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Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 14.07.2022

Nr. 28/22 Die Actien-Börse

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Sehr geehrte Damen und Herren,


Hochspannung führt zu plötzlichen Entladungen.

Wer zieht den Stecker? Den umfangreichen Kombinationen der letzten Wochen ist nichts Neues hinzuzufügen, aber einiges neu zu sortieren. Wir wagen dazu eine kühne Wette in Sachen Politik, die wir auf Seite 2 erklären. Die Amerikaner stehen vor einer ähnlich mutigen Herausforderung, die dazu führt: Im zweiten Halbjahr taxieren wir das Erholungspotenzial auf 20 bis 25 % und das Risiko auf 10 %. Konkret: 


Die Fed steht vor der gleichen Entscheidung wie 1979.

Damals entschied Fed-Chef Paul Volcker, die Inflation mit dramatischen Zinsschritten zu stoppen. Die Renditen der T-Bonds erreichten im Januar 1982 ihren Höchststand mit rd. 16 %. Anschließend kippte Volcker die gesamte Geldpolitik um und löste eine dramatische Rückführung der Zinsen aus, was der Dow erst 7 Monate später mit seinem Tiefstwert von 770 in die größte und längste Hausse aller Zeiten umwandelte. Die Arbeitslosenquote lag bei 7 % und die Rezession schien sicher. Doch sie kam nicht. Powell hat es leichter. Für ihn geht es um nur 2- bis 3-%-Schritte bei Vollbeschäftigung, aber der Angst vor einer Rezession. Jetzt ist Mut gefragt, denn:

Alle Bärenmärkte in New York seit 1929 erreichten im Schnitt ein Minus von rd. 28 % im S&P. Nur 7 ergaben ein größeres Minus bis 55 %. Die Inflationsbaisse der zitierten Fed 1982/83 ergab ein Minus von 28 %. Die zurzeit laufende Korrektur mit der gleichen Inflationsangst und der Fed-Politik erreichte soeben 20 %. Wie viel Restrisiko liegt also in der gegenwärtigen Entscheidung der Fed, die Folgen von 14 Jahren Geldschwemme und einer zweifelhaften Geldpolitik wieder zu reparieren?

Die EZB spielt in diesem Kräfteverhältnis keine Rolle. Die Deutschen müssen sich damit abfinden, dass der Euro keine D-Mark ist. Die Solidarität mit den Euro-Partnern ist ihnen wichtiger, die Alternative würde lauten: Ende des Euro. Das aber kann kein Politiker glaubhaft vertreten, auch wenn angeblich über 50 % der Deutschen die D-Mark auch jetzt noch vorziehen würden. 

Der Casus Belli im Gas ist da. Kein Gas hat für die deutsche Industrie die vielfach beschriebenen Folgen. Ob vorübergehend oder dauerhaft, ist unklar. Dem Kriseninterview des BASF-Chefs vor einigen Wochen folgte am Dienstag  in der Süddeutschen Zeitung der EVONIK-Chef und Präsident des Chemieverbandes, Christian Kullmann. Er befürchtet nichts weniger als den „Herzinfarkt der deutschen Wirtschaft.“ Einer Weichspülung des Themas Gas in der deutschen Politik folgt nun die harte Wahrheit, die sich nicht aufteilen lässt in Verbraucherschutz oder Industrieschutz oder sonstige Segmentierungen. Es trifft alle. 

Resümee: Einer muss den Stecker ziehen oder es entsteht eine Konstellation, die niemand voraussagen kann, die sich jedoch aus der Logik der Sachzusammenhänge ergibt. Das ist die eingangs zitierte Wette, die zurzeit in den deutschen Medien mit keinem Wort erwähnt wird, obwohl jeder darüber nachdenken mag.

LEITLINIE:

Die gewagteste Wette des zweiten Halbjahres gilt.

