Ein Gewinnplus von 47 % für den S&P im siebten Quartal hintereinander ist der stärkste Gewinntrend der Geschichte.
Bereinigt um die Tech-Daten sind es rd. 30 %. Daraus schließen die Experten ein Gewinnwachstum von 23 % im laufenden Quartal und 27 % im nächsten. Mehr ist undenkbar. Die Kursziele für den S&P liegen bei aktuell 8.100/8.300 der großen Investmentbanken.
An den Anleihemärkten dominieren ähnliche Größenordnungen. Mehr als 1,5 Bio. $ neue Anleihen wurden in den ersten acht Monaten platziert. Ende des Jahres sollen es 2,1 Bio. $ sein. Als Jumbo-Emissionen gelten Anleiheplatzierungen mit einem Volumen von mindestens 10 Mrd. $. In den ersten acht Monaten 2026 wurden bereits 20 solcher Transaktionen gezählt, nach 12 im gesamten Vorjahr und lediglich 15 in den Jahren 2022 bis 2024 zusammen. 60 % davon entfallen auf die Tech-Branche. Gleichzeitig erhöhte sich die Laufzeit von 10,7 auf inzwischen 16,5 Jahre. Das ist das Durationsrisiko.
Die deutsche Berichtssaison läuft ähnlich. Wir hatten darüber berichtet. Wer vor sechs Wochen noch rot sah, sieht inzwischen grün. Die Zinsen für Emissionen erster und zweiter Ordnung (Bonität) legten im EU-Schnitt gemessen an 10 Jahren Laufzeit um etwa 0,5 % zu. 5 % für Staatsanleihen sind eine sichere Wette und 5,5 % gelten per Jahresende als erreichbar.
Ein Blick zurück ist aufschlussreich. 1987 lagen alle Indizes auf Topniveau und eine einzige große Emission über damals 25 Mrd. $ (Nabisco) kippte den Dow in 20 Minuten um 20,5 % und für den damaligen Bondmarkt entstanden die heute noch gelegentlich genannten Junk-Bonds. Das war der erste Crash der Neuzeit. Die Voraussetzungen dafür waren mit den zitierten Ergebnissen fast identisch. In einer solchen Situation rangiert Vorsicht vor Zuversicht.
Eine technische Korrektur ist unvermeidlich, aber sie wäre die Bestätigung dafür, dass die Grunddaten erhalten bleiben oder richtig sind, aber lediglich Überspekulationen zu bereinigen sind. Auf diesen feinen Unterschied kommt es an. Weitere Überraschungen gehörten dazu: Die riesengroße Weltenergiekrise war das Gespenst im Irankonflikt. Preisvorstellungen von 200 $ je Barrel machten die Runde. China macht soeben vor, wie eine große Nation und eine gekonnte Wirtschaftspolitik den Markt völlig aushebeln. Die FAZ berichtete am Montag dieser Woche ausführlich darüber.
Die konjunkturpolitischen Folgen beider Kriege (Ukraine und Iran) sind nicht entscheidend. Deutlich zu relativieren, wird für die nächsten Wochen die grundsätzliche Leitlinie. Der Dollar bleibt die 2. Leitlinie: Er neigt in Euro gerechnet zur Schwäche, aber ohne entscheidende Trendänderungen. Wie die großen Investoren sich darauf einstellen (laut Umfrage BANK OF AMERICA), ist gleichfalls bezeichnend.