Sie lesen die Ausgabe: Bernecker daily vom 25.06.2026

Nr. 176/26 Bernecker daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Chip Chip Hurra!

Guten Morgen, meine Damen und Herren,

KI liefert weiter den Takt. MICRON TECHNOLOGY befeuert mit einem starken Ausblick die Tech-Erholung. Öl nimmt weiter Druck raus. Brent gibt die gesamten Kriegsgewinne wieder ab. Alle Öl-Bullen mit zum Teil ausgerufenen Zielen von 200 $ sind komplett geerdet. Der DAX startet nahezu unverändert zum gestrigen Schlusskurs. Heute steht der PCE-Inflationsindex im Fokus mit Wechselwirkung auf Dollar und Renditen. Aus der Firmenwelt:

PUMA

PUMA: GOLDMAN SACHS und DEUTSCHE BANK bleiben optimistisch. Am Dienstag war der Aktienkurs von PUMA nach einem Analystenkommentar von Bernstein unter Druck geraten. Bernstein-Analyst William Woods rechnet für das zweite Quartal mit einem Umsatzrückgang auf währungsbereinigter Basis von 9 % und liegt damit unter dem Marktkonsens (Umsatzminus von 6 %). Als Gründe führte Woods eine Normalisierung der Geschäftsaktivität sowie herausfordernde Vergleichswerte im US-Massengeschäft an. Am Mittwoch stützten allerdings positive Kommentare von GOLDMAN SACHS und DEUTSCHE BANK die PUMA-Aktie: GOLDMAN rechnet im zweiten Halbjahr mit einer stärkeren Umsatzdynamik als im ersten. Die DEUTSCHE BANK erwartet unterdessen, dass sich im zweiten Quartal nach den unerwartet guten ersten drei Monaten weitere Anzeichen des Marken-Turnarounds zeigen. Der Bernecker Börsenkompass bleibt bei PUMA weiter engagiert. (GS)


BNP PARIBAS

BNP PARIBAS kommt ins Laufen. Der Titel bestätigt das technische Break bei 97 € nun nachhaltig. Rückenwind liefert eine neue Studie der BANK OF AMERICA, die das Kursziel für die französische Großbank von 111 auf 128 € anhebt und die Kaufempfehlung bestätigt. Die Analysten sehen BNP auf dem Weg zu einem paneuropäischen Banken-Champion mit einer Eigenkapitalrendite von mehr als 15 %. Gleichzeitig erwarten sie in den kommenden drei Jahren ein Gewinnwachstum je Aktie von über 15 % jährlich. Trotz dieser Perspektiven wird die Aktie aktuell nur mit dem etwa Siebenfachen der erwarteten Gewinne bewertet. Hinzu kommt eine attraktive Ausschüttungspolitik mit Dividenden und Aktienrückkäufen, die eine jährliche Aktionärsrendite von 10 bis 13 % ermöglichen soll. Als zusätzlicher Kurstreiber gilt eine mögliche Einigung im laufenden Sudan-Rechtsstreit. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn bereits mehr als 26 % im Plus und setzt ihre relative Stärke gegenüber dem europäischen Bankensektor fort. Der Titel liegt im Passiven Einkommen Portfolio des Aktionärsbriefes. Wir folgen den Analysten uneingeschränkt und können uns auch noch höhere Ziele vorstellen. (VS)


MICRON

MICRON: Speicherchip-Hype läuft weiter. Der hohe Bedarf des KI-Sektors sorgt bei den Memorychip-Herstellern für Komplettauslastung auch über 2027 hinaus. Diese CEO-Aussage im Q3-Termin beflügelte MICRON selbst (nachbörslich + 16,8 %) und z. B. die Aktie von SK HYNIX (bis zu + 12 %). MICRON-CEO Sanjay Mehrotra verwies auf 16 strategische Abkommen mit Kunden, die das Geschäftsmodell grundlegend ändern. Im fiskalischen Q3 stieg der Umsatz auf 41,5 Mrd. $ (+ 74 % zum Q2 und + 346 % y/y). Durch den überproportionalen Ausbau der Ergebnisse kletterte die operative Marge auf 81 % (vor einem Jahr: 27 %). Auch der Q4-Ausblick (Umsatz 49 bis 51 Mrd. $ sowie EPS 30 bis 32 $) schlug die Erwartungen der Analysten deutlich (bei Erlösen um 15 %, beim EPS um ca. ein Viertel). Bei unseren Memory-Positionen, etwa im Frankfurter Börsenbrief, hat sich die Performance weiter erhöht, zunächst bleiben sie haltenswert. (HG)


SK HYNIX

SK HYNIX will mit US-Listing rund 29,4 Mrd. $ einsammeln. Die Mittel sollen vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten für KI-Speicherchips sowie in moderne EUV-Lithografieanlagen fließen. Als weltweit führender Anbieter von High-Bandwidth-Memory (HBM) kontrolliert man ca. 60 % des globalen Marktes. Bei KGVs von 8,7 und 6,1 für 2026/2027 schließt man mit US-Listing und mehr Zugang zu internationalen Investoren leichter die Bewertungslücke zu US-Halbleiterunternehmen. Profiteur dieser Entwicklung ist zudem ein Europäer: Die EUV-Lithografieanlagen liefert ASML. Hier ist davon auszugehen, dass die Gewinnschätzungen für 2027 und 2028 aufgrund höherer Auslieferungen bzw. zunehmender Visibilität für die Jahre 2027 und 2028 angehoben werden. FB-Depotwert SK Hynix bleibt eine Halteposition, ASML wäre bei 1.300 € wieder ein Kauf. (MH)


