Sie lesen die Ausgabe: Die Termin-Börse vom 04.09.2026

Nr. 36/26 Die Termin-Börse

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Sehr geehrte Damen und Herren


lange Zeit war die Richtung an den Kapitalmärkten scheinbar klar:

Die Inflationswelle würde abebben, die Notenbanken ihre Leitzinsen wieder kräftig senken und damit insbesondere zinssensitive Aktien beflügeln. Doch dieses Drehbuch gerät zunehmend ins Wanken. Die wieder anziehenden Energiepreise und die hartnäckige Inflation haben die Erwartungen inzwischen regelrecht gedreht. In den USA preist der Markt wieder eine mögliche Zinserhöhung im September ein. Barclays rechnet nach den jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh sogar mit zwei Zinsschritten bis zum Jahresende. 


Damit stellt sich eine interessante Frage:

Was passiert, wenn die Zinsen nicht wie erwartet kräftig sinken, sondern länger hoch bleiben oder sogar nochmals steigen? Für hoch verschuldete Unternehmen und sehr hoch bewertete Wachstumsaktien wäre das keine gute Nachricht. Es gibt jedoch Geschäftsmodelle, die von einem solchen Umfeld profitieren. Versicherungen können ihre enormen Kapitalbestände zu höheren Renditen wiederanlegen, Banken erzielen bei entsprechender Bilanzstruktur höhere Zinserträge und Börsenbetreiber verdienen besonders gut, wenn die Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung zu steigenden Handelsvolumina führt. Drei Aktien erscheinen uns besonders interessant.

Die TIPPS der WOCHE:


MÜNCHENER RÜCK: Der stille Gewinner hoher Anleiherenditen.

Der Wert gehört für uns zu den attraktivsten Qualitätsaktien für ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld. Ein Versicherer kassiert die Prämien heute und legt einen erheblichen Teil davon in Anleihen an, bevor Jahre später mögliche Schäden bezahlt werden müssen. Steigen die Renditen, lassen sich aus neu angelegtem Kapital höhere laufende Erträge erwirtschaften. Genau dieser Effekt wird inzwischen sichtbar. Im zweiten Quartal erzielte MÜNCHENER RÜCK eine Kapitalanlagerendite von beeindruckenden 5,5 %. Der Konzerngewinn erreichte 2,21 Mrd. €, womit im ersten Halbjahr bereits 3,93 Mrd. € verdient wurden. Das Jahresziel von 6,3 Mrd. € wurde zwar bestätigt, dürfte aber deutlich übertroffen werden. 

Interessant ist vor allem die Bewertung. Trotz der Qualität des Geschäftsmodells wird die Aktie für 2026 lediglich mit rund dem Zehnfachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Gleichzeitig strebt das Management bis 2030 ein durchschnittliches Wachstum des Gewinns je Aktie von mehr als 8 % jährlich an. Das ergibt im Gegensatz zu vielen vermeintlichen Qualitätsaktien noch kein überzogenes Bewertungsniveau. Natürlich gibt es einen Haken. Nach Jahren stark steigender Rückversicherungspreise lässt die Preisdynamik inzwischen nach. Bei den Juli-Erneuerungen sanken die risikoadjustierten Preise um 5,5 %. MÜNCHENER RÜCK reagiert darauf allerdings diszipliniert und verzichtet auf Geschäfte, bei denen die Prämie das Risiko nicht mehr angemessen vergütet. Genau diese Kapitaldisziplin ist einer der Gründe für die außergewöhnlich hohe Profitabilität.

Vorschlag 1: Sehen Sie den Einstieg in den MÜNCHENER RÜCK-Open end-Turbo-Long-Optionsschein von der Société Générale mit der ISIN DE000SW0Y3E8 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 381,885 €, Hebel 3,60, Kurs 14,64 €) zu einem Drittel billigst vor. Zwei Zukauflimits: 13,63 und 12,67 €. Stop-Loss-Limit: 10,17 €.

ING

ING: Der direkteste Zinshebel. Noch unmittelbarer wirken hohe Zinsen bei Banken. Allerdings nur, wenn Einlagenbasis, Kreditqualität und Kosten stimmen. ING erfüllt diese Voraussetzungen derzeit erstaunlich gut. Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 16 % auf 1,95 Mrd. €, der Vorsteuergewinn sogar um 23 % auf 2,92 Mrd. €. Der kommerzielle Nettozinsertrag wächst weiter. Das ist entscheidend: Eine Bank profitiert nicht automatisch von höheren Leitzinsen. Entscheidend ist die Differenz zwischen dem Zinssatz, den sie auf Kredite und Wertpapiere erhält, und demjenigen, den sie ihren Sparern bezahlen muss. ING gelingt es bislang, diese Marge auf hohem Niveau zu halten und gleichzeitig das Geschäft auszuweiten. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital erreichte im zweiten Quartal 17 %, woraufhin der Vorstand seine Prognose anhob: Für das Gesamtjahr sollen mehr als 15 % erreicht werden, 2027 sogar mehr als 16 %. Bei einem Kurs von gut 31 € beträgt das erwartete KGV für 2026 rund 12,8, für 2027 sinkt es jedoch auf etwa 10,6. Hinzu kommt eine erwartete Dividendenrendite von gut 4 %. Für eine Bank mit zweistelliger Eigenkapitalrendite, wachsendem Zinsertrag und überschaubaren Kreditausfällen erscheint uns das preiswert. 

