten lassen. Der Informationsdienstleister Dealogic hat in diesem Jahr in den USA 169 Börsengänge gezählt, womit die schwachen 111 IPOs des Vorjahrs längst übertroffen sind. Die Unternehmen haben in diesem Jahr bisher 45 Mrd. $ eingesammelt und damit fast das Doppelte des gesamten Vorjahres. Insgesamt haben sich Technologie-IPOs sehr viel besser geschlagen, als obige Beispiele vermuten lassen. Von bisher 24 IPOs in der Kategorie Technologie notieren derzeit lediglich vier unter ihrem Ausgabepreis. Die Hälfte der Technologie-Börsenneulinge notiert über ihrem Ausgabekurs. Wie z. B. OKTA (A2D NKR; 29,98 $), einem Spezialisten für die Verwaltung von Online-Identitäten. Beim Börsengang im April ist die Aktie mit 38 % über dem Ausgabekurs von 17 $ in den Handel gestartet. Derzeit notiert das Papier sogar 76 % über dem IPO-Preis. Noch besser lief es für ROKU (A2D W4X; 37,26 $), einem Anbieter von Hardware für kabelloses Videostreaming. Die Aktie hat ihren Kurs seit dem Börsengang im September knapp verdreifacht. Ähnlich gut ist es SMART GLOBAL HOLDINGS (A2D SNQ; 36,53 $) ergangen. Wer das Papier im Mai gezeichnet und eine Zuteilung erhalten hat, liegt mittlerweile 227 % im Gewinn.

Fazit: Der Erfolg am US-Markt für Neuemissionen untermauert das solide Fundament an der Börse. Was das IPO-Volumen angeht, ist sogar noch deutlich Luft nach oben.

BörsenParkett: GESCO

• Die deutsche Wirtschaft boomt.
Die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen setzt trotz politischer Risiken auf Wachstum: Im Durchschnitt rechnen sie mit einem Umsatzwachstum von 5,5 % im kommenden Geschäftsjahr. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Automatisierung und Digitalisierung. Die dürfte zu deutlichen Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen führen, also zu einer deutlichen Margenausweitung über die nächsten Jahre. Wer von diesem Trend profitieren möchte, setzt auf GESCO.

Bei Gesco (WKN: A1K 020; 34,06 €) sind die Segel gesetzt. Nach Jahren der mühsamen Kurs-Lethargie präsentiert sich die Aktie in Hochform. Die Zahlen für das erste Halbjahr lesen sich jedenfalls, als hätte das Unternehmen einen Schluck aus dem Jungbrunnen genommen. Der Umsatz stieg von 228,7 Mio. € auf 264,7 Mio. €, was einem Zuwachs von 15,7 % entspricht. Die bessere Auslastung und ein in Teilbereichen vorteilhafter Auftragsmix führten zu einem überproportionalen Anstieg des operativen Gewinns um 92,1 % auf 20,4 Mio. €. Der Auftragseingang im ersten Halbjahr stieg um 10,4 % auf 276,3 Mio. €. Anlässlich der Zahlen sprachen wir mit CEO Dr. Eric Bernhard.

Die derzeit 18 Portfolio-Gesellschaften können eine erfolgreiche Historie vorweisen und sind in ihren jeweiligen Zielmärkten etablierte Player, einige von ihnen sogar weltweit führend. GESCO erwirbt als Langfrist-Investor erfolgreiche Unternehmen aus vier strategisch attraktiven Segmenten: Produktionsprozess-Technologie, Ressourcen-Technologie (größter Anteil mit geschätzt 272 Mio. € Umsatz von insgesamt ca. 530 Mio. € in 2017/18), Gesundheits- und Infrastruktur-Technologie sowie Mobilitäts-Technologie. Die Übernahme erfolgt vorwiegend im Rahmen von Nachfolgelösungen durch Management-Buy-Outs und Management-Buy-Ins sowie bei Konzernabspaltungen.

Im Fokus steht seit Ende 2016 die „Portfolio-Strategie 2022“. Im Zuge dessen musste sich jede Portfoliogesellschaft einer umfangreichen Prüfung zwecks Verbesserungspotenzialen hinsichtlich Marge, der Bedienung von Wachstumsmärkten (Megatrends), Wettbewerbsvergleich, aber auch personeller Qualität unterwerfen. Wie uns Dr. Bernhard darlegte, ist es das Ziel, spätestens bis 2020 eine EBIT-Marge von 8 % nachhaltig zu sichern. Wir gehen davon aus, dass dies früher gelingen wird. Bereits im ersten Halbjahr lag die Marge bei 7,7 %. Allerdings lässt sich das erste Halbjahr nicht auf das Gesamtjahr hochschreiben, wie uns Dr. Bernard erläuterte.

