Super-IPO SpaceX: Heiße Wette oder Weltraumschrott?
An der Wall Street dreht sich derzeit alles um das größte IPO der Börsengeschichte: SpaceX. Zum Ausgabepreis von 135 $ je Aktie wird das Unternehmen von Elon Musk mit rund 1,8 Bio. $ bewertet. Im vorbörslichen Handel wurden bereits Kurse von über 150 US-Dollar gehandelt, was auf deutliche Zeichnungsgewinne zum Handelsstart am 12. Juni hindeutet. Ursächlich dafür ist das zunächst knappe Aktienangebot von fast 5 %. Da es für die Altaktionäre (außer Elon Musk) keine Lock-up-Frist gibt, werden bereits bis Ende Juni weitere 20 bis 30 % der Aktien auf den Markt kommen.
Tatsächlich ist SpaceX heute weniger ein Raumfahrtunternehmen, wie der Name suggeriert, als vielmehr eine Beteiligungsholding. SpaceX stützt sich operativ vor allem auf Starlink, das mit 11,4 Mrd. $ Umsatz und 4,4 Mrd. $ operativem Gewinn die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle darstellt. Das Satelliteninternet-Geschäft wächst dank inzwischen 10,3 Mio. Kunden dynamisch, bleibt jedoch äußerst kapitalintensiv: Allein 2025 investierte das Unternehmen 4,2 Mrd. $ in neue Satelliten und Infrastruktur.
Deutlich schwächer präsentiert sich das Raumfahrtgeschäft. Zwar dominiert SpaceX mit 170 Raketenstarts pro Jahr den Markt, im ersten Quartal 2026 schrieb das Segment jedoch bei 619 Mio. $ Umsatz einen operativen Verlust von 662 Mio. $. Für einen Quasi-Monopolisten ist das, gelinde gesagt, zu wenig.
Noch höher fallen die Verluste im KI-Geschäft rund um xAI, X (ehemals Twitter) und das Sprachmodell Grok aus. Bei 818 Mio. $ Umsatz summierte sich das operative Minus im Q1 auf 2,5 Mrd. $. Positiv wirkt hier ein Großauftrag von Anthropic, das Rechenkapazitäten für bis zu 15 Mrd. $ über drei Jahre gemietet hat - allerdings mit 3-monatiger Kündigungsfrist versehen. Gleichzeitig belasten rückläufige Werbeerlöse bei X, der Abgang sämtlicher xAI-Mitgründer sowie die geplante Übernahme der KI-Coding-Plattform Cursor für bis zu 60 Mrd. $ die Investmentstory.
Insgesamt finanziert derzeit vor allem Starlink die ambitionierten Wachstumspläne in Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz. Dem Unternehmen fließen durch die Platzierung 75 Mrd. $ zu. Die Mittel sind jedoch bereits weitgehend verplant: Eine kurzfristig fällige Kreditlinie über 20 Mrd. $ muss refinanziert werden, weitere 60 Mrd. $ sind für die geplante Übernahme von Cursor vorgesehen. Falls die Transaktion scheitert, kommt eine Break-up-Fee von 10 Mrd. $ auf SpaceX zu. Große Investitionen kann man mit dem IPO-Erlös nicht anstoßen.
Verkauft wird die Story vor allem den Retail-Anlegern mit KI- und Raumfahrt-Fantasie. Rechenzentren im Weltraum sind aber noch weiter entfernt als die Robotaxis bei Tesla, die eigentlch schon seit 2019 fahren sollen und es bisher noch nicht in den Markt geschafft haben. Was Elon Musk aber regelmäßig schafft, ist, dass er sämtliche Bewertungsrelationen ad absurdum führt. So überzeugen auch die fundamentalen Kennzahlen bei SpaceX nicht. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 18,7 Mrd. $, verbuchte jedoch einen Verlust von 4,9 Mrd. $. Im ersten Quartal 2026 summierte sich das Minus bereits auf 4,3 Mrd. $. Gleichzeitig schrumpfte der Bestand an liquiden Mitteln binnen drei Monaten von 24,7 auf 15,8 Mrd. $.
Die Investmentstory basiert vor allem auf Visionen. Man hat einen „Total Addressable Market“ für alle Sparten von insgesamt 28,5 Bio. $ identifiziert. Ein enormes Volumen, das sich aber schwer nachvollziehen lässt. Mit einer Marktkapitalisierung im Bereich des rund 100-fachen Jahresumsatzes gehört SpaceX zu den ambitioniertesten Bewertungen der gesamten Kapitalmarktgeschichte.
Kurzfristig sprechen technische Faktoren für die Aktie. Eine schnelle Aufnahme in den Nasdaq 100 gilt als wahrscheinlich und könnte allein durch passive Indexfonds Kaufvolumina von rund 7 Mrd. $ auslösen. Hinzu kommt die hohe Nachfrage von Privatanlegern und Musk-Anhängern. Für den S&P 500 kommt eine Aufnahme dagegen frühestens nach zwölf Monaten infrage.
Der renommierte US-Finanzprofessor Aswath Damodaran (New York University) kalkulierte für die SpaceX-Aktie einen „fairen Wert“ von 100 $. Selbst damit erscheint uns der „Mischkonzern mit Raumfahrtanteil“ mehr als ambitioniert bewertet.
Unser Fazit: Das IPO ist die perfekte Krönung des aktuellen Space-Hypes (siehe Chartvergleich). Als Investment überzeugt SpaceX auf aktuellem Niveau aber nicht. (MH)