Vorschlag 2: Kaufen Sie den ING-Open-end-Turbo-Long-Optionsschein von Morgan Stanley mit der ISIN DE000MN7EQT1 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 22,859 €, Hebel 3,57, Kurs 8,81 €) zu einem Drittel unlimitiert. Zwei Zukauflimits: 7,92 und 7,13 €. Stop-Loss-Limit: 5,54.

CME GROUP: Die Börse verdient an der Zinsunsicherheit.

Unser dritter Kandidat profitiert nicht primär von der Höhe der Zinsen, sondern von der Unsicherheit darüber, wohin sie sich bewegen. CME GROUP betreibt den weltweit führenden Terminmarkt für Zins-, Aktienindex-, Devisen- und Rohstoffderivate. Banken, Fonds und Unternehmen sichern hier ihre Zinsrisiken ab. Je größer die Schwankungen an den Anleihemärkten und je unsicherer der künftige Kurs der Notenbanken, desto größer ist der Absicherungsbedarf.

Das aktuelle Umfeld könnte kaum besser passen. Im zweiten Quartal wurden durchschnittlich 29,8 Mio. Kontrakte pro Tag gehandelt, das zweithöchste Quartalsvolumen der Unternehmensgeschichte. Allein bei Zinsderivaten waren es täglich 14,5 Mio. Kontrakte. Im Juli stieg das gesamte Handelsvolumen nochmals um 23 % gegenüber dem Vorjahr auf den höchsten jemals gemessenen Juli-Wert. Das schlägt unmittelbar auf die Ergebnisse durch. CME erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 1,7 Mrd. $ und einen bereinigten Gewinn von 2,99 $ je Aktie. Besonders attraktiv ist das Geschäft mit Marktdaten: Diese Erlöse stiegen um 20 % auf den Rekordwert von 238 Mio. $. Ganz billig ist diese Qualität nicht. Für 2026 wird ungefähr das 24-Fache, für 2027 das 23-Fache des erwarteten Gewinns bezahlt. Dafür bekommt man Sicherheit: Für CME können selbst schlechte Nachrichten über Inflation, Staatsverschuldung oder Notenbankpolitik gute Geschäftsnachrichten sein, weil sie den Absicherungsbedarf erhöhen.

Vorschlag 3: Nehmen Sie den CME-Open end-Turbo-Call-Optionsschein von der Société Générale mit der ISIN DE000SD596N6 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 199,075 USD, Hebel 3,36, Kurs 7,24 €) zu einem Drittel zum aktuellen Kurs auf. Zwei Zukauflimits: 6,42 und 5,70 €. Stop-Loss: 4,60 €.

Weitere TIPPS der WOCHE:


Industriegase gehören zu den unspektakulärsten, aber qualitativ hochwertigsten Geschäftsmodellen an der Börse. Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Spezialgase werden in der Stahl-, Chemie-, Lebensmittel-, Gesundheits- und Halbleiterindustrie permanent benötigt.

Das Besondere sind die hohen Eintrittsbarrieren: Große Produktionsanlagen werden häufig direkt beim Kunden errichtet, die Verträge laufen über viele Jahre und ein Wechsel des Lieferanten ist teuer und kompliziert. Gleichzeitig eröffnen Halbleiterproduktion, Künstliche Intelligenz, Wasserstoff und die Dekarbonisierung der Industrie zusätzliche Wachstumsfelder. Der Weltmarkt wird von wenigen Konzernen beherrscht. Ganz vorne stehen LINDE und AIR LIQUIDE. Beide Unternehmen sind hochprofitabel und wachsen zuverlässig. 

Elliott will die Margenlücke schließen. AIR LIQUIDE ist derzeit die spannendere der beiden Aktien, weil zu einem ohnehin soliden operativen Geschäft nun eine konkrete Neubewertungsstory hinzukommt. Im ersten Halbjahr erhöhte der französische Industriegasekonzern seinen Umsatz vergleichbar um 2,6 %, im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 3,5 %. Noch wichtiger ist die Entwicklung der Profitabilität. AIR LIQUIDE erzielte Effizienzsteigerungen von knapp 300 Mio. €, die operative Marge verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 110 Basispunkte. Der wiederkehrende Nettogewinn stieg währungsbereinigt um 9,9 %. Für 2026 stellt das Management eine weitere Margenverbesserung in Aussicht. AIR LIQUIDE profitiert hier unmittelbar vom Ausbau der Halbleiter- und KI-Infrastruktur. Der Auftragsbestand für neue Projekte ist auf einen Rekordwert von 6 Mrd. € gestiegen.