Im zweiten Halbjahr stehen noch einige Erweiterungs- und Optimierungsmaßnahmen an.
Das kostet Geld. So geht es auch um Hallenerweiterungen in Kombination mit einer effizienteren Aufstellung der Maschinen oder Umzüge auf größere Firmengelände. Dahinter stecken also weitere Bausteine, um die Expansion voranzutreiben.

Auf die Akquisition der Pickhardt & Gerlach, einem Spezialisten für Oberflächenveredelung, ist man bei GESCO besonders stolz. Das Unternehmen ist hochautomatisiert und schafft mit 41 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 30 Mio. €, natürlich bei deutlich zweistelligen Margen. Nicht so gut lief es zuletzt bei der Protomaster GmbH. Im Rahmen einer Fortführungsprognose ist für den Automotive-Wert maximal eine schwarze Null drin. Das reicht Gesco nicht. Der Verkaufsprozess gestaltet sich zwar schwierig. Aber selbst im Falle einer Insolvenz hätte aufgrund der gebildeten Rückstellungen dies aller Wahrscheinlichkeit nach keinen negativen Effekt mehr auf das Zahlenwerk.

Mehr Relevanz erhält zudem der freie Cashflow von GESCO. Natürlich möchte sich das Management nicht zum Sklaven dieser Kennziffer machen. So wird man nicht auf wichtige Investitionen verzichten, wenn diese das Wachstum oder die Rendite ankurbeln. Die Rückkehr zu deutlich positiven freien Cashflows ist Gesco aber wichtig. Sowohl das Bankhaus Lampe als auch SMC Research sehen diesen per 2018/19 über 30 Mio. € bzw. 2,76 € je Aktie. Das  relativiert das auf den ersten Blick nicht super günstige KGV von 15,8 per 2017/18. Die Eigenkapitalquote von rd. 44 % ist eine solide Basis für weitere Expansionsschritte.

Fazit: Mit Gesco bilden Sie den positiven Trend im deutschen Mittelstand perfekt ab. Kauflimit 32,30 €.

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Fundamentals

Börsenwert: 354 Mio. €
Freefloat: 71,9 %
Eigenkapitalquote: 44 %
Kurs-Umsatz-Verh.: 0,62

Gewinn je Aktie
2014/15:   1,24 €
2015/16:   1,62 €
2016/17:   0,79 €
2017/18e: 1,87 €
2018/19e: 2,15 €
2019/20e: 2,59 €


Dividende je Aktie
2014/15: 0,58 €
2015/16: 0,67 €
2016/17: 0,35 €
2017/18e: 0,75 €
2018/19e: 0,86 €
2019/20e: 1,04 €

BörsenParkett: EVOTEC

• EVOTEC (WKN: 566 480; 13,65 €) wurde in den letzten Wochen im Kurs pulverisiert - lockt nun der Einstieg?
22,50 € in der Spitze nun 13 €. Das ist ein Minus von 42 % seit Anfang Oktober und entspricht einem Verlust an Börsenwert von rund 1,3 Mrd. € auf aktuell 1,9 Mrd. €. Reicht das nach einer Verdreifachung des Kurses seit Jahresbeginn in der Spitze? Klar ist:

CEO Lanthaler ist es gelungen, sich in den letzten Jahren weltweit einen exzellenten Ruf in der Wirkstoffforschung zu erarbeiten.
Fast jedes große Pharma-Unternehmen setzt auf das Unternehmen. Das Besondere: Evotecs Geschäftsmodell ist kaum schwankungsanfällig, wenn Studien bei eigenen Projekten nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. Dazu kommt, dass die Biotech-Gesellschaft mit den Meilensteinzahlungen die eigene Pipeline finanzieren kann und so solide schwarze Zahlen schreibt. Neben Morphosys ist man damit ein Glanzlicht im deutschen Biotechsektor, welcher in den meisten Fällen tiefrote Zahlen schreibt.

Den heißgelaufenen Kurs machten sich nun Short-Seller zunutze. Die Argumentation hatten wir bereits letzte Woche erläutert. Kurz: Es geht um den Standort Toulouse ab 2020, wo eine Kooperation mit Sanofi ausläuft und die Profitabilität mit 25 Mio. € belasten wird. Die Rede war auch von einer möglichen Schließung. Das wiederum wäre ein großes Problem. Denn wer in Frankreich einen Standort schließen muss, der wird bis aufs letzte Hemd ausgezogen - sprich: Es würde sehr teuer für Evotec werden. Die Schließung des Standorts schloss der CEO im Interview mit uns jedoch aus. Auch das Risiko einer Beendigung des Mietvertrages für die an Evotec vermietete Forschungsausrüstung schloss Lanthaler aus. Bis heute wurde der Standort von 207 auf 360 Mitarbeiter ausgebaut. Nur 80 Mitarbeiter davon bedienen Sanofi als Kunde. Der Rest arbeitet für andere Kooperationen. Und hier macht Evotec einen guten Job:

