Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse Institutionell vom 20.08.2026

Nr. 34/26 Die Actien-Börse Institutionell

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Sehr geehrte Damen und Herren,


Fomo ist das Schlagwort dieser Woche.

Es steht für den bekannten Begriff "Fear of Missing out" oder die Angst der Anleger, nicht dabei zu sein. Die größten Investmentfonds fahren zurzeit laut August-Umfrage der BANK OF AMERICA mit der tiefsten Barquote aller Zeiten (ab 1998) von 3,5 % und der höchsten Übergewichtung von Aktien in den verschiedenen Allokationen. Mehr Optimismus geht nicht. Die Wall Street bestimmt damit die Grundmeinung aller Westmärkte bezogen auf die wirtschaftlichen Erwartungen. Die wichtigsten Zahlen dazu: 


Ein Gewinnplus von 47 % für den S&P im siebten Quartal hintereinander ist der stärkste Gewinntrend der Geschichte.

Bereinigt um die Tech-Daten sind es rd. 30 %. Daraus schließen die Experten ein Gewinnwachstum von 23 % im laufenden Quartal und 27 % im nächsten. Mehr ist undenkbar. Die Kursziele für den S&P liegen bei aktuell 8.100/8.300 der großen Investmentbanken. 

An den Anleihemärkten dominieren ähnliche Größenordnungen. Mehr als 1,5 Bio. $ neue Anleihen wurden in den ersten acht Monaten platziert. Ende des Jahres sollen es 2,1 Bio. $ sein. Als Jumbo-Emissionen gelten Anleiheplatzierungen mit einem Volumen von mindestens 10 Mrd. $. In den ersten acht Monaten 2026 wurden bereits 20 solcher Transaktionen gezählt, nach 12 im gesamten Vorjahr und lediglich 15 in den Jahren 2022 bis 2024 zusammen. 60 % davon entfallen auf die Tech-Branche. Gleichzeitig erhöhte sich die Laufzeit von 10,7 auf inzwischen 16,5 Jahre. Das ist das Durationsrisiko.

Die deutsche Berichtssaison läuft ähnlich. Wir hatten darüber berichtet. Wer vor sechs Wochen noch rot sah, sieht inzwischen grün. Die Zinsen für Emissionen erster und zweiter Ordnung (Bonität) legten im EU-Schnitt gemessen an 10 Jahren Laufzeit um etwa 0,5 % zu. 5 % für Staatsanleihen sind eine sichere Wette und 5,5 % gelten per Jahresende als erreichbar. 

Ein Blick zurück ist aufschlussreich. 1987 lagen alle Indizes auf Topniveau und eine einzige große Emission über damals 25 Mrd. $ (Nabisco) kippte den Dow in 20 Minuten um 20,5 % und für den damaligen Bondmarkt entstanden die heute noch gelegentlich genannten Junk-Bonds. Das war der erste Crash der Neuzeit. Die Voraussetzungen dafür waren mit den zitierten Ergebnissen fast identisch. In einer solchen Situation rangiert Vorsicht vor Zuversicht. 

Eine technische Korrektur ist unvermeidlich, aber sie wäre die Bestätigung dafür, dass die Grunddaten erhalten bleiben oder richtig sind, aber lediglich Überspekulationen zu bereinigen sind. Auf diesen feinen Unterschied kommt es an. Weitere Überraschungen gehörten dazu: Die riesengroße Weltenergiekrise war das Gespenst im Irankonflikt. Preisvorstellungen von 200 $ je Barrel machten die Runde. China macht soeben vor, wie eine große Nation und eine gekonnte Wirtschaftspolitik den Markt völlig aushebeln. Die FAZ berichtete am Montag dieser Woche ausführlich darüber. 

Die konjunkturpolitischen Folgen beider Kriege (Ukraine und Iran) sind nicht entscheidend. Deutlich zu relativieren, wird für die nächsten Wochen die grundsätzliche Leitlinie. Der Dollar bleibt die 2. Leitlinie: Er neigt in Euro gerechnet zur Schwäche, aber ohne entscheidende Trendänderungen. Wie die großen Investoren sich darauf einstellen (laut Umfrage BANK OF AMERICA), ist gleichfalls bezeichnend. 

LEITLINIE:


Der deutsche Außenhandel steht vor einer neuen Richtlinie.

Die Angst um die deutschen Exporte mit den bisherigen Schwerpunkten USA und China ist unbegründet. 