Wie werden die Märkte darauf reagieren, wenn Moskau und Kiew eine überraschende Waffenruhe ausrufen, die allein von Putin in Inhalt und Ton formuliert sein wird? In Kürze gefasst:

Putin hat seine Pfänder in der Hand. Der Diktatfrieden bezieht sich weitgehend auf die im November vorgelegten Vertragsentwürfe. Sie bedeuten: 1. Völkerrechtliche Anerkennung der jeweiligen Gebiete in der Ostukraine nebst Schwarzmeerküste und Krim. Also Land gegen Freiheit oder Neutralität. 2. Keine Mitgliedschaft in der NATO, keine weiteren Waffenlieferungen des Westens und Neutralstatus ähnlich wie Österreich. 3. Gas gegen Aufhebung der Sanktionen, entweder schrittweise oder sofort, was Verhandlungsgegenstand sein kann. Bitter, aber wahr.

Ein Mann und seine Entourage sind am Zuge. Selenskyj muss die Kapitulation verkünden, was für Putin und seine Mannschaft die wichtigste Aussage für die Beendigung des Krieges bedeutet. Sein Adlatus Medwedew sieht darin die Rückkehr der ehemaligen Sowjetunion als Weltmacht, nun unter dem Namen Russland.

Der Aufschrei im Westen ist sicher vorauszusagen, aber keiner verfügt über die Macht, dies zu verhindern. Nun die Frage: Wie reagieren darauf DAX und Co? 


Ein Gaskrieg kostet 20 % Kursrisiko.

Daran halten wir fest. 5 - 6 % mögen inzwischen eingepreist worden sein, ergibt ein Restrisiko von 10 bis 12 %. Das Gewicht aller Chemieaktien im DAX beträgt rund 35 % bzw. 15 % im MDAX. Wir hatten deshalb die Halbierung der Chemiepositionen empfohlen. Aktuelle Frage: Alles raus? 

Je nach Rechnung der bisher bekannten Gremien (Netzagentur, BWM und Konjunkturinstitute) ist die glaubhafte Lücke für die Gasversorgung bei etwa 20 bis 22 % angesiedelt. Der Schwerpunkt liegt in der Chemie als Rohstoff und nicht für die Prozesswärme. Während andere Branchen teilweise ausweichen können, ist Gas als Chemierohstoff nicht zu ersetzen. Das ist der Punkt.

Die Belastbarkeit der Chemie ist deshalb begrenzt. Dies gleicht der Situation von 1974/75, damals durch Öl, jetzt durch Gas. Aufzuteilen ist:

Die Pharmazeutik ist nur begrenzt berührt. Vielfach lässt sich Gas durch Öl ersetzen, ebenso wie vor 50 Jahren umgekehrt. Die betroffenen Firmen sind mithin mit nur begrenztem Risiko einzuordnen. Öl lässt sich nach aktuellem Wissensstand als Gasersatz verwenden. Das gilt insbesondere für alle Heizungsfragen, ebenfalls im umgekehrten Verhältnis zu damals: Aus Öl- wurde Gasheizung und nun wird aus Gasheizung wieder Ölheizung oder Wärmepumpe. Den Anteil dieses Technikwechsels in der Industrie taxieren Kenner dieser Sachlage auf gut 15 - 20 %. 


Der DAX hängt technisch durch.

Alle drei Trendlinien (38, 90, 200 Tage) tendieren negativ. Eine kürzerfristige Wende ist für keine im Moment sichtbar. Das bedeutet: 

Alle 4 DAX-Segmente benötigen ein Erholungspotenzial von mindestens 20 - 25 %, um diese Linien jeweils positiv zu überschreiten, um ansschließend deren Wende zu bewirken. Das ist auf der Zeitachse nicht vor September/Oktober möglich. Für die längerfristige 200-Tage-Linie sogar nicht vor November. Am ehesten erreicht der kurzläufige 30-Tage-Durchschnitt eine Wende Ende des Monats/Anfang August. Deshalb ist die bisherige Stabilisierung des Gesamtmarktes oberhalb von 13.000 für den DAX eine sehr wichtige Unterstützung für alles Weitere.

