Sie lesen die Ausgabe: Bernecker daily vom 10.09.2026

Nr. 253/26 Bernecker daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Drei!

Guten Morgen, meine Damen und Herren,

drei Aspekte bringen Druck auf die Märkte: Erstens: Ölpreis bei über 100 $. Zweitens: Der Yen beschleunigt seine Aufwertung nach Äußerungen Bessents. Das bringt den Carry-Trade unter Druck mit dem Cross-Read zum Sommer 2024. Drittens: Das US-Finanzministerium kauft zunächst langlaufende Staatsanleihen für 6 Mrd. $ zurück - erwartet worden waren bis zu 10 Mrd. $. Die Rendite zehnjähriger Treasuries stieg daraufhin auf knapp 4,86 % und damit den höchsten Stand seit Ende 2023. Es bleibt bei rd. 40 % Barquote. Heute steht potenziell eine Gegenreaktion an. Termin-Börse daily geht im DAX long. Von den Unternehmen: 


DEUTSCHE BÖRSE

Die DEUTSCHE BÖRSE begibt eine Wandelanleihe über 600 Mio. € mit Laufzeit bis September 2031. Der Kupon beträgt 0,50 %, der Wandlungspreis soll 30 bis 35 % über dem Referenzkurs liegen. Das Bezugsrecht der Altaktionäre ist ausgeschlossen. Für Aktionäre entsteht zunächst keine Verwässerung. Bei vollständiger Wandlung ausschließlich in neue Aktien läge sie auf Basis des aktuellen Kursniveaus grob unter 1 %. Die tatsächliche Verwässerung kann geringer ausfallen, wenn bestehende Aktien zur Bedienung der Wandlung eingesetzt werden oder keine Wandlung erfolgt. Kurzfristig können Verwässerungssorgen und Absicherungsgeschäfte der Anleihekäufer Verkaufsdruck erzeugen. Positiv ist die günstige Finanzierung. Fazit: Kurzfristig kursbelastend, fundamental aber mit überschaubaren Auswirkungen. Für langfristige Aktionäre kein Grund zum Ausstieg. (OK)

VW

VW erwägt strategische Partnerschaft in Indien. Für die internationalen Autohersteller wird Indien der nächste große Wachstumsmarkt. Auch angesichts der Tatsache, dass die Umsätze und Gewinne auf dem chinesischen Markt stark rückläufig sind, ist hier auch für VW eine optimale Positionierung auf dem indischen Markt strategisch wichtig. Die Niedersachsen haben deshalb gestern mit dem indischen Mischkonzern JSW Group eine unverbindliche Vereinbarung für eine Kooperation abgeschlossen. Laut der Vereinbarung werde eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung, Herstellung und dem Verkauf von Personenkraftwagen geprüft. Die indische VW-Tochter Skoda Auto Volkswagen India würde ihre Ingenieurs- und Produktkompetenz einbringen, während JSW unter anderem Fertigungskapazitäten und Umsetzungserfahrung beisteuern soll. Die JSW Group baut ihre Automobilsparte aus. Mit SAIC MOTOR aus China besteht seit 2019 ein Joint Venture für Autos der Marke MG in Indien. Eine weitere Partnerschaft besteht mit CHERY AUTOMOBILE, um 2027 eine eigenständige Elektro-Pkw-Marke einzuführen. Fazit: Die Partnerschaft mit JWS macht operativ Sinn. VW könnte so mittelfristig teilweise die Marktanteilsverluste in China ausgleichen. Die VW-Aktie bleibt vorerst eine Halteposition. (GS)


AUTO1

AUTO1 war gestern der größte Verlierer im MDAX. Auslöser war der überraschende Rücktritt von Finanzchef Christian Wallentin nach nur rund acht Monaten im Amt. Er scheidet aus familiären Gründen aus und bleibt dem Unternehmen als Berater erhalten. Vorstandschef Bertermann übernimmt das Finanzressort vorübergehend. Operativ dürfte der Wechsel kurzfristig kaum Auswirkungen haben. Der Zeitpunkt ist allerdings sensibel, da AUTO1 derzeit den Ausbau seiner Finanzprodukte vorantreibt. Verzögerungen bei der Umsetzung sind daher nicht völlig auszuschließen. Nach wie vor wirkt zudem die Unsicherheit über das saisonal schwierigere vierte Quartal. Die jüngsten Geschäftszahlen selbst waren dagegen stark: Umsatz, Absatz und bereinigtes EBITDA legten deutlich zu. Die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich. Fazit: Der CFO-Abgang sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Fundamental bleibt die Wachstumsstory aber weitgehend intakt. Haltenswert. (OK)