Osteuropa wird für Deutschland der wichtigste Partner der Zukunft. Das wird regelmäßig unterschätzt. Die aktuellen Ergebnisse sind bezeichnend:

Osteuropa ist räumlich näher und der Austausch von Arbeitskräften ist entsprechend beweglich. Die addierte Bevölkerung dieser Staaten stellt sich auf etwa 130 Mio. (je nach Zurechnung) und der besondere Vorteil liegt darin, dass die Mehrheit der Importe aus diesen Ländern Vorleistungsgüter für die deutsche Industrie ist. Das spricht für eine dauerhafte Stabilität dieses Handels. 

Der Ausbau des deutschen Exports in Richtung Indien wird der zweite Strang der Handelsbeziehungen in den nächsten Jahren. China und USA bleiben wichtig, aber nicht mehr entscheidend. Auch der Austausch von Fachkräften gehört dazu. 

Ergebnis: Gleichgültig, wer in Berlin regiert, entscheidend ist, was deutsche Unternehmer daraus machen und worauf sie ihre Investitionen abstellen. Die Ausgangslage dafür ist hervorragend. 


Damit hat so gut wie kein Analyst gerechnet, wir ebenfalls nicht, aber die Hochrechnung der DAX-Gewinne gemäß Umfrage Refinitiv erweist sich als richtig.

Die Umfragen gemäß Bloomberg lagen regelmäßig niedriger. 

Ein gemitteltes KGV für die Vorausrechnung per 2027 von etwa 13,5 ist der aktuelle Prognosestand zum ebenfalls aktuellen DAX-Niveau von rd. 26.500. Es steht damit nicht vor einem neuen großen Schub, aber einer brauchbaren, robusten Tendenz in kleinen Schritten. Die auf Seite 1 skizzierten technischen Risiken der Märkte können in einem solchen Fall ein vorübergehendes KGV von 11,5 bis 12 bewirken und wären der ideale Kauf für eine Sicht ins nächste Jahr.

Die 10 erfolgreichsten Unternehmen im DAX sind durchweg solche, die eine neue Strategie verfolgen, um aus der aktuellen Meinungsklemme herauszukommen.

Der neueste ZEW-Indikator liefert die Ergänzung der Finanzanalysten. Die allseits überraschend zugenommenen Baugenehmigungen (Juni) unterstreichen alle anderen Konjunkturansätze, wie erläutert.  


Der DAX steht an einem interessanten Ausgangspunkt.

Die wirtschaftlichen Daten verbessern sich, siehe oben. Das markttechnische Bild ist heiß gelaufen. Die wichtigsten Gründe dafür kommen nicht aus den Aktien-, sondern aus den Schuldenmärkten, also Bonds, Privatkrediten und den schuldenfinanzierten Hebelprodukten, die alle zusammen und jeweils absolute Rekorde erreicht haben. 

Die drei New Yorker Indizes ergeben das gleiche Bild, aber etwas weniger dramatisch. Das Gesamtbild der Situation hatten wir im Bernecker-tv am Mittwoch, dem 19.08., ausführlich erläutert. Eine hohe Barreserve bleibt gültig. 

SCHWERPUNKTE: BAYER, BASF


Die Favoriten des zweiten Halbjahres im DAX sind das Gegenteil der Favoriten des ersten Halbjahres.

Darin drückt sich erkennbar aus, wie die schon von den Verwaltungen avisierten Ziele börsenseitig umgesetzt werden. 

BAYER ist erstmals wieder mehr wert als BASF. Es stehen 48 Mrd. gegen 46 Mrd. € Marktwert im Raum. Die Umsätze liegen für beide in der Größenordnung von 46 Mrd. bzw. 60 Mrd. €. Das hochgerechnete KGV für 2027 stellt sich auf 15,8 gegen 19,5. Beide werden in fünf Jahren völlig anders aussehen. BAYER muss das bekannte Problem Monsanto bewältigen, wie hinreichend bekannt ist. BASF wechselt gut 30 bis 35 % ihrer Produkte und ihrer Kapazitäten aus. So weit reichen die bisherigen Ziele beider Chefs, die seit relativ kurzer Zeit im Amt sind. Worauf lässt sich besser wetten?

In BAYER steckt der größere Hebel aus dem Umbau der Monsanto-Story.

In BASF steckt der kleinere Hebel mit langfristig größerer Kontinuität. Das Gewicht beider Titel im DAX liegt bei jeweils 2,6 bzw. 2,7 %. 

SCHWERPUNKTE: SAP, SIEMENS, INFINEON


SAP fehlen nur wenige Milliarden für den Gleichstand mit SIEMENS im Marktwert des DAX.

Das entscheidet sich in den nächsten Wochen. 