SCHWERPUNKTE: AUTOAKTIEN

Sämtliche Autoaktien des Westens bekommen Sie jetzt mit einem Rabatt von rd. 50 % zum Sommerschlussverkauf.

Das gab es weder in der Finanzkrise noch in der Coronakrise vor zwei Jahren. Die Autoindustrie ist jedoch für alle Industrieländer der wichtigste Trendindikator sowohl für Stabilität als auch Dynamik mit teilweise den höchsten Beschäftigungsquoten in der Industrie. Auch in den Ländern, wo nur Teilbetriebe der Konzerne tätig sind. Liegt darin eine Vorindikation für eine Rezession oder ein Fehlgriff in der Interpretation? Fest steht:

Der Umbau in Richtung E-Mobility schafft beträchtliche Unsicherheiten darin, welche Technologie nachhaltig wirksam wird. Unabhängig von politischen Zielen in verschiedenen Ländern. Ein totaler Verzicht auf den Verbrenner zeichnet sich nicht ab. Die technologischen Voraussetzungen für das E-Mobil sind materialseitig sehr verschieden und der Wechsel ist deshalb technisch kompliziert. Gleichwie:

Alle rechnen mit höheren Umsätzen im kommenden Jahr. Ebenfalls alle mit deutlich verbesserten Gewinnen, obwohl es genaue Schätzungen zurzeit noch nicht gibt. Die Endkalkulation für den Gewinn je Aktie wird jedoch schon präzisiert. Hier zeichnet sich eine unklare Entwicklung ab, in der die Besonderheiten des Wechsels zum E-Mobil erkennbar sind. Aber:

Ein KGV von 5 für alle Großen ist eine Herausforderung erster Klasse. Die Börsenwerte stehen zudem in keinem realen Verhältnis zu den tatsächlichen Umsätzen. Welches Erholungspotenzial lässt sich aus dieser sehr niedrigen Bewertung der Gewinne per 2023 ermitteln, wenn man unterstellt, dass bis dahin alle Lieferprobleme weitgehend beseitigt sind? Das ist die augenblickliche Autowette.

Der markttechnische Hintergrund sieht so aus: MERCEDES-BENZ kostete in der Coronakrise 20 € für einige Tage. Daraus wurden 76 € im letzten Jahr. Die Korrektur auf diesen Gewinn erreichte 28 € oder 50 % vom Gesamtanstieg. Das ergab einen Korrekturkurs von 48/50 € als neue Kaufbasis. Für alle anderen gilt im Wesentlichen der gleiche Verlauf. Resultiert daraus ein neues Rallypotenzial mit gleichem Hintergrund, aber 50 % Kursgewinn per 2023/24? MERCEDES erreicht dann lediglich den alten Topkurs des letzten Jahres. Mehr nicht. Wie weit gehen die Zielgrößen per 2024? Die Pläne des Managements sind bekannt. Die deutlich verbesserte Profitabilität wird ausdrücklich unterstrichen, indem die Kleinserien A und B wegfallen. Ein Ziel von 95/100 € ist das Minimum.



PORSCHE ist die absolute Ausnahme.

18,4 Mrd. € Marktwert stehen für rd. 50 % der VW-Stämme als größte Position in der Bilanz. Im Zuge der Ausgliederung von PORSCHE AG aus dem VW-Konzern plant die PORSCHE-Familie den Tausch von 25 % an dieser Gesellschaft gegen Hergabe von 25 % der VW-Stämme, um das eigene Portfolio besser zu diversifizieren. Daraus errechnet sich eine Bewertungsreserve nach üblicher WP-Rechnung von 3,5 bis 4,5 Mrd. € auf den aktuellen Börsenwert. Nicht davon berührt sind alle anderen Beteiligungen plus die aus VOLKSWAGEN-Dividenden stammende permanente Kassenhaltung in den Größenordnungen von 2,8 bis 3,6 Mrd. € (Schätzung). Ein klarer Kauf!