Der neue Kurstreiber heißt allerdings Elliott. Der aktivistische Investor hat eine Beteiligung aufgebaut und drängt das Management offenbar zu höheren Margen und einer disziplinierteren Kapitalallokation. Der Ansatzpunkt ist offensichtlich: AIR LIQUIDE erreicht derzeit eine operative Marge von rund 21 %, während LINDE auf knapp 30 % kommt. Elliott hat oft bewiesen, die Unternehmensprofitabilität seiner Beteiligung zu dynamisieren. Billig waren die Industriegase-Unternehmen noch nie. Auf Basis der Gewinnschätzungen wird AIR LIQUIDE für 2026 mit einem KGV von rund 27 bewertet. Das PEG liegt bei etwa 2,1 und damit deutlich oberhalb unserer idealtypischen Marke von 1. Die Analysten sehen im Durchschnitt ein Kursziel von knapp 198 €, womit sich gegenüber einem Kurs von rund 174 € noch gut 13 % Kurspotenzial ergeben. Mit hohem Hebel deutlich mehr. 

Unser Fazit: AIR LIQUIDE ist kein klassischer Value-Titel, bekommt aber durch Elliott einen zusätzlichen Katalysator. Gelingt es, die Profitabilitätslücke zu LINDE zumindest teilweise zu schließen, könnten die Gewinnschätzungen für 2027 und 2028 nach oben wandern. Nach dem heutigen Kurssprung würden wir dennoch nicht der Aktie hinterherlaufen, sondern eine erste Position aufbauen und Rücksetzer zum Aufstocken nutzen.

Vorschlag 4: Nehmen Sie den AIR LIQUIDE-Open end-Turbo-Call-Optionsschein von der Société Générale mit der ISIN DE000SQ7FMA8 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 130,342 €, Hebel 4,18, Kurs 4,09 €) zu einem Drittel zum aktuellen Kurs auf. Zwei Zukauflimits: 3,65 und 3,33 €. Stop-Loss-Limit: 2,52 €.

LINDE

LINDE: Der Maßstab der Branche und zeigt, wie profitabel das Industriegasegeschäft betrieben werden kann.

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 9 % auf 9,3 Mrd. $, organisch waren es 4 %. Besonders überzeugend ist einmal mehr die Ergebnisentwicklung: Der bereinigte operative Gewinn erhöhte sich um 7 % auf 2,74 Mrd. $, die bereinigte operative Marge erreichte stolze 29,5 %. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 10 % auf 4,50 $ zu. Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun einen Gewinn je Aktie zwischen 17,70 und 17,90 $, entsprechend einem Zuwachs von 8 bis 9 %. Der Projektbestand liegt mit 11 Mrd. $ ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau.

LINDE besitzt dabei dieselben strukturellen Wachstumstreiber wie AIR LIQUIDE, setzt sie bislang aber profitabler um. Besonders interessant bleibt die Halbleiterindustrie. Ende Juli kündigte LINDE allein für den Ausbau einer großen US-Halbleiterfabrik Investitionen von 1 Mrd. $ an. Gleichzeitig generiert der Konzern enorme Cashflows und gibt einen erheblichen Teil davon über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre zurück. Allein im zweiten Quartal flossen netto knapp 1,6 Mrd. $ über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner. Diese außergewöhnliche Qualität ist allerdings im Kurs sichtbar. Für 2026 wird LINDE mit einem erwarteten KGV von rund 30 gehandelt, das PEG liegt bei etwa 2,3. Damit ist die Aktie sogar etwas höher bewertet als AIR LIQUIDE. Der Analystenkonsens bleibt dennoch positiv: 27 Analysten kommen im Durchschnitt auf ein Kursziel von rund 547 $, gegenüber zuletzt knapp 470 $ entspricht dies einem Potenzial von etwa 16 %. Gehebelt entsprechend mehr. 

Beim Insiderbild gibt es ein kleines positives Signal. Verwaltungsrätin Paula Reynolds kaufte am 18. August 100 LINDE-Aktien zu 479,12 $ aus eigenen Mitteln. Mit knapp 48.000 $ ist die Transaktion allerdings zu klein, um daraus ein starkes Kaufsignal abzuleiten. 

Vorschlag 5: Kaufen Sie den LINDE-Open-end-Turbo-Long-Optionsschein von der Société Générale mit der ISIN DE000SQ9UMQ9 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 368,457 USD, Hebel 4,23, Kurs 1,00 €) zu einem Drittel unlimitiert. Zwei Zukauflimits: 0,92 und 0,83 €. Stop-Loss-Limit: 0,64.

ABRECHNUNGEN von letzter AUSGABE:

Abrechnungen

Die Abrechnungen unserer letztwöchigen Empfehlungen inklusive der teils geänderten Limits (rot gekennzeichnet) entnehmen Sie bitte der Dispositionsliste.

DISPOLISTE und AUSGESTOPPTE WERTE:

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? (Vincent van Gogh)

IMPRESSUM

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