Zuletzt wurden Kooperationen am Fließband gemeldet. Zu nennen sind hier z. B. Tesaro mit einer dreijährigen Wirkstoffkooperation in der Immun-Onkologie oder Abivax mit einer Partnerschaft für mehrere schwere Infektionskrankheiten usw. Die Kooperation mit Celgene trägt bereits Früchte. Es geht um die Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapeutika für eine Vielzahl neurodegenerativer Erkrankungen mit Hilfe von Evotecs einzigartiger iPSC-Plattform. Die ersten Meilensteinzahlungen fließen bereits. Kurzum: Die zuletzt deutlich beschleunigte Tendenz vermehrter Kooperationsmeldungen sowie erhebliche Fortschritte in bestehenden Allianzen stimmen uns optimistisch, dass es Evotec gelingt, bis 2020 die Ertragsdelle durch den Wegfall der Sanofi-Zahlungen mehr als auszugleichen.

Fazit: Irgendwann wird es interessant, diesen erstklassig geführten deutschen Biotech-Wert einzusammeln.
Wir versuchen es mit einem ersten Abstauberlimit bei 11,30 € und halten uns einen Nachkauf im knapp einstelligen Bereich offen. Ziel dann 16 € auf Sicht von 12 bis 18 Monaten.

BörsenParkett: FRESENIUS

• Im DAX erwischte es FRESENIUS (WKN: 578 560; 62,20 €).
Eigentlich laufen die Geschäfte gut. Das zeigten die operativen Zuwachsraten zum dritten Quartal mit einem Gewinnanstieg um 14 %. Offensichtlich kristallisieren sich zwei zukünftige Baustellen heraus. Hat der Konzern in der Vergangenheit ein sensationelles Händchen bei Akquisitionen bewiesen, so könnte man jetzt zwei-mal danebengegriffen haben:

Klinik- und Infusionsgeschäft bereitet Sorge. Im spanischen Krankenhausgeschäft, wo Fresenius mit dem Erwerb der Klinikkette Quirónsalud seit Februar etabliert ist, lief es nicht sonderlich gut. Gleiches gilt für die Sparte Kabi. Das Management verweist auf das außergewöhnlich starke Vorjahresgeschäft, was etwas kurz gegriffen erscheint. Dazu kommt: Der US-Generikakonzern Akorn, mit 4,75 Mrd. $ die zweitgrößte Übernahme in der Geschichte von Fresenius, hat auch im dritten Quartal die Erwartungen verfehlt. Die 2018er Ziele scheinen unerreichbar. Preisdruck und hoher Wettbewerb führten zu einem Umsatzeinbruch um 29 % und roten Zahlen. Die Transaktion soll wie geplant am Jahresende abgeschlossen werden. Ein „Zurück“ dürfte wohl teuer werden. Geht der Deal durch, holt sich Fresenius damit ein echtes Risiko in die Bilanz.

Fazit: Bewertungstechnisch notiert der Konzern nun unter seinem langjährigen Durchschnitt. KGV 18 per 2017 sind dennoch kein Schnäppchen angesichts der neuen Risiken. Kurse unter 60 € würden dieses Risiko jedoch ausreichend einpreisen. Darauf warten wir für neue Käufe. Zielrichtung dann um die 72 €.

BörsenParkett: SGL CARBON

• Vielversprechende Prognose von SGL CARBON (723 530; 12,38 €).
Die Wiesbadener sind für die Zukunft immer besser gerüstet. Nunmehr sind die Graphitelektroden-Aktivitäten abgestoßen und das Geschäft für Kathoden, Hochofenstein- und Kohlenstoffelektroden veräußert. Mit diesen Schritten hat man für die „Performance Products“-Sparte den Schlussstrich gezogen. Jetzt geht es zum einen um Carbonfasern/Verbundwerkstoffe sowie andererseits um Graphitprodukte (z. B. Anodenmaterial für Batterien). Beide Sparten haben Potenzial:

