Sie lesen die Ausgabe: Bernecker Daily vom 27.01.2026

Nr. 027/26 Bernecker Daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Gekonnt!

Guten Morgen, meine Damen und Herren,

dem rasanten Start zum Jahresanfang folgte eine ebenso rasante Korrektur als Pullback, die bis zur Stunde aufging. Das war perfekt. Der DAX startet heute in der Vorbörse freundlich und steht kurz vor der technisch kritischen Marke von 25.000. Gold und besonders Silber haussieren weiter mit neuen Gerüchten (s. u.). Aus der Firmenwelt:

PUMA

Der Einstieg von ANTA SPORTS bei PUMA ist ein Befreiungsschlag. Der chinesische Konzern zahlt für den 29-%-Anteil der Pinault-Familie 35 € je Aktie und setzt damit eine neue Bewertungsmarke, auch wenn für Minderheitsaktionäre kein Pflichtangebot ausgelöst wird. Historisch ist ANTA kein Kurzfristinvestor, sondern geht häufig schrittweise vor, integriert operativ und stockt später auf. Die 35-€-Marke ist nun der erste Referenzpunkt. Wir trauen ANTA zu, PUMA wieder auf den richtigen Weg zu bringen. FILA, AMER SPORTS und DESCENTE sind die historischen Belege dafür. (VS)   


NEMETSCHEK

KI-Sorgen bei NEMETSCHEK sind übertrieben. Die Aktie hat aufgrund der KI-Debatte bei Softwareaktien vom Top in der Spitze fast 50 % verloren. Die Diskussion verlagert sich zunehmend von Disruption zu Monetarisierungschance. NEMETSCHEK integriert KI gezielt, um Produktivität und Mehrwert für Anwender zu steigern. JPMORGAN zeigt sich daher optimistisch und stufte NEMETSCHEK auf Overweight hoch und erhöhte das Kursziel deutlich auf 110 €. Unter 80 € einsammeln, um das Comeback zu spielen. (MH)

FRIEDRICH VORWERK

FRIEDRICH VORWERK pulverisiert die Prognosen. Mit einem Umsatz von 704 Mio. € (+ 41 %) lag man deutlich über der ausgegebenen Obergrenze von 680 Mio. €. Das EBITDA verdoppelte sich auf 163,3 Mio. €, was einer Marge von 23,2 % entspricht - deutlich über den avisierten 20 bis 22 %. Ein Auftragsbestand von über 1 Mrd. € sorgt für hohe Visibilität - dank staatlicher Investitionen in Stromnetze, Kraftwerksinfrastruktur, CO2-Speicherlösungen und Wasserinfrastruktur. Knapp 280 Mio. € Nettocash sind eine gute Basis, um den Markt zu konsolidieren. Mit dem Bruch der Widerstandsmarke bei 90 € sollte die Aktie wieder dreistellige Kurse anpeilen. Wir sind dabei, legen aber nicht mehr nach. (MH)


ROCKET INTERNET

Mit ROCKET INTERNET kauft man indirekt SpaceX. Das IPO des Raumfahrtkonzerns von Elon Musk wird auf einen Marktwert von 1,5 Bio. $ taxiert. ROCKET INTERNET ist trotz des Delistings 2020 am Börsenplatz Hamburg noch handelbar und hält über einen Fonds eine indirekte Beteiligung an SpaceX. Auf der letzten HV wurde offengelegt, dass dort 2021 über den Fonds etwa 45 Mio. € bei einer SpaceX-Bewertung von 74 Mrd. $ investiert wurden. Das wären bei 1,5 Bio. $ IPO-Bewertung nun das 20-Fache (Verwässerung ausgeklammert). Frankfurter Börsenbrief-Leser kennen die Story. Die ROCKET-Aktie ist bei 2,7 Mrd. € Marktwert noch klar unterbewertet. 30 € sind das Minimalziel. (MH)


LVMH

LVMH: Wer beerbt Bernard Arnault? Der französische Multimilliardär (76) führt den Luxuskonzern mit seinen über 70 Marken seit fast 40 Jahren. Im vergangenen April hat der LVMH-Gründer die Altersgrenze für den CEO-Posten auf 85 Jahre angehoben. Obwohl seine fünf Kinder alle im Konzern tätig sind, hat Arnault bisher noch keinen Nachfolger ernannt. Die ungeklärte Nachfolge scheint inzwischen auch einige institutionelle Investoren zu beunruhigen. Ariane Hayate, Fondsmanagerin beim LVMH-Investor Rothschild, sieht hier einen Risikofaktor, der zu einem Governance-Abschlag für das Unternehmen führt. Wegen der „fehlenden detaillierten Offenlegung der Nachfolgepläne“ hatte der Vermögensverwalter Baillie Gifford schon im April 2025 gegen die Anhebung der Altersgrenze gestimmt. LVMH legt heute seine Q4-Zahlen vor, dann könnte die ungeklärte Nachfolge auch ein Thema werden. Die LVMH-Aktie bleibt eine solide Halteposition. (GS)