Im FOKUS: FINANZTITEL, DT. BANK, COMMERZBANK


Die Bilanzsaison wird nicht nur ein Härte-, sondern ein Praxistest dafür, wie jede Gesellschaft ihre Planungen für die kommenden Monate einschätzt.

Wohl jede zweite Firma ist vom Gas irgendwie abhängig, mindestens berührt. Deshalb warten wir ab, wie diese Ansichten anschließend eingepreist werden können. 

Alle Finanztitel stellen wir zur Disposition. Da wir in keinen dieser Titel investiert sind, verzichten wir auf die Nennung einzelner Namen. Die Empfindlichkeit der Betroffenen ist zu berücksichtigen. Einige halbierte und sogar gedrittelte Kurse gehören dazu. Die für uns schwierigste Frage ist die Einschätzung der DT. BANK und der COMMERZBANK.

Beide Banken begleiten wir seit Jahren aus Loyalität und liegen damit gründlich schief. Die mühsame Sanierung läuft, aber wenig überzeugend im Ergebnis. Gemessen an den Bilanzsummen müssten beide ihre bisherigen Ergebnisse um den Faktor 3 verbessern, um im internationalen Vergleich mitzuhalten. Auch die aktuellen Gewinnschätzungen je Aktie führen nicht weiter, denn KGVs von 4,5 für die DT. BANK und 5,7 für die COMMERZBANK sind extrem niedrig, aber durchaus glaubhaft. Da beide zurzeit nahe an den Tiefstkursen der letzten zwei und drei Jahre notieren, halten wir aus der genannten Loyalität heraus daran fest. Die rechnerischen Kursziele in doppelter Höhe lassen wir gleichwohl stehen. 

Das Problem für alle Finanzaktien ist die Aktivseite. Der Geldeinkauf bleibt weiterhin günstig und umfassend möglich. Das Risiko liegt im Aktivgeschäft für die Qualität der Kredite bei steigenden Zinsen und der Ausfallquote von Krediten, wenn die Rahmenbedingungen der Konjunktur sich erkennbar verschlechtern. 

IM FOKUS: IMMOBILIENWERTE VONOVIA


Die Immobilien-Baisse läuft weiter.

Der Fall ADLER war der Anfang. Insbesondere zwei stark miteinander verflochtene Gruppierungen, hinter denen ausländische Investoren stehen, stehen in der kritischen Einschätzung der Banken auf der Schwelle zum K. O. Wir nennen ausdrücklich keine Namen, um einer Haftung zu entgehen. Jedoch ohne einen zweiten Insolvenzfall oder eine Notabwicklung wird es nicht gehen. So die Meinung von Intimkennern in Frankfurt. 

VONOVIA ist der erste mögliche Stabilisierungsfaktor. 44 % Korrektur dürften ausreichen, um die NAV-Zahl, die von der Verwaltung selbst berechnet wird, über den Börsenwert zu bringen. Das ergibt sich aus den Halbjahreszahlen. Wir taxieren das Restrisiko auf eine Kursebene von 20 bis 22 € als vertretbare neue Kaufbasis. Aktuell 28,50 €. Denn: Im Normalfall sollte der Börsenwert deutlich unter dem NAV-Wert liegen. 

IM FOKUS: FRAPORT und LUFTHANSA

FRAPORT ist die Gegenwette.

Ebenso wie LUFTHANSA errechnet sich ein Erholungspotenzial für FRAPORT von etwa 1 Mrd. € im Börsenwert mit der Rückkehr aller Flugdienste zum Normalstand. Jede weitere Genehmigung für Landung und Start rechnet sich für FRAPORT wie ein Bargeschäft: Einnahme ohne große Kosten, die grundsätzlich zu dem Fixkostenblock des Airports gehören. 