Reizvoll an Carbonfasern und Carbonfaser-Verbundwerkstoffen ist die Kombination von hoher Festigkeit mit einem geringen Gewicht.
Das ist übrigens nicht nur für den Themenbereich E-Mobilität wichtig (Verlängerung der Batteriereichweite durch weniger Gewicht), sondern auch für klassische Verbrennungsmotoren. Denn es gilt, den CO2-Ausstoß möglichst gering zu halten bzw. weiter abzusenken, um die EU-Maßgabe von 95 g/km bei der jeweiligen Pkw-Neuwagenflotte ab 2020 einzuhalten und Strafmaßnahmen zu vermeiden. Der Diesel ist dabei ein wichtiges Element: Wie das Bundesumweltamt ausführte, pusten Diesel-Pkw bei gleicher Motorisierung bis zu 15 % weniger CO2 in die Luft als Benziner. Ein wichtiges Schlaglicht hierzu lieferte das Kraftfahrt-Bundesamt mit den Zulassungsdaten für Oktober. Insgesamt wurde ein Anstieg bei der Zahl der neu zugelassenen Pkw von 3,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat ermittelt. Während allerdings bei Benzinern ein Anstieg von 18,8 % verzeichnet wurde (Anteil insgesamt 60,9 %), ergab sich bei Diesel-Pkw ein Rückgang um 17,9 % (Anteil 34,9 %). Für die Hersteller könnte also der Druck steigen, entweder bei der Etablierung der Elektromobilität mehr Tempo hinzubekommen und/oder die Fahrzeuge leichter und den Antrieb damit CO2-effizienter zu machen. Die Not der Hersteller ist ein Pluspunkt für die Perspektiven von SGL Carbon. Der endgültige Turn-around ist zwar immer noch nicht gelungen, aber man gibt sich optimistisch:

Im ersten Dreivierteljahr 2017 hat SGL Carbon dem Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten um 14,2 % auf 642,1 Mio. € gesteigert.
Beim EBIT gelang weit mehr als eine Verdoppelung, das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft war allerdings immer noch negativ mit -17,4 Mio. € (nach einem vorherigen Verlust von 28,3 Mio. €). Verbessert, aber immer noch im negativen Bereich, war der freie Cashflow des Unternehmens. Der Ausblick für das laufende Jahr klingt dennoch ermutigend: Nunmehr ist ein Umsatzanstieg von rund 10 % geplant bei einer überproportionalen Steigerung des EBIT.

Fazit: Der Kurs lässt sich noch etwas bitten, aber nach dem jüngsten Kursrücksetzer sollten 12/12,50 € eine vielversprechende Kaufbasis darstellen.

Finanz Spezialitäten

• Eine Hebelspekulation auf PROSIEBENSAT.1 MEDIA ist natürlich ein heißes Eisen.
Die Aktie hat nach ihrem jüngsten Absturz erst bei knapp 25 € einen ersten Stabilisierungsansatz gezeigt. Die Meldung, dass CEO Ebeling gehen muss, hat der Aktie zu einer ersten Gegenbewegung verholfen. Dennoch ist ein weiterer Abwärtsschub nicht ganz ausgeschlossen. Deshalb sollten sich nur sehr mutige und nervenstarke Anleger an der Call-Spekulation auf ProSiebenSAT.1 beteiligen. Unsere Wahl fällt auf folgendes Papier:

WAVE-Unlimited-Call der Deutschen Bank auf ProSiebenSAT.1 Media (WKN: DX6 3TL; Basis/KO-Schwelle: Akt. 20,444 €; Laufzeit: Offen; Bezugsverhältnis: 0,115; Kurs: 0,78 €).
Bitte sichern Sie die Position bei 0,58 € ab. Der Hebel beträgt 3,978.

• Der Call auf GEELY (LS2 3Q7; 1,08 €) ist nun doch in Schwung gekommen. Im Vergleich zur letzten Woche hat der Schein 27 % zugelegt. Unsere neuerliche Kaufempfehlung in der vergangenen Ausgabe kam gerade noch rechtzeitig. Mittlerweile stellt der Emittent keine Briefkurse mehr. Sie können das Papier also nur noch an der Börse kaufen, wenn ein anderer Anleger verkaufen will. Bitte nun das Stop-Loss-Limit auf 0,75 € nachziehen!

Parkett Geflüster

• Interessiert sich Nestlé für HAIN CELESTIAL (908 170; 40,89 $)?
Dieses Gerücht kam zum Wochenbeginn auf. Völlig abwegig ist die Spekulation nicht. Hain Celestial hat sich auf Bio-Produkte und vegetarische Lebensmittel spezialisiert. Zu den bekanntesten Marken dürfte „Rose‘s“-Marmelade und „Celestial“-Tee gehören. Hain Celestial ist aber vor allem als Zulieferer unterwegs, u. a. für Unternehmen wie Wal-Mart oder Whole Foods. Amazon hatte zuletzt mit der Übernahme von Whole Foods für Aufruhr in der Nahrungsmittelbranche gesorgt. Ohnehin ist die Tendenz zu gesunden Lebensmitteln, sei es vegetarisch oder „Bio“, zu einem echten Trend in der Branche geworden. Das kann auch Nestlé nicht egal sein. Zudem soll auch Kraft Heinz und PepsiCo ein Auge auf Hain Celestial geworfen haben, deren Kurs am Montag zeitweise 7 % im Plus lag. Spekulativer Kauf für mutige Anleger!