WENDY’S

WENDY’S: Meme-Aktie oder ernsthaftes Investment? Die Aktie sprang gestern um rund 25 % an. Das vor allem wegen Diskussionen im Privatanlegerforum WallStreetBets, hohem Short Interest und Übernahmespekulationen. Rund ein Drittel des frei handelbaren Bestands ist leerverkauft. Dadurch kann schon eine kleine positive Nachricht eine heftige Eindeckungsbewegung auslösen. Der Führungswechsel liefert aber auch einen echten fundamentalen Ansatz. Mit Robert Wright als CEO und Steve Cirulis als Finanz- und Strategiechef holt WENDY’S zwei frühere Potbelly-Manager an Bord, die dort operative Verbesserungen begleiteten. Genau das braucht die Burgerkette. Im ersten Quartal sanken die globalen systemweiten Umsätze, getrieben von schwachen US-Flächenumsätzen, rückläufigen Kundenzahlen sowie steigenden Kosten für Rohstoffe und Löhne. Für 2026 erwartet WENDY’S nur stagnierende systemweite Umsätze, aber immerhin 190 Mio. $ bis 205 Mio. $ freien Cashflow. Analysten bleiben trotzdem vorsichtig und sehen die Aktie überwiegend nicht als klaren Kauf. Fazit: WENDY’S ist kein reiner Meme-Zock, aber zu einem ernsthaften Investment wird die Aktie erst, wenn der Turnaround im Tagesgeschäft sichtbar wird. Risikofähige Anleger dürfen darauf mit einer kleinen Position spekulieren. (OK)


ESSILORLUXOTTICA

ESSILORLUXOTTICA zeigte gestern hohe Intraday-Volatilität. Der Auslöser war weniger eine operative Enttäuschung als ein vorsichtiger Analystenmix. Die DEUTSCHE BANK senkte das Kursziel von 183 auf 181 € und blieb bei "Halten". Erwartet werden zwar 9,5 % Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen, aber ein weitgehend stagnierendes bereinigtes EBIT und eine Marge von 16,9 %. Das signalisiert: Wachstum ja, Margenfantasie kaum. Zusätzlich belastete der Hinweis auf Währungsgegenwind. Auch JEFFERIES kappte das Kursziel deutlich von 300 auf 250 €, bestätigte aber "Kaufen". Genau darin liegt die Erklärung für die gestrige Erholung nach anfänglicher Schwäche. Der Markt sah keine neue Gewinnwarnung, sondern eher eine Anpassung überhöhter Erwartungen. Zudem bleibt die Smart-Glasses-Story intakt. META will offenbar günstigere KI-Brillen ohne Ray-Ban-Logo auf den Markt bringen, arbeitet aber weiter mit ESSILORLUXOTTICA zusammen. Fazit: Die Aktie bleibt teuer und kurzfristig anfällig, doch die Erholung zeigt, dass Anleger den strategischen KI-Brillen-Hebel weiter ernst nehmen. Alles in allem derzeit aber nur eine Halteempfehlung. (OK)


Absturz des Tages: RHEINMETALL

Verteidigungsminister Boris Pistorius wird das F-126-Fregattenprogramm (vier NATO-Fregatten zur U-Boot-Abwehr mit geplanter Auslieferung ab 2028) voraussichtlich endgültig beenden. Die RHEINMETALL-Tochter NVL galt bislang als potenzieller Retter des mehr als 12 Mrd. € schweren Projekts. Stattdessen setzt die Bundesregierung wohl auf die Meko-200-Fregatten von TKMS und man geht offenbar zu einer „effizientere Verwendung“ des Verteidigungsbudgets über. Die Wachstumsstory der Marinesparte und die Übernahme von NVL bekommt einen Riss. Per 2030 ist der Effekt in der Marinesparte auf etwa 2 Mrd. € weniger Umsatz zu taxieren. Dafür wird RHEINMETALL aber auch Umsetzungsrisiken los. Auf EBIT-Ebene sind bei geschätzt ca. 12 – 13 % EBIT-Marge ca. 250 Mio. € buchstäblich versunken. Die Marinesparte macht weniger als 10 % des Konzernumsatzes aus, sodass die Auswirkungen auf den Gesamtkonzern begrenzt bleiben. Die Kursreaktion von zeitweise -20 % ist Ausdruck dessen, dass Rüstungskonzerne stark mit Fokus auf künftige Aufträge bewertet werden, ist allerdings hinsichtlich der Umsatz- und Ergebnisrelevanz übertrieben.

Fazit: Trading-Chance auf Niveau des April-Tiefs mit enger Risikoabsicherung (max. 7 %). (MH)

Mit freundlichen Grüßen

Redaktionsleiter: Volker Schulz

Redaktionsteam: Helmut Gellermann | Markus Horntrich | Oliver Kantimm | Georg Sures

 

IMPRESSUM

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