BEFESA

Bei BEFESA wirkt der neue Konjunkturoptimismus. Der Weltmarktführer beim Recycling von Rückständen aus der Stahl- und Aluminiumindustrie zieht mit starken Sentix-Daten nach oben. Die in AB 27/2026 zuletzt skizzierten Wachstumstreiber spiegeln sich im Kurs wider. Höhere US-Volumen, steigende Zinkpreise sowie niedrigere Koks- und Stromkosten helfen bei der Margenverbesserung im Stahlstaubgeschäft (EBITDA-Marge steigt von 25 auf 27 %). Die Aktie ist frisch über die Marke von 37,40 € ausgebrochen und hat damit ein Kaufsignal in den Markt gelegt. Wir bleiben bei unserem Empfehlungswert bei 45 € Kursziel, werden dank guter Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf aber nach Q3 2026 vermutlich neu rechnen müssen. (MH)

BP

SHELL an Nordsee-Geschäft von BP interessiert. Im Juli hatte BP angekündigt, sein Nordsee-Geschäft, das fünf Produktions-Hubs umfasst, verkaufen zu wollen. Der Verkauf ergibt sich aus einer Portfolioüberprüfung im Rahmen der BP-Strategie zur Kapitalallokation. Neben TOTALENERGIES, REPSOL und Neo Next zählt laut Bloomberg inzwischen auch Adura, ein Joint Venture von SHELL und EQUINOR, zu den Kaufinteressenten. Wie Bloomberg weiter unter Berufung auf Insider berichtet, sind weitere mögliche Bieter ENQUEST, HARBOUR ENERGY, ITHACA ENERGY, SERICA ENERGY und VÅR ENERGI. Es laufen zwar Gespräche, es sei allerdings nicht sicher, ob einer der potenziellen Käufer tatsächlich ein Angebot abgebe. Die BP-Aktie punktet derzeit vor allem mit einer Dividendenrendite von 4,6 %. Gelingt der Sprung über den Widerstand bei 562 Pence, erhöht sich kurzfristig das charttechnische Aufwärtspotenzial. Für einen Einstieg bei BP reicht das aber nicht aus. (GS)


META

META stützte gestern den Nasdaq und gewinnt rund 6 %. Auslöser ist der Start von Muse. Der KI-Agent versendet selbstständig E-Mails, bucht Reisen, füllt Formulare aus oder erledigt Einkäufe. Die Nachfrage nach Muse soll hoch sein. Laut KI-Chef Wang liegt die Nutzung über den internen Erwartungen. Im US-App-Store zählt Muse bereits zu den meistgesuchten kostenlosen Apps. Hinzu kommen kostenpflichtige Tarife für 20 und 100 $ pro Monat. Damit sitzt META erstmals direkt auf einem monetarisierbaren KI-Produkt für Endkunden. Wir warten auf belastbare Nutzerzahlen und erste Angaben zu zahlenden Abonnenten. Bitte nicht hinterherspringen. (VS)


LITHIUM AMERICAS

LITHIUM AMERICAS mit Verdopplungspotenzial? JPMORGAN nimmt die Bewertung mit „Overweight“ wieder auf - zuvor lautete das Votum „Neutral“ - und setzt das Kursziel auf 6 $. Das entspricht rund 100 % Potenzial gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Rückenwind liefert der verbesserte langfristige Lithium-Ausblick: Lithiumcarbonat hält sich seit Mitte Februar stabil über 20 $ je Kilogramm und notiert aktuell bei knapp 22,30 $. Gleichzeitig erhöhen die jüngsten Projektfortschritte das Vertrauen in die Umsetzung von Thacker Pass in Nevada. Gelingt der Aufbau der Mine und Verarbeitung planmäßig, bietet die Aktie laut den Analysten einen erheblichen Hebel auf eine Erholung des Lithiummarktes. Für das Geschäftsjahr 2026 plant man allerdings mit Investitionen von 1,3 bis 1,6 Mrd. $. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 anvisiert. GM und die US-Regierung unterstützen den Lithium-Player. Strategisch interessant, aber zu teuer. (MH)


Absturz des Tages: NOVARTIS

Die beiden Studienflops bei Pelacarsen und Del-Desiran treffen NOVARTIS in der längerfristigen Wachstumsplanung. Analysten hatten Pelacarsen in der Spitze bis zu 5,4 Mrd. $ und Del-Desiran rund 3 Mrd. $ Jahresumsatz zugetraut. Zusammen fällt damit ein potenzielles Umsatzvolumen von gut 8 Mrd. $ weg. Für 2027 ist der Ergebniseffekt noch gering, weil beide Medikamente erst am Beginn der Vermarktung gestanden hätten. Bis 2029 könnten nach unserer Schätzung aber bereits rund 3 bis 4 Mrd. $ Jahresumsatz fehlen. Das entspricht etwa 4 bis 6 % des derzeit erwarteten Konzernumsatzes. Gleichwohl bestätigt das Management seine Prognose von 5 bis 6 % jährlichem Umsatzwachstum bis 2030. Die verbleibende Pipeline ist mit Remibrutinib, Ianalumab, Pluvicto sowie den beiden übrigen Avidity-Programmen weiterhin stark. Nach rund 13 % Kursverlust erscheint ein erheblicher Teil dieses Risikos inzwischen eingepreist.

Fazit: Um 110 CHF stehen wir auf der Kaufseite (VS).

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.

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