Unter der Lupe

• Ist auf dem Markt für Agrartechnik wieder nachhaltig Geld zu verdienen?
Der Markt für Landmaschinen hat schwere Zeiten hinter sich. Zum einen gab es einen zyklischen Abschwung, der mit einem Preisniedergang für Agrarprodukte einherging. Zum anderen haben viele Landwirte in einigen Ländern aber in den guten Jahren von 2010 bis 2013 schlicht überinvestiert. Das hat den zyklischen Abschwung auf dem Markt für Agrartechnik noch zusätzlich verstärkt.

Seit Frühling dieses Jahres zieht die Nachfrage allerdings wieder an. Damit scheinen die vergangenen gut drei Jahre mit rückläufigen Verkaufszahlen nun überstanden zu sein. Diese gute Stimmung hat sich auf der „Agritechnica“ gezeigt, die in der vergangenen Woche in Hannover stattgefunden hat. Mit rund 450.000 Besuchern gehört die Agritechnica zu den zehn größten Messen der Welt und ist die weltgrößte Fachmesse für Agrartechnik. Damit hat die Messe in dieser Branche eine vergleichbar wegweisende Bedeutung wie die „Drupa“ für Druckmaschinen. Die Agritechnica findet alle zwei Jahre statt. 2.803 Aussteller haben ihre Produkte rund 450.000 Besuchern gezeigt, von denen über 100.000 aus dem Ausland kamen.

Der weltweite Markt für Landtechnik bringt rund 100 Mrd. € auf die Waage. Das ist natürlich einiges, aber im Vergleich zum Markt für Last- und Lieferwagen mit 280 Mrd. € nur ein relativ kleiner Fisch. Zudem sind die Anbieter auf einigen Teilbereichen stark konzentriert. So machen allein Traktoren und Mähdrescher fast die Hälfte des Landtechnikmarktes aus. Diesen  Bereich machen die drei Platzhirsche der Branche Deere, Agco (mit den Marken Fendt, Massey Ferguson und Valtra) und CNH (Case New Holland) mehr oder weniger unter sich aus.  

Auf dem Markt für Maschinen, die Traktoren entweder angehängt oder vorgespannt werden, sehen die Verhältnisse schon etwas anders aus. Hier haben die drei Großen einen Marktanteil von lediglich 20 %. Entsprechend viele kleinere spezialisierte Anbieter gibt es auf diesem Teilmarkt. Einer der wichtigsten ist hier z. B. die Kuhn Group, eine Tochter der schweizerischen Bucher Industries. Kuhn verfügt hier nach eigenen Angaben über das breitgefächertste Sortiment und sieht sich im Bereich Futterernte sogar als Weltmarktführer. Die wichtigsten Konkurrenten von Kuhn sind die deutschen Unternehmen Amazone, Krone, Lemken, Horsch und die österreichische Pöttinger. Allen ist aber gemein, dass sie sich im Familienbesitz befinden. Börsennotierte Anbieter gibt es hier relativ wenige. Dazu gehören die französische Exel Industries oder der US-Konzern Alamo Group.

Die Zyklik der Nachfrage nach verhältnismäßig teuren Investitionsgütern wie Mähdreschern oder Traktoren ist ausgeprägter als bei kleineren Maschinen.
Daher sind die großen Unternehmen Deere und Agco größeren zyklischen Schwankungen unterworfen als z. B. Kuhn. Zudem gibt es auch regionale Unterschiede. So ist die Produktivität bei Landwirten in Nord- und Südamerika allein wegen der schieren Größe der zu bewirtschaftenden Fläche traditionell höher als z. B. in Europa. Aus diesem Grund ist die Investitionsneigung der Farmer in Amerika auch sehr abhängig von den Preisen der angebauten Agrargüter. In Ländern wie etwa der Türkei und der Ukraine hat die Nachfrage nach Landmaschinen auch dann noch zugenommen, als sich der Agrarmarkt bereits im Abschwung befunden hat. Hier gab es einfach größeren Nachholbedarf in der Mechanisierung der Landwirtschaft.