Wer schafft als Erster einen Börsenwert von knapp 300 Mrd. €, gegen aktuell 212 Mrd. bzw. 211 Mrd. €? SAP bleibt die perfekte Comebackstory gegenüber dem einstigen historischen Spitzenwert im Vergleich zu SIEMENS mit aktuell doppelt so hohem Umsatz, aber dem Anspruch, das bedeutendste Tech-Unternehmen zu werden. Marktgewicht beider Aktien im DAX rd. 10 bzw. 11,4 %. Das KGV für beide liegt bei rd. 22. Mithin: Welche Ambition der jeweiligen Führung führt zu einer neuen Größenordnung des deutschen Tech-Sektors insgesamt? 

INFINEON

INFINEON ist in diesem Zusammenhang zwar deutlich kleiner, aber in den Ambitionen ähnlich angelegt. Zusammen prägen alle drei die DAX-Tendenz der nächsten Monate mit einem Gewicht von rd. 26 %. 

SCHWERPUNKTE: DAIMLER TRUCK

Eine Frau macht vor, wie man im Lkw-Geschäft einen Weltmeister auf die Spur bringt:

DAIMLER TRUCK überschritt soeben seine technische Grenze bei 45 €, die wir als Ansatz für eine weitergehende Tendenz schon beschrieben hatten. 

Karin Rådström baut ein neues hochautomatisches Werk in den USA und plant die Verdoppelung der Produktion und des Gewinns in der Marge gerechnet. Im ersten Halbjahr verdoppelten sich bereits die Aufträge und für den Gesamtkonzern ergibt sich ein Zuwachsziel von 11 %. Dafür fallen in Deutschland rd. 5.000 Stellen weg. So macht man das. 

50 Mrd. € Umsatz sind das Ziel des laufenden Jahres für die Nr. eins im Lkw-Geschäft weltweit. Marktwert dafür bis jetzt nur 35 Mrd. € mit einem KGV per 2027 von 10,6 belegt. Wir halten am Kursziel von vorerst 59 € fest. Die zweite deutsche Lkw-Adresse, TRATON, steht vor der gleichen Herausforderung, dazu in Kürze mehr. 

Im FOKUS: SCOUT24


Fliegt bei SCOUT24 oberhalb von 80 € das Blech weg?

SCOUT24, als Verlierer der letzten 12 Monate, ist im Kern ein digitaler Immobilienmarktplatz mit zunehmend softwareähnlichem Geschäftsmodell. Über ImmoScout24 werden Wohnungssuchende, Käufer, Eigentümer und professionelle Anbieter zusammengebracht. Im Juni kam die Plattform auf 37,5 Mio. Website-Besuche. Dazu kommen rund 19 Mio. monatliche Nutzer. Echte Alternativen gibt es nicht.

Es gilt 10 % organisches Wachstum. Gleichzeitig kostet die Aktie für 2027 nur noch rund 11-mal EV/EBITDA. Historisch waren es etwa 18-mal. Der Bewertungsabschlag beträgt auf Multiple-Basis damit fast 40 %. Dafür müsste das Geschäftsmodell deutlich an Qualität verloren haben. Q2 liefert dafür keine Belege. Das Maklergeschäft funktioniert weiterhin sehr gut. Der Professional-Umsatz legte um rund 24 % auf 144 Mio. € zu. In Deutschland kamen im Quartal netto 285 Maklerkunden hinzu, auf rd. 24.700. Gleichzeitig stieg der ARPU (durchschnittlicher Umsatz pro Kunde) um etwa 10 %. SCOUT24 gewinnt somit Kunden und erhöht parallel den Erlös je Kunde. Darüber hinaus stellen wir fest: Die niedrigere Konzernmarge ist erklärbar. 60,1 nach 63,3 % im Vorjahr sehen zunächst schwächer aus. Ursache ist vor allem die margenverwässernde Spanien-Übernahme. Für das organische Geschäft peilt SCOUT24 weiterhin rund 64 % bereinigte EBITDA-Marge an. KGV 16 für 2027 bietet weiterhin einen moderaten Bewertungsansatz. KI-Disruption bleibt ein Thema, ist aber weiterhin nicht sichtbar. Auf die Markttechnik kommt es nun an. Ziel-Richtung bleiben 100 €. SCOUT24 ist strukturell fast ein Musterfall für Private Equity. Zwei Problemfälle benötigen ein Update: 

Im FOKUS: SCHAEFFLER


Problemfall 1: Bei SCHAEFFLER das Zahlenwerk abzuwarten, war richtig (s. AB 29/26).