Für LUFTHANSA errechnet sich eine ähnliche Comebackkalkulation mit der Rückkehr zum Normalbetrieb. Der Mehraufwand für jede Destination beträgt im Verhältnis zum Flugpreis etwa 20 bis 25 % (ohne Treibstoff). LUFTHANSA-Basis von 5 € für Käufe bleibt deshalb gültig. Die Gesamtbewertung der LUFTHANSA als Unternehmen mit einem Wert von weniger als 7 Mrd. € hatten wir im Verhältnis zum Umsatz von rd. 26 Mrd. € (je nach Ausweitung aller Flüge) schon vorgetragen. 

NEBENWERTE: METRO


Die Ausnahmen bestätigen die Regel.

In beiden Fällen führte der Wechsel an der Spitze nun zu erkennbaren Resultaten.

METRO erhöhte soeben seine Ergebnisse und Planungen. Teilweise mit spektakulären Umsatzsprüngen bis zu 44 %, je nach zeitlicher Abgrenzung. Der Ausstieg aus allen fernliegenden Filialen und Beteiligungen ist beschlossene Sache. Nicht entschieden ist der Fall Russland. Kern der Sache ist nun: 25 bis 27 Mrd. € Umsatz für das Kerngeschäft sind das stabile Fundament für die Marktposition von METRO mit Schwerpunkt Deutschland/Europa. Kein Konkurrent ist dafür in Sicht. Der neue Chef ist langjähriger Spezialist für Verkauf und Handel und sein Schwerpunkt liegt in der Rentabilität. Was ist aus diesem Umsatz nachhaltig zu erwirtschaften? Die bisherigen Schätzungen von 0,40 bis 0,45 € je Aktie gelten in Düsseldorf als deutlich verbesserungsfähig mit Ansätzen bis 1 € je Aktie. Dafür sind keine wesentlichen Investitionen nötig, sondern deutliche Abläufe im Einkauf, Management und Verkauf. Marktwert aktuell 2,8 Mrd. € entsprechen rd. 10 % des Umsatzes. METRO ist damit ein klarer Kauf als Investment, nicht als Spekulation. 

NEBENWERT: CECONOMY


Die ehemalige Tochter steht vor dem gleichen Phänomen.

CECONOMY vereinigt unter einem Dach beide bisher getrennt operierenden Töchter Saturn und Mediamarkt mit einem Großaktionär, aber begrenztem Einfluss. Für 1,16 Mrd. € Marktwert gibt es knapp 22 Mrd. € Umsatz in der Unterhaltungselektronik nebst Peripherie mit der bisher verpassten Chance, vom stationären Handel auf Internet nebst Direktlieferung umzuschalten. Das ist zurzeit die Aufgabe. Die Gewinnschätzungen dafür sind etwas fragwürdig, aber ein KGV von 5 lässt alle Perspektiven zu. Das ergibt eine glatten Verdoppelungschance. Vorschlag: Investieren Sie in beide, METRO und CECONOMY, mit einer Anfangsposition. Wir legen nach, wenn in der Berichtssaison die weiteren Daten vorliegen. 

NEBENWERTE: FIELMANN


FIELMANN musste erstmals in seiner Börsengeschichte seine Ergebnisse leicht zurücknehmen.

Das ist für Europas größten Optikhändler die erste Erkenntnis dafür, wie infolge der Inflation auf die eine oder andere Brille verzichtet wird. Für FIELMANN eine neue Erfahrung. Die Zurücknahme der Gewinnschätzung schlug deshalb sofort mit 15 % Kursverlust in zwei Tagen ein. 

40 % Korrektur ist für die Familie Fielmann eine Ehrensache, sie wieder in die alte Größenordnung zurückzuführen. Das gilt seit Jahren in allen Varianten. Mindestens ist ein Erholungspotenzial von 30 % auf Jahressicht wahrscheinlich. Nicht aufregend, aber zielgenau. 

NEBENWERTE: BAVARIAN NORDIC

Die Special Situation lautet: BAVARIAN NORDIC profitiert als Impfstoffhersteller von den Affenpocken.

Das US-Gesundheitsministerium hat weitere 2,5 Mio. Impfstoffdosen bei dem dänisch-deutschen Konzern bestellt. Die Auslieferung soll zwischen Ende dieses und Anfang nächsten Jahres geschehen. Insgesamt haben die USA 4,4 Mio. Impfstoffdosen bei BAVARIAN NORDIC bestellt. Das hat sich bereits sehr deutlich im Aktienkurs niedergeschlagen, hat der sich doch seit Anfang Mai mehr als verdoppelt. BAVARIAN NORDIC ist bisher aber defizitär und eine knapp achtfache Umsatzbewertung ist auch nicht von Pappe. Kurzfristig könnte der Kurs weiter zulegen, aber bewertungsmäßig wird die Luft dünner. Nichts für Angsthasen also!

WELT: METALLE


Die rasanten Preiskorrekturen für die wichtigsten Metalle sind in der Regel ein Vorbote, für was?

Entweder für eine deutliche Rezession oder eine politische Konstellation mit erkennbaren Entspannungen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Metallpreisen und der Inflation ist dagegen nur schwer nachzuweisen. Was ist drin? 

Kupfer ist das wichtigste Metall für alle Varianten der Industrie, insbesondere Elektrik. Über zwei Jahre hinweg baute sich in Kupfer eine klare Preislinie auf, die als wegweisend für das Konsumklima galt, insbesondere für den Umbau der Autoindustrie. Über zwei Jahre lang hielt sich Kupfer auf einem hohen Niveau und brach vor einigen Wochen völlig zusammen. Gleichzeitig ging die Lagerhaltung für Kupfer zurück, aber keineswegs überproportional. Aus der Überspekulation am Terminmarkt wurde eine Backwardation-Lage geschaffen, in der die Preise der Zukunft niedriger ausfallen als die aktuellen Spotpreise. Das gilt als eine stabile Normalisierung der Verhältnisse von Angebot und Nachfrage ohne Finanzspekulation. 

Die TB-Daily nutzte diese Konstellation zu Put-Optionen mit schönen Gewinnen bis 85 % und geht jetzt wieder long in der Erwartung einer zumindest bedeutenden technischen Korrektur nach oben. Gilt dies auch für neue Long-Positionen in Aktien?

Eine Entspannung in der Ukraine-Krise wird wahrscheinlich zum gleichen Ergebnis führen. Als sicher gilt, obwohl nicht bewiesen: Die Russen haben umfangreich Öl im Spotmarkt verkauft und den Terminmarkt ausgehebelt. Damit im Zusammenhang stehen wohl auch einigen Änderungen im Besitz von NORILSK NICKEL, dem größten Nickelproduzenten der Welt, sowie RUSAL als größtem Aluproduzenten. Beide Unternehmen gehören zu Putin-nahen Oligarchen. Für den Kupfersektor gibt es keine Meldung dieser Art. Das ergibt eine interessante Spekulation:

FREEPORT MCMORAN gilt im Sektor Rohstoffe als die neutralste Adresse unter den großen Titeln.

GLENCORE, RIO TINTO und ANGLO AMERICAN werden indirekt von der schweizerischen Drehscheibe aufgebaut und manipuliert. Die Korrektur von FREEPORT MCMORAN mit rd. 40 % ist aus diesem Grund die solideste Comebackspekulation für die Normalisierung der Marktverhältnisse für Metalle. Wir gehen long.

RIO TINTO ist als größter dieses Sektors die solideste Wette auf eine Normalisierung der Metallmärkte und ausgeglichene Preise nach der scharfen Korrektur. 

WELT: WIENERBERGER


Wien bietet eine Besonderheit mit möglichem Ukraine-Effekt.

Der größte Ziegel- und Rohrhersteller der Welt erhöht seine Prognosen für Umsatz und Gewinn. 

Der Umsatz legte bereits im letzten Quartal um 44 % zu. Der Auftragseingang wird offiziell mit „stark“ von WIENERBERGER selbst dargestellt. Die Österreicher gelten als größter Profiteur eines Wiederaufbauprogramms in der Ukraine. Eine 50- bis 60-%-Steigerung der Ziegelproduktion nebst Betonrohren gilt als solide Leistung für drei bis vier Jahre. 

Die Korrektur seit Jahresanfang ging von 34 bis 20 €. Das ergibt ein KGV von 6. Billiger geht‘s nicht. Potenzielle Unsicherheiten betreffen nur eine sehr begrenzte Anzahl von Märkten, darunter Deutschland und Österreich, auf die weniger als 10 % des Umsatzes entfallen. 

WALL STREET:


Die Wall Street wartet auf die Kapitulation.

Was ist darunter zu verstehen? Die Nettoablüsse aus Aktien geben an (Abbildung), wie weit die Stimmung gefallen ist oder bereits im Keller liegt. Verschiedene Varianten hatten wir in den letzten zwei Wochen abgebildet. Die aktuell interessanteste ist: 

Alle Korrekturen der vergangenen 20 Jahre waren begleitet von einem grundsätzlichen Rückgang der Akteure und echten Verkäufen. Die ungewöhnliche Hausse der letzten zwei Jahre wurde von den bekannten Robinhoods beflügelt, die aktuell bislang aber offenbar noch nicht verkauft haben bzw. Kasse machten. Angeblich handelt sich um rd. 10 bis 12 Mio. neue Aktionäre, die vornehmlich in teils obskuren Sektoren unterwegs sind. Wie lange halten diese neuen Aktionäre die gegenwärtige Stimmungslage aus und wie viel Material käme dann aus diesen Beständen neu an den Markt zurück? Schon eine Halbierung ergäbe eine runde Bio. $. Entscheidend dafür ist die Stimmungslage in Sachen Inflation und Rezession. Es ist schwer vorstellbar, dass dieser neue Anlegerkreis diese Themen ignoriert. Wir sind sicher, dass auch Fed-Chef Powell diesen Zusammenhang sieht. Seine Rücksicht auf alle Aktionäre ist hinreichend belegt.  


Der amerikanische Immobilienboom steht vor einer technischen Korrektur.

Mit anziehenden Zinsen erscheint dies unvermeidlich. Die letzte Korrektur lief von 2007 bis 2009 mit dem bekannten Fall Lehman. In der Grafik ist dies gut nachzuvollziehen. Ohne die niedrigen Zinsen wäre dieser Boom unmöglich gewesen. Mit anziehenden Zinsen ist deshalb eine Korrektur nicht zu vermeiden. Der Immobilienmarkt hat in den USA für das Wirtschaftsbild eine größere Bedeutung, weil er sehr liquide ist und sich die Reaktionen von Käufern und Verkäufern in der Regel sehr schnell ändern. 

Wer den Anstoß dafür gibt, ist unklar. In der Regel nach amerikanischer Sitte ein typischer Zusammenbruch eines Immobilienfinanzhauses oder eines größeren Investors. Klar ist dabei lediglich: Die Fed wird unmittelbar und mit großem Volumen diese Krise auffangen, aber zunächst einmal muss sie eintreten. Das ist der Punkt, um den es zurzeit geht.

WALL STREET: NETFLIX und PAYPAL


Halbierte Kurse bleiben der Maßstab für alle Techs.

Gedrittelte oder geviertelte Kurse sind eher die Ausnahme, aber ob alle erreichten Kurse schon Rückkäufe nahelegen, ist offen. 

NETFLIX und PAYPAL sind die bekanntesten Tiefflieger im Sektor der Mittelklasse. Die Korrekturen belegen eindeutig, wie Übertreibungen wieder normalisiert werden. Reicht das? 

NETFLIX bleibt ein fester Bestandteil der Medienbranche in allen Varianten. Ein deutlicher Einbruch der Geschäfte gilt als ausgeschlossen. Die Konkurrenz zu DISNEY hat Bestand, aber berührt nicht die Existenz. Die Bewertung der Gewinne liegt aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt des Nasdaq 100 als Maßstab. So kommt es nun darauf an, wie mit den Ergebnissen für das erste Halbjahr die Pläne für das zweite Halbjahr konkretisiert werden können. Bis dahin herrscht erkennbare Unsicherheit einer Bodenbildung, der bis jetzt die Perspektive fehlt. Gut 20 Aktien dieser Kategorie stehen fast in der identischen Ausgangslage nach den massiven Korrekturen der vergangenen sechs Monate. 

Ergebnis: Sollte mit den Ergebnissen erkennbar sein, dass die Korrekturen ausreichen, baut sich mit ziemlicher Sicherheit ein neuer Erwartungshorizont auf, dem im Wesentlichen alle kleinen Aktionäre nebst Fonds folgen werden. 

WALL STREET: TORO, THE COMPANY


 Weniger bekannt, aber genauso interessant:

THE TORO COMPANY setzt regelmäßig Rekorde, wurde im Kurs aber deutlich gestutzt. TORO ist der weltweit führende Anbieter von Geräten für Rasen- und Landschaftspflege für den Privatgebrauch, aber auch für professionelle Anwender. Derzeit entfallen rund drei Viertel der Konzernumsätze auf den professionellen und gewerblichen Bereich. Geografisch betrachtet entfallen rund 80 % des Geschäfts auf die USA, was Expansionen in andere Regionen genügend Raum bietet. Die Historie belegt die kontinuierliche Entwicklung:

In den letzten zehn Jahren konnte der Umsatz auf knapp 4 Mrd. $ verdoppelt werden. Aktueller Börsenwert: 8 Mrd. $. Gleichzeitig wurde die Profitabilität, gemessen an der operativen Marge von 10,5 auf 12,8 %, verbessert, was nebst Rückkäufen fast eine Verdreifachung beim Gewinn je Aktie brachte. Was folgt? Anfang Juni wurde die Prognose erhöht. Demnach stellt der CEO einen Rekordgewinn von 4,00 - 4,15 $ je Aktie in Aussicht nach 3,62 $ im Vorjahr. Das 2023er KGV mit 16 passt für ein zweistelliges Wachstum. Der historische Schnitt liegt bei 26. Neue Topkurse im Anschluss an die laufende Korrektur sind nur eine Frage der Zeit.

WALL STREET: DELTA AIR LINES


Die amerikanischen Airlines starteten am Dienstag dieser Woche den 6. Anlauf nach 18 Monaten in ein Comeback.

Tagesgewinne teilweise bis 10 %. In der günstigsten Ausgangslage steht aus technischer Sicht DELTA vor UNITED AIRLINES und AMERICAN AIRLINES. Als Hauptgrund wurden die nachgebenden Kerosinpreise genannt. Die Wirkung ist ähnlich wie für LUFTHANSA (S. 4). Mindestens wird es ein interessanter Trade, wenn sich die Einschätzung des Ölpreises als richtig erweist. Wir berichteten darüber aus OPEC-Kreisen mit der Zielrichtung 85/95 $ das Barrel als mittleres Preisniveau. Das wurde bereits im Wochenverlauf bis auf 5 bis 6 % erreicht. Eine Marktbestätigung liegt noch nicht vor. Airlines sind keine Dauerinvestments, sondern Spekulationen auf Zeit. 

DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Der Zweifel am Siege entschuldigt nicht das Aufgeben des Kampfes. 
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach


IMPRESSUM

IMPRESSUM:  

Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker

Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Actien-Börse erscheint wöchentlich. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.