VESTAS

Investitionspakt beflügelt Windkraftaktien. Kursgewinner waren gestern vor allem VESTAS (+ 5,6 %) und ØRSTED (+ 4,1 %) als Reaktion auf geplante Milliarden-Investitionen der Nordsee-Staaten, darunter Dänemark, Großbritannien, Norwegen und Deutschland. Die Beteiligten wollen bis 2030 rd. 9,5 Mrd. € investieren, um die Basis für einen schnelleren Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee zu legen. Als Ziel wurde formuliert, bis 2050 eine Kapazität von bis zu 100 Gigawatt zu schaffen. Im Gegenzug für mehr staatliche Planungssicherheit will die am Pakt beteiligte Industrieseite bis 2040 die Kosten der Stromerzeugung um 30 % senken. Es können 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. VESTAS erhielt gestern zudem einen positiven Analysten-Impuls von JPMORGAN per Aufnahme in die Liste „Positive Catalyst Watch“ mit Kursziel 200 DKK (rd. 23 €). Dem VESTAS-Zahlentermin am 5. Februar kann man vorsichtig vorgreifen. (HG)


REVOLUTION MEDICINES

Die geplatzte Übernahme durch MERCK & CO. schickte gestern den Kurs von REVOLUTION MEDICINES auf Talfahrt. Die beiden Unternehmen haben ihre Gespräche beendet. Laut „Wall Street Journal“ scheiterte der Prozess daran, dass sich beide Seiten nicht auf einen Kaufpreis einigen konnten. Als Größenordnung für einen möglichen Deal wurden rund 30 Mrd. $ genannt. Ein endgültiger Schlussstrich ist das aber möglicherweise nicht. Der WSJ-Bericht betont, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden können. Außerdem soll es weitere Kaufinteressenten für REVOLUTION MEDICINES geben. Das Unternehmen entwickelt Krebsmedikamente und arbeitet unter anderem an Therapien gegen Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs. Ein zentraler Auslöser sind die in der ersten Jahreshälfte erwarteten Ergebnisse einer zulassungsrelevanten Studie zu einem der wichtigsten Wirkstoffkandidaten. Solche Daten können den Wert des Unternehmens sprunghaft verschieben und damit auch die Preisvorstellungen in Verhandlungen. Zusätzlich wurde zuvor über fortgeschrittene Gespräche zwischen ABBVIE und REVOLUTION berichtet. ABBVIE hatte aber später erklärt, dass man keine Gespräche mit REVOLUTION führe. Fazit: Vorerst ist die Luft raus, aber positive klinische Studienergebnisse bis zum Sommer könnten den Kurs wieder anspringen lassen. Hochspekulativ! (OK)

Silber

Inoffizieller Kommentar zum Silber-Höhenflug. Eine deutliche Ansage zur aktuellen Verteuerung der Edelmetalle meldete Seeking Alpha. Das US-Börsenportal zitierte einen früheren Chef-Analysten (Marko Kolanovic) mit der Einschätzung, die Preisbewegung sei das Ergebnis von Meme-Trading mit dem Versuch, den Markt vor dem Hintergrund der Geopolitik und innenpolitischer Spannungen in den USA zu übernehmen. Im Laufe des Jahres sei mit einer Rückkehr auf etwa die Hälfte des aktuellen Preisniveaus zu rechnen. Kolanovic wurde eher als Pessimist eingestuft, dennoch: Angesichts der Marktenge bei verschiedenen Edelmetallen bleibt Vorsicht das Gebot der Stunde. (HG)


Aktie des Tages: OHB

Der Kurs des Bremer Satellitenherstellers hat gestern 35 % höher geschlossen. Auslöser: OHB hat bestätigt, Gespräche mit RHEINMETALL über eine mögliche Kooperation in Rüstungsprojekten zu führen. Konkret geht es um gemeinsame Bewerbungen bei Vergabeverfahren der öffentlichen Hand. Im Fokus steht nach Medienberichten das Bundeswehr-Projekt „SATCOMBw Stufe 4“. Dabei soll eine neue militärische Satellitenkonstellation aufgebaut werden. Geplant sind mindestens 100 Satelliten bis 2029. Sie sollen Panzer, Schiffe und Soldaten sicher miteinander vernetzen. Der potenzielle Auftragswert liegt laut „Financial Times“ bei bis zu 10 Mrd. €. Die Ausschreibung könnte bereits im Februar starten. Neben OHB und RHEINMETALL gilt auch AIRBUS als möglicher Bieter. Die Euphorie bei der OHB-Aktie sollte aber mit Vorsicht betrachtet werden. Mit einem KGV von 62, einem Streubesitz von gerade mal 5,7 % und einem durchschnittlichen Xetra-Tagesvolumen von lediglich 8.000 gehandelten Aktien steht der gestrige Kursanstieg auf tönernen Füßen.

Fazit: Rennen Sie dem Kurs keinesfalls hinterher! (OK)

Mit freundlichen Grüßen
 
Hans A. Bernecker, Volker Schulz

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Markus Horntrich

Oliver Kantimm

Georg Sures

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