Die Erdung läuft. 38 % vom Juni-Hoch sind weg. Der kurzfristige Gegenwind bleibt: schwache Autokonjunktur, verhaltene E-Mobilität und weiterhin Verluste in diesem Bereich. Das Management hat seine mittelfristigen Ziele nun realistischer gefasst. Der Ergebnishebel Richtung 2028 bleibt zugleich sichtbar mit geschätzt rd. 0,90 € Gewinn je Aktie. Interessanter wird die zweite Story. Das Management baut mit Humanoid, Hexagon und NEURA Robotics eine Position bei humanoiden Robotern auf. Mit XPENG wird es bereits konkret. Für dessen Roboter IRON ist ein Auftrag bestätigt, der Produktionsstart soll noch bis Jahresende erfolgen. Kurzum: Die klassische Auto- und E-Mobility-Baustelle ist damit noch nicht erledigt. Der Gewinnpfad wird jedoch glaubwürdiger und Robotik liefert eine bislang kaum bewertete Option. Kurse unter 7 € wären für neue Käufe zu nutzen. 

Im FOKUS: BILFINGER


Fall 2 ist BILFINGER mit durchwachsener Bilanz in Q2, aber guter Perspektive.

Energie macht inzwischen 28 % des Konzernumsatzes aus und läuft laut CEO Schulz „sehr gut“. Öl und Gas stehen für weitere 19 %. Fast die Hälfte des Umsatzes hängt damit an diesen beiden Endmärkten. Bei Öl und Gas hob der CEO ausdrücklich LNG und die Investitionen im Mittleren Osten als Treiber für die kommenden Jahre hervor. Die Chemie­schwäche wird somit teilweise durch mehr Ener­gie­geschäft kompensiert. Ende Q2 waren 90 % des für 2026 erwarteten Umsatzes realisiert bzw. durch den Auf­­­trags­bestand abgedeckt. Die avisierten 250 bis 300 Mio. € Free Cashflow für 26 bleiben somit glaubhaft und stehen gegen 2,8 Mrd. € Börsenwert. Zukaufbasis rd. 72 €. 

NEBENWERTE: SDAX


Die deutsche Nebenwerteszene unterhalb des MDAX schlägt sich wacker.

Für den SDAX lautet das KGV auf Basis aktueller Bloomberg-Gewinntaxen für 2027 rd. 12,8. Zuletzt blieb die zweite Reihe allerdings klar hinter dem DAX zurück. Seit Mitte Juli stehen beim SDAX gut 2 % Plus zu Buche, beim DAX knapp 7 %. Nach dem Auslaufen der Berichtssaison fokussiert sich der Blick daher wieder stärker auf kleinere Titel. In Aufwärtsphasen fließt Kapital häufig zunächst in die liquiden Standardwerte, ehe bei zunehmender Risikobereitschaft auch Nebenwerte stärker gefragt sind. Die operative Ausgangslage dafür ist solide - auch in der Substanz (ca. 1,3-facher Buchwert im SDAX zu 1,89 im DAX auf Basis der Taxen für 2027). Was lässt sich daraus machen?

NEBENWERTE: INIT


10 € Rücksetzer bei INIT seit Mai liefern eine neue Basis.

INIT wächst in eine neue Größenordnung hinein. Q2 brachte 103 Mio. € Umsatz, plus 44 % und klar über der Erwartung von 94 Mio. €. Das EBIT stieg um 28 % auf 5,8 Mio. €, blieb jedoch unter den erwarteten 6,4 Mio. €. Der schwächere Rohertrag hängt vor allem am Projektmix und hohen Durchlaufposten beim Atlanta-Projekt. Der Auftragseingang liefert das stärkere Signal: + 147 % auf 186 Mio. €, davon rund 60 % aus dem Großauftrag in New South Wales (Sydney). Nach zwölf Monaten stehen bereits 389 Mio. € Umsatz und 38 Mio. € EBIT zu Buche. Die Jahresziele von 380 bis 410 Mio. € bzw. 38 bis 42 Mio. € erscheinen damit konservativ. Somit ergibt sich folgendes Bild: 

Die größere Börsenstory heißt Telematik. INIT deckt Planung, Disposition, Flottensteuerung und Ticketing in einem integrierten System ab und zählt sich hier zum Weltmarktführer. Cloud-Ticketing, Account-based Ticketing sowie KI-gestützte Verkehrssteuerung verbreitern das Geschäft zunehmend in Richtung Software und laufender Services. Sydney zeigt die Dimension: Installation plus zehn Jahre Betrieb. Für 2028 wird bereits mit 4 € Gewinn je Aktie gerechnet. Kurse über 60 € sind eine Zeitfrage. Wir bleiben auf der Käuferseite.

NEBENWERTE: MLP


MLP - zweistellige Kurse im neuen Zyklus?

Nach 6 Monaten stehen 583,4 Mio. € Gesamterlöse, plus 10 %, und 60,4 Mio. € EBIT, plus 41 %, zu Buche. Die Marge kletterte von 8,1 auf 10,4 %. Interessanter ist die Prognoserechnung. Für das 2. Halbjahr sind keine weiteren Performance Fees eingeplant. Bei stabilen Kapitalmärkten stellt CFO Loose nach Q3 eine mögliche Anhebung der bisherigen EBIT-Spanne von 100 bis 110 Mio. € in Aussicht. Pareto kalkuliert bereits mit 113,7 Mio. €, was wenig ambitioniert ist.

Ab 2027 kommt ein zusätzlicher Hebel: Das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot öffnet Fonds und ETFs für die private Altersvorsorge und erweitert die Förderung unter anderem auf Selbstständige und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Das passt zur MLP-Kundschaft und wird neue Beratung, zusätzliche Sparvolumina und steigende Assets under Management bringen. MLP bewirbt das neue Depot bereits aktiv. Bei 68,8 Mrd. € betreutem Vermögen ist dieser Effekt noch in keiner Prognose sichtbar. Berenberg hebt das Ziel auf 13 € an. Das KGV von 10,5 für 2027 lässt somit deutliche Bewertungsreserven. Knapp 5 % Dividendenrendite kommen dazu. Wir liegen wieder auf der Kaufseite mit erster Zielrichtung 11 €. (VS)

EUROPA: NXP SEMICONDUCTORS


Ausgedehnte Korrekturen bieten neue Grundlagen - so auch bei NXP SEMICONDUCTORS.

Bei NXP ist die Börse nach Q2 über eine nur planmäßige Erholung im Autogeschäft gestolpert. Das eröffnet eine neue Kaufchance. NXP ist unter den europäischen Autochip-Herstellern der klarste Kandidat für weitere Gewinnanhebungen 2027. Warum? 

Die direkten Kunden halten erst Chips für 3 bis 6 Wochen vor, normal wären 10 bis 12 Wochen. Schon eine Auffüllung auf acht Wochen könnte rund 315 Mio. $ zusätzliche Orders für den niederländischen Chip-Spezialisten bringen. Dazu kommt eine zweite Story: Physical AI. Gemeint ist KI, die direkt in Autos, Robotern oder Industriemaschinen arbeitet und dort Sensordaten verarbeitet und Entscheidungen trifft. NXP meldet für seine Kinara-NPUs bereits einen Design-Engagement-Funnel von über 1,5 Mrd. $, nach 1 Mrd. $ im Vorquartal. Das ist noch kein Umsatz, zeigt aber die Größenordnung möglicher Geschäfte ab 2028. Parallel wachsen die strategischen Bereiche bereits deutlich schneller als der Konzern.

Die Bewertung passt zur Wette: Es gilt KGV 15 für 2026, 12,8 für 2027 und nur 11 für 2028. Steigende Auto-Volumina, bessere Preise und Physical AI liefern drei absehbar positive Gewinnhebel. Wir nehmen NXP nach dem Rücksetzer auf die Kaufliste mit ersten Zielen um 300 $. 

EUROPA: PERSIMMON


PERSIMMON wird zur Comeback-Wette auf den britischen Wohnungsmarkt.

Trotz hoher Finanzierungskosten stiegen die Fertigstellungen im 1. Halbjahr um 13 % auf 5.189 Einheiten und der Umsatz um 15 % auf 1,73 Mrd. GBP. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern nun 12.500 Fertigstellungen und damit das obere Ende der bisherigen Prognose an. Wichtig dabei: Bei Erstkäufern legte PERSIMMON um 14 % zu, der Gesamtmarkt lediglich um 1 %. Die Konzentration auf günstigere Häuser zahlt sich aus.

Auch für die Marge gibt es Ansatzpunkte. Die in den aktuellen Verkäufen eingebettete Bruttomarge liegt bei rund 27 %, trotz kurzfristiger Baukosteninflation. Ein Großteil der Häuser für 2026 und 2027 entsteht zudem auf Grundstücken, die vor 2024 erworben wurden. Gleichzeitig hat PERSIMMON die Zahl seiner Verkaufsstandorte seit Ende 2023 um 6 % erhöht, der Sektor kam auf minus 6 %. Mittelfristig sollen rund 300 Standorte erreicht werden. Die Vision: 

Erreicht der Konzern bis 2029 wieder 20 % operative Marge und 20 % ROCE (Rendite auf das eingesetzte Kapital), gilt ein Gewinnpotenzial von bis zu 95 %. Das aktuelle durchschnittliche Kursziel der Analysten von 1.336 Pence basiert lediglich auf dem 1,1-Fachen des erwarteten Buchwerts für 2027. Historisch waren bei hohen Renditen im Schnitt 1,8-mal Buchwert üblich. Dazu kommen rund 5 % Dividendenrendite für 2026. Wir gehen auf Kaufen. 

EUROPA: ADYEN

Update: Depotwert ADYEN lieferte mit Q2 die neue, bereits von uns avisierte Perspektive.

Die Zielerhöhungen der Analysten wie UBS von 1.350 auf 1.400 € oder GOLDMAN SACHS von 1.800 auf 1.850 € sind folgerichtig. 22 % Wachstum des abgewickelten Zahlungsvolumens und 21 % Nettoumsatzwachstum, jeweils währungsbereinigt, sind robust. Die angehobene CapEx-Quote von 7 % wird weiterhin als vorgezogene Infrastrukturinvestition betrachtet, die sich anschließend wieder normalisieren soll. Die Beschleunigung des Processing-Volumens und die neuen Kunden wie OpenAI erhöhen die Visibilität spürbar. Aus KGV 26,8 für das lfd. Jahr wird KGV 17,5 bis 2028. ADYEN behauptet sich in einem kompetitiven Zahlungsmarkt stark und wächst weiterhin mit mehr als 20 %. Nicht zu vergessen: ADYEN ist strukturell grundsätzlich übernehmbar. Eine Pause nach dem Kurssprung ist aber angemessen.

WALL STREET:


New York jongliert zwischen Überspekulation und starken Fakten aus der Unternehmenswelt.

Daraus resultieren im Herbst Herausforderungen und neue Chancen. Die zuvor erwartete Zinserhöhung im September kann faktisch ausgeschlossen werden. Das resultiert aus den frischen Kerninflationszahlen und den Erzeugerpreisen. Dazu kommen etwas gedrückte Konsumdaten, aber auch kein Beleg für eine breite Konsumschwäche. Folge sind gedrückte Zinsen am kurzen Ende, aber weiter hohe Zinsen am langen Ende und somit eine steilere Zinskurve. Unsere Banken-Empfehlungen profitieren davon weiter mit neuen, frischen Jahreshochs auf breiter Front. Gewinnmitnahmen werden vor dem Herbst aber eine Option. Wir kommen darauf zurück. 

WALL STREET: DIGITAL REALTY


Der Capex-Booster der großen Hyperscaler ist sogar noch auszuweiten.

Warum? Das Wall Street Journal sorgte im Wochenverlauf für staunende Gesichter. Medial wurde das in der europäischen Presse kaum aufbereitet. Konkret: Allein für noch nicht begonnene Leasingverträge werden rd. 904 Mrd. $ genannt. Zusätzlich gibt es sog. Purchase Commitments von etwa 1,52 Bio. $. Zusammen mit den bereits bilanzierten Verpflichtungen lägen die KI-Ausgaben bzw. KI-bezogenen Verpflichtungen um rd. 3 Bio. $ höher, als der Blick auf die heutigen Bilanzen vermuten lässt. Das erhöht die wirtschaftliche Kapitalbindung der Hyperscaler erheblich. Falls die KI-Nachfrage oder die Monetarisierung hinter den Erwartungen zurückbleibt, resultieren aus diesen Verpflichtungen Risiken. Auf der anderen Seite liegt darin eine hohe Visibilität für die Eigentümer der Rechenzentren, die Finanzierer (wird erst ab Herbst interessant) und jenen, die für die Energieversorgung stehen. 

1. DIGITAL REALTY bietet die solideste Ausgangslage ohne Übertreibungen im Chartbild. Im Kern steht die Vermietung von Rechenzentrumskapazitäten direkt an Hyperscaler. Ende Q2 2026 steht bereits ein Rekordbestand von 1,9 Mrd. $ jährlicher Miete aus unterschriebenen, aber noch nicht gestarteten Verträgen. Im Juli kamen zwei Hyperscale-Verträge mit 410 Mio. $ annualisierter Miete hinzu. Weiter: Das Unternehmen hat gerade 64 % an drei vollständig vermieteten Rechenzentren in Northern Virginia mit 288 MW übernommen. Der Gesamtwert liegt bei rund 7,8 Mrd. $, die anfängliche stabilisierte Rendite bei 6,5 %. Dazu kommt der frische Einstieg von BLACKROCK mit knapp 1 Mrd. $. Entscheidend sind die FFO-Relationen wie bei Immobilienwerten.

Kurzum: Zweistelliges Wachstum wird mit Faktor 22 FFO bezahlt. Das geht in Ordnung. Erstes Ziel 260 $, dann sehen wir weiter. Im Falle einer Herbst-Konsolidierung bitte Pulver zum Nachkauf bereithalten. 

WALL STREET: VISTRA


2. Bei VISTRA aus AB 20/26 warten wir noch auf den Befreiungsschlag.

Das Unternehmen bleibt einer der spannendsten Stromproduzenten der USA. Q2 lag klar über Konsens. Kurzfristig sorgt Texas für etwas Gegenwind. Die Strompreise im ERCOT-Markt liegen unter den langfristig erwarteten Niveaus. VISTRA hat seine eigene Nachfrageprognose dennoch nicht verändert. Neue Kraftwerke müssen zu deutlich höheren Preisen wirtschaftlich sein. Bleibt der Strombedarf der Rechenzentren hoch, wird sich diese Differenz im Laufe der kommenden Jahre schließen. Der CEO macht deutlich, dass VISTRA bei zahlreichen Verhandlungen direkt am Tisch sitzt. Einige Vorhaben befinden sich bereits in frühen regulatorischen Verfahren. Der Titel bleibt ein Kauf. 

WALL STREET: VISTA ENERGY


Königsmacher Peter Thiel ist bei VISTRA und auch bei VISTA ENERGY eingestiegen.

VISTA ist im Kern ein Öl- und Gasproduzent in Argentinien mit Schwerpunkt auf Vaca Muerta. Ende 2025 bestanden 89 % der nachgewiesenen Reserven aus Öl. Hinter vorgehaltener Hand soll Thiel während eines Argentinien-Aufenthalts nicht nur Javier Milei, sondern auch den CEO von VISTA getroffen haben. Bei dem Gespräch soll Thiel ausdrücklich nach Energie, Argentinien und der politischen Situation gefragt haben. VISTA wächst aktuell extrem schnell (EBITDA im Q2 + 78,6 % gegenüber Q1 auf 805 Mio. $, Produktion + 15,2 % auf 156.100 Barrel Öläquivalent pro Tag). KGV 7,8 für 2026. Die politische Kombination nebst operativer Qualität rechtfertigt kleine Käufe. (VS)

Actien-Börse Portfolio

SAP und ADYEN bieten die positiven Highlights, laufen aber kurzfristig in eine überkaufte Marktlage:

Bernstein hat das Ziel für IREN LTD. auf 100 $ gesetzt. Bei CATL gibt es Zweifel an der Dauer staatlicher Kapazitätsvergütungen und damit an der politischen Unterstützung. Das drückt den Kurs. Wir arbeiten mit Stop-Loss. Achten Sie weiter auf die Bernecker App/Newspilot. Dort gibt es regelmäßige Updates exklusiv für Leser der Actien-Börse. 


DISPOSITIONEN

DISPOSITIONEN

Was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz. (Bibel)


Anleihen - BHP: Kupfer schlägt Eisenerz.


Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP hat sein Schwergewicht verlagert.

Erstmals steuerte Kupfer mehr als die Hälfte des Konzern-EBITDA bei, mit rund 18 Mrd. $ aus dem Kupfergeschäft. Die operativen Ergebnisse lagen bei 18,19 Mrd. $ für Kupfer gegenüber 14,53 Mrd. $ für Eisenerz. Damit hat das ehemalige Zugpferd Eisenerz seine Führungsrolle verloren, auch wenn es weiterhin verlässlich Cash abwirft.

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2026 fielen stark aus. Der bereinigte Gewinn stieg um 30 % auf 13,2 Mrd. $ und übertraf die Erwartungen. Der Free Cashflow legte um 83 % auf 9,8 Mrd. $ zu, obwohl Investitionen und Exploration mit 10,3 Mrd. $ zu Buche standen. Die Nettoverschuldung sank auf 8,7 Mrd. $, die Jahresdividende kletterte um 56 % auf 1,72 $ je Aktie, den höchsten Wert seit vier Jahren.

Das Management will die anteilige Kupferproduktion bis zum Geschäftsjahr 2035 um rund 40 % ausbauen. Mehr als die Hälfte der mittelfristigen Investitionen, künftig im Schnitt etwa 11 Mrd. $ jährlich, fließt in Kupfer. Der Konzern finanziert dieses Wachstum aus eigener Kraft. Risiken liegen im historisch hohen Kupferpreis und in der Ausführung der Großprojekte, wie die 2,3-Mrd.-$-Abschreibung beim Kaliprojekt Jansen zeigt. Die 2043 fällige Dollar-Anleihe bietet bei einem Kurs von gut 91 % eine Rendite von 5,90 %. Die solide Bilanz und die verbreiterte Ertragsbasis stützen die Bonität. Bleiben Sie investiert. (CM)

BOMBARDIER: MOODY'S zieht nach.


MOODY'S hat das Corporate Family Rating von BOMBARDIER auf Ba2 von Ba3 angehoben, bei weiterhin positivem Ausblick.

Die Liquiditätsnote bleibt bei SGL 1. Begründet wird der Schritt mit dem fortgesetzten Schuldenabbau, getragen von einer starken Cashflow-Generierung sowie steigenden Margen im After-Sales- und Verteidigungsgeschäft.

Die bereinigte EBIT-Marge stieg auf 11,4 % (LTM Juni 2026) gegenüber 10,1 % im Jahr 2023. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz lag im ersten Halbjahr bei 1,5, der Auftragsbestand bei 21,8 Mrd. $. Seit Jahresbeginn hat der Konzern rund 1,1 Mrd. $ netto getilgt, für 2026 erwartet MOODY'S rund 1 Mrd. $ Free Cashflow. Nennenswerte Fälligkeiten stehen erst 2030 an. Belastend wirken die zyklische Natur des Geschäftsjet-Marktes, hohe Fixkosten von etwa 650 Mio. $ jährlich sowie die Abhängigkeit von einer störanfälligen Lieferkette. Den Verschuldungsgrad sieht MOODY'S perspektivisch unter 3,0x sinken. Der 2032 fällige Dollar-Bond rentiert mit 6,43 %. Solange die Entschuldung Fahrt hält, bleibt das Papier attraktiv. (CM)

Homann: Warnschuss aus Litauen.


Deftiger Schrecken beim Homann-Bond.

Und das durchaus nachvollziehbar. Denn der Möbelzulieferer hat seine Jahresprognose gekappt. Im ersten Halbjahr fiel das bereinigte EBITDA auf - 1,4 Mio. € nach 22,1 Mio. € im Vorjahr, bei nahezu stabilem Umsatz von 194,4 Mio. €. Ursächlich sind die schwache Nachfrage aus der Möbelindustrie, hohe Anlaufverluste im litauischen Werk Pagiriai und massive Kostensteigerungen bei Chemikalien, Holz, Energie und Transport.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management ein bereinigtes EBITDA von 10 Mio. bis 15 Mio. €, bereinigt um die Litauen-Anlaufverluste 34 Mio. bis 39 Mio. € nach 54 Mio. € im Vorjahr. Eine vorübergehende Kapazitätsanpassung in Pagiriai soll die operativen Verluste im zweiten Halbjahr um 5 bis 6 Mio. € senken. Die gekürzte Prognose ist kein Pappenstiel, wird damit die Decke für die Bedienung der Anleihezinsen doch deutlich dünner. Wir würden die Reaktion für nachvollziehbar, aber aktuell überzogen halten. 

Denn es ist klar, dass Homann jetzt wohl eine langgezogene und schwierige Erholung im Bondkurs bevorstehen dürfte. Dennoch sind wir aktuell noch bereit, zum Halten zu raten. (CM)

BIT Capital: Ist der erste ETF ein Versuchsballon?


Seit dem 4. August notiert ein erster ETF von BIT Capital.

Mit diesen Top 10: AMAZON 10,4 %, MICRON 8,6 %, IREN 8,5 %, SANDISK 6,0 %, ROBINHOOD 5,0 %, MARVELL TECHNOLOGY 4,8 %, TSMC 4,6 %, INFINEON 4,4 % sowie HINGE HEALTH und OSCAR HEALTH je 4,2 %. Es wird akkumuliert, die Kosten betragen 0,46 %. Wir nehmen den Titel "billigst" in die Finanzspezialitäten auf, somit ist Jan Beckers ab sofort doppelt bei uns vertreten. Eine komplette Umstellung im Hause BIT von herkömmlichen Aktienfonds auf aktive ETFs erscheint denkbar. 


Das abgerittene Pferd hat Vor- und Nachnamen: Fin Tech.

Sinngemäß und im Wortlaut wurden die Anleger auf Goldene Jahre der Fintechbranche eingeschworen. Von dem Mantra hat Jan Beckers sich aber gelöst. Offenbar wurde "Fintech" als Thema zu klein, manches Zielobjekt steckt nun in einer größeren Einheit. Der Schwenk von "Fintech Leaders" zu "Aggressive Growth" (neuer Name) hatte sich lange abgezeichnet, was unsere Tabelle zeigt. Schon früh war AMAZON in den Top 10 enthalten - ohne echten Fintech-Fokus. Wir setzen darauf, dass Jan Beckers seinen erfolgreichen Auswahlprinzipien treu bleibt, insbesondere der Forderung, auf skalierbare Geschäftsmodelle zu setzen. Wird die Fintech-Idee bei anderen Aktienfonds/ETFs fortgeführt? Wir würden so einen Titel direkt in unsere Liste aufnehmen. In der Tabelle abgekürzt: COMPASS PATHWAYS, FIGURE TECHNOLOGY SOLUTIