Die Amerikaner demonstrieren brutale Macht, militärisch und ökonomisch.
Daran ändert sich nichts. Ein Wachstum von 4,4 % ist in Dollar gerechnet nicht zu übertreffen und zu gut 80 % von Privatkapital getragen. Die Nr. 2, China, müsste in Prozent gerechnet gut 9 % zulegen, um auf die gleiche Größenordnung in Dollar zu kommen. Zahlen für Europa sind nicht zu diskutieren. Die spannendste Frage gilt dem Dollar (S. 7).
Die Europäer spielen geopolitisch keine Rolle, auch wenn sie eifrig bemüht sind, eine Art Machtclub zu basteln. Ihr Gewicht ist ökonomisch zu gering, militärisch ebenfalls untauglich und eine einheitliche Meinung unter 27 Mitgliedern gilt als unmöglich. Damit steht fest: Europa kann sich bemühen, mit den zwei Großen mitzuhalten, aber ein Aufholeffekt gilt als unwahrscheinlich, bestenfalls ein teilweises Mithalten auf halber Höhe. Wie dies funktioniert, zeigte SAP aus technischer Sicht mit seinen Ergebnissen am Donnerstag.
Was preisen die Märkte wirklich ein? Den Anschluss an die Zukunft. Das aktuelle Gewicht der großen Industrien Europas ist noch immer beachtlich. Die Konzentration auf den Rollentausch wird jedoch entscheidend sein, wie wir auf S. 2 erläutern. Das reicht für eine stabile Entwicklung, aber mit geringerer Dynamik. Die neuen Brücken nach Indien oder anderen Asienstaaten sind deshalb richtig, machbar und wegweisend. Entscheidend ist jedoch, in welchem Umfang sie genutzt werden. Politische Absprachen sind nichts wert, wenn dahinter kein Privatkapital steht, das z. B. in Indien, Indonesien etc. nachweislich investiert wird und im Ergebnis der deutschen Wirtschaft nützt. Dafür benötigt man höheres Eigenkapital aus Privatbesitz, welches aus der Gesamtnachfrage nach Aktien und anderen Finanzierungsinstrumenten zusammengesetzt ist. Siehe dazu ebenfalls Seite 2. Deutschland braucht dafür z. B. jedes Jahr gut 1 Bio. € Investitionsmittel aus Privathand.
Wer liefert den weiteren Maßstab? Die amerikanischen Staatsschulden erreichen 130 % des BIP. Der Wert des S&P 500 kommt mit seiner aktuellen Größe auf 156 % des BIP. Die Europäer bringen zusammen 16 Bio. $ auf die Börsenwaage, was etwa 90 % des addierten BIP ergibt. Der Verschuldungsgrad der EU-Staaten erreicht rd. 140 % mit der Ausnahme Deutschlands von 66 %. Das ist alles nicht aufregend.
Ergebnis: Auch ein Präsident, der den wilden Mann spielt (noch drei Jahre), schafft keine neue Weltordnung. Gefragt sind nur gute Nerven!