Der jüngste Aufschwung des Landmaschinenmarktes geht nicht auf das Konto gestiegener Agrarpreise. Er ist vor allem auf Ersatzinvestitionen bei Landwirten und auf Lageraufbau im Handel zurückzuführen. Steigende Agrarpreise als zusätzlich zündender Funke fehlen also noch. Aber die niedrigen Preise für Agrargüter zwingen die Landwirte auch zu höherer Effizienz, die auch und vor allem durch eine intensivere Mechanisierung zu erreichen ist. Wer sind also die größten Profiteure einer fortgesetzten Erholung auf dem Agrartechnikmarkt?
DEERE (850 866; 138,48 $) ist weltweit der unangefochtene Platzhirsch in der Landtechnik.
Auch wenn man zwischen 2013 und 2016 einen Umsatzrückgang von knapp einem Drittel hinzunehmen hatte, konnte man eine zweistellige Betriebsmarge aufrechterhalten. Der Aktienkurs ist in den letzten Monaten zwar deutlich gestiegen, aber nicht so stark wie die Gewinnerwartungen, weshalb sich die Bewertung trotz des gestiegenen Kurses sogar verringert hat. Hatte Deere vor einem Jahr für 2017 ein Umsatzplus von 1 % erwartet, scheinen nun sogar 10 % machbar zu sein. Rd. 60 % des Geschäfts hängen vom Heimatmarkt USA ab, der vom Anbau von Mais, Weizen und Soja dominiert wird. Hier hat es noch kaum Preissteigerungen gegeben. Setzen sie dann letztlich doch ein, wirkt das wie ein Gewinnhebel für Deere. Wegen des Nachholpotenzials ist Deere ein Kauf.
AGCO (888 282; 69,14 $) ist schwerpunktmäßig in Europa tätig.
Der US-Konzern hat einen ähnlichen Umsatzverlauf wie Deere, wenn auch auf tieferem Niveau. Da man aber stärker auf Europa konzentriert ist, dürfte der Gewinn 2017 stärker steigen als bei Deere. Ein Malus ist aber die chronisch niedrige Profitabilität. Zudem ist die Erholung auf dem europäischen Markt für Landmaschinen schon recht weit fortgeschritten. Agco ist deshalb bestenfalls eine Halteposition.
Rund 40 % des Umsatzes und Betriebsgewinns von BUCHER INDUSTRIES (A0E AHZ; 385 CHF)  macht die Landtechnik aus.
In besonders guten Jahren betrug der Beitrag der Landtechnik-Tochter Kuhn zum Konzerngewinn auch schon 55 %. Zwar hat sich das KGV von Bucher innerhalb eines Jahres von 16 auf gut 20 erhöht, aber Kuhn konnte für das 3. Quartal den höchsten Auftragseingang seit 2013 vermelden. In den anderen Geschäftsbereichen wie z. B. Kommunaltechnik, Hydraulik und Glasmaschinen kommt die Gewinndynamik aber gerade erst in Schwung. Eine gute Halteposition.
EXEL INDUSTRIES (907 602; 110,60 €) ist ein französisches Industrieunternehmen mit dem Schwerpunkt Landmaschinen.
Im Bereich Pflanzenschutzspritzen und Erntemaschinen für Zuckerrüben ist man sogar zum Weltmarktführer avanciert. Zudem bietet man auch Pestizidspritzen für den Gartenbereich an. Die Spritzdüsentechnik ist auch für industrielle Zwecke wie z. B. Lackieranlagen in der Autoindustrie zu verwerten. Auch wenn sich die KGV-Bewertung zuletzt auf 16 deutlich ausgebaut hat, hat der Kurs noch Nachholpotenzial. Exel ist also ein Kauf.

Bei ALAMO GROUP (886 106; 116,83 $) sind Aktienkurs und Bewertung der operativen Entwicklung zu weit vorausgeeilt. Zudem macht Landtechnik nur ca. 25 % des Geschäfts aus, weshalb Alamo nur unterproportional von einer Erholung in dieser Branche profitiert. Bleiben Sie Zuschauer!

Der Zinsfuchs

• AT&S kommt erstmals mit einer Hybridanleihe (WKN: A19 SRQ) an den Markt.
Der österreichische Hersteller von Leiterplatten emittiert eine tief nachrangige Anleihe mit unbegrenzter Laufzeit, aber einer Kündigungsoption nach erstmals fünf Jahren. Die Emission soll ausschließlich an institutionelle Investoren gehen. Das angestrebte Volumen liegt bei 175 Mio. €. Der Kupon ist mit 4,75 % attraktiv. Natürlich weist das Papier die für Hybridanleihen typischen Risiken auf. Die Eigenkapitalquote von AT&S liegt mit 36,1 % noch im soliden Bereich. Dennoch richtet sich das Papier nur an risikobereite Anleger. Leider liegt die Mindeststückelung mit nominal 100.000 € auf einem für Privatanleger unattraktiv hohem Niveau.

• Auch die neu formierte CONSUS REAL ESTATE will sich über die Begebung einer 200 Mio. € schweren nachrangigen und unbesicherten Schuldverschreibung frisches Kapital besorgen. Hier sind die IPO-Planungen aber noch in einem früheren Stadium. Der Kupon soll zwischen 3,75 % und 4 % liegen, während die Laufzeit fünf Jahre betragen soll. Auch hier liegt die Nominale bei 100.000 €.

• Der Absturz der Anleihen von TEVA PHARMACEUTICAL ist für mutige Anleger eine Kaufgelegenheit.
Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern von Generika und ist u. a. die Mutter der deutschen Ratiopharm. Zuletzt sind Aktien und Anleihen von Teva wegen einer weiteren Gewinnwarnung heftig unter Druck geraten. Zudem hat es eine Herabstufung von Fitch gegeben. Moody‘s und Standard & Poors könnten folgen. Die Anleihen haben zwischen 20 und 25 Prozentpunkte verloren, sich aber mittlerweile stabilisiert. Wer gute Nerven hat, kann nun in den noch bis 2023 laufenden Dollar-Bond (WKN: A18 4FP; Kurs: 87,85 %; Kupon: 2,8 %; Ablaufrendite: 5,39 %) einsteigen. Wer noch mutiger ist, entscheidet sich für den bis 2036 laufenden Dollar-Bond (WKN: A0G MZX; Kurs: 101,50 %; Kupon: 6,15 %; Ablaufrendite: 6,12 %).

Bär der Woche

• CARILLION (924 047;  21,43 GBp) bröselt das Fundament weg.
Der zweitgrößte britische Baukonzern musste bereits zum dritten Mal innerhalb eines Jahres seine Prognose senken. Zudem drohen Kapitalmaßnahmen, da das Management davon ausgeht, dass Kreditklauseln zum Ende des Jahres nicht eingehalten werden können. Zur Misere beigetragen haben Verzögerungen bei einem Großprojekt in Nahost. Zudem belasten die niedrigen Margen, die für britische Dienstleistungsverträge zu erzielen sind. CEO Richard Howson musste bereits im Sommer seinen Hut nehmen. Nun gerät auch Interimschef Keith Cochrane immer mehr unter Druck. Kommt es zu einer Kapitalerhöhung, würden die Aktionäre wohl brutal verwässert werden. Ein Debt-to-Equity-Swap ist wahrscheinlicher. Finger weg!

SpotLight

• FOOT LOCKER (WKN: 877 539; 40,82 $)
explodierte regelrecht nach den Zahlen. Unsere Comeback-Spekulation, die wir in AK 35.17 ausführlich begründet hatten, explodierte regelrecht nach oben. Am Ende des Freitags letzter Woche stand ein Plus von 28 %. Das passiert, wenn auf komplett ausgebombten Kursen positive Nachrichten folgen. Foot Locker übertraf im dritten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 0,87 $ die Analystenschätzungen von 0,80 $ deutlich. Der Umsatz lag mit 1,87 Mrd. $ ebenfalls über den Erwartungen von 1,83 Mrd. $. Die Dt. Bank stufte die Aktie von Hold auf Buy und erhöht das Kursziel von 38 auf 45 $. Wir bleiben an Bord und spekulieren auf 50 $ als erstes Ziel.
• News am laufenden Band zu PROSIEBENSAT.1 (WKN: PSM 777; 26,50 €).
 Chef Ebeling hat fertig. Er muss im Februar gehen. Sein Vertrag lief noch bis Mitte 2019. Diese Konsequenz ist richtig und kam nicht überraschend. Der Druck kam vom Aufsichtsrat. An der beschriebenen Comeback-Story ändert sich nichts. Wir hatten den Wechsel bereits vorsichtig avisiert. Allein im laufenden Jahr musste die Prognose vier-mal reduziert werden. Aufgefallen ist Ebeling vor kurzem auch mit einer abschätzigen Bemerkung über Zuschauer. Jetzt geht es an die umfassende Restrukturierung bzw. den Umbau. Wichtig: Das Unternehmen ist trotz der Warnungen sehr profitabel. Zudem wurden das erste Mal Übernahmegerüchte gestreut. NBC Universal wurde u. a. als möglicher Käufer genannt. Wir bleiben natürlich drin.
• LEONI (WKN: 540 888; 62,75 €)
wieder in Hochform. Unserem M&A Portfolio tut Leoni richtig gut. Die Erhöhung der Prognose ist ein weiterer Beleg dafür, dass man die schwierigen Zeiten der letzten zwei Jahre endgültig hinter sich gelassen hat. Die Auftragslage sowie das organische Wachstum sind bärenstark und die angehobene EBIT-Prognose könnte sogar nochmals übertroffen werden. Die Analysten haben ihre Gewinnschätzungen im Schnitt um 6 % für 2017 und die beiden Folgejahre angehoben. Warburg Research taxt einen Gewinn je Aktie von 4,60 € in 2017, 5,03 € in 2018 und 5,99 € in 2019. Per 2019 entspräche das einem KGV von etwas mehr als 10. Das Ziel von 68 € erscheint uns da recht konservativ.
• Hinter der Gewinnprognose von DELTICOM (514 680; 12,60 €)
steht ein Fragezeichen. Noch bis zur Einführung der „Winterreifenpflicht“ im Dezember 2010 und in den Jahren danach stand der Online-Reifenhändler in voller Blüte. Nach der Anschaffungswelle ging es dann aber mit Delticom stetig bergab. Der jüngste Trend: Immer mehr Autofahrer scheuen die kostenintensive Anschaffung zweier Reifensätze nebst den notwendigen zwei jährlichen Montageterminen und greifen zunehmend auf Ganzjahresreifen zurück. Als Folge hat sich der Wettbewerb verschärft und zu Konsolidierungseffekten geführt, die auf das Preisniveau drücken. Das hat Delticom nun zu der Äußerung veranlasst, dass die Prognose eines EBITDA von 16 Mio. € für 2017 derzeit „mit einer gewissen Unsicherheit behaftet“ ist. Sollte ein weiterer milder Winter folgen, könnten weitere Preismaßnahmen erforderlich werden. Die Aktie zeigt anhaltende relative Schwäche zum Markt. Weiter draußen bleiben!
• STO (727 413; 118,25 €)
mit verringerter Wachstumsdynamik im 3. Quartal. Der Umsatz des Baustoffherstellers stagnierte bei 364 Mio. €. Dank des Wachstums im ersten Halbjahr summiert sich das Umsatzwachstum in den ersten neun Monaten des Jahres aber immer noch auf 4,1 % bzw. 982 Mio. €. Das EBIT soll im selben Zeitraum „klar“ zugenommen haben, aber konkrete Zahlen blieb man diesbezüglich schuldig. In die Karten spielte hierbei ein Sonderertrag in Höhe von 3,9 Mio. €, der aufgrund eines Vergleichs in den USA in die Kasse gespült wurde. Sto hat die Jahresprognose bestätigt. Dennoch hat der Kurs aufgrund der Zahlen zuletzt deutlich nachgegeben. Aus charttechnischer Sicht wäre wichtig, dass die Unterstützung bei 115 € hält. Darunter würde sich das charttechnische Bild deutlich eintrüben.

Tops & Flops

• NORDEX (7,33 €)
Die Aktie bekam nochmals die volle Breitseite von den Analysten. Goldman Sachs stuft die Aktie mit Ziel 5 € auf Verkaufen. Wir gehen davon aus, dass sich die Auftragslage ab Mitte 2018 wieder verbessern wird. Eine Comeback-Spekulation ist möglich. Aber bitte keine Eile.
• GAP (29,39 $)
Die Modekette hat im 3. Quartal ihre flächenbereinigten Verkäufe um 3 % gesteigert. Besonders erfolgreich war die Eigenmarke „Old Navy“ (+ 4 %). Der Gewinn/Aktie von 0,58 $ lag vier Cent über der Erwartung. Wochenplus der Aktie: 11,1%. Kurse über 30 $ wären ein Kaufsignal.
• BOUYGUES (42,85 €)
Der Kurs des französischen Mischkonzerns legte auf Wochensicht um 4,9 % zu. Grund: Der Umsatz ist in den ersten neun Monaten um 3 % auf 23,8 Mrd. € gestiegen, während sich der Überschuss auf 713 Mio. € verdoppelt hat. Das Break bei 40 € war ein Kaufsignal.

Portfolios

Spekulatives Portfolio

Kommentar: Das Spekulative Portfolio ist wieder im Aufwärtsmodus. Alle Positionen liegen im Plus. USU Software fiel unserem Stop-Loss zum Opfer. Wir haben zu 26,63 € verkauft. Es verbleibt dennoch ein Plus von 42 % für die bereits halbierte Position. Warburg Research bestätigt seine Kaufempfehlung (Ziel 11 €) nach den Zahlen für Cliq Digital und sieht signifikante Verbesserungen im operativen Geschäft. Fintech Group schaffte einen neuen Rekordkurs. Es darf davon ausgegangen werden, dass man nächste Woche zum Eigenkapitalforum in Frankfurt gute Nachrichten im Gepäck haben wird. Alibaba erweitert sein Lebensmittelgeschäft sowohl online als auch offline. Als Teil einer strategischen Kooperation wird man insgesamt 2,88 Mrd. $ investieren, um eine Beteiligung in Höhe von 36 % an Sun Art Retail Group Limited zu erwerben. Keine Neuaufnahme in dieser Woche.
Fintech Group

Allround-Portfolio

Kommentar: Das Allround-Portfolio konnte im Wochenverlauf wieder deutlich zulegen. Allen voran Rockwool. 7,6 % Umsatzwachstum sowie 13 % Gewinnwachstum im dritten Quartal lagen deutlich über den Erwartungen der Analysten. Hamborner Reit überzeugte zuletzt mit drei Zukäufen im Rheinland und konnte weitere positive Analysteneinschätzungen verbuchen. Keine Neuaufnahme in dieser Woche.

Wer die Weisheit sucht, ist ein weiser Mann; wer glaubt, sie gefunden zu haben, ist ein Narr. (Seneca)
Rockwool

Impressum:
Der Aktionärsbrief erscheint wöchentlich in der Bernecker Verlagsgesellschaft mbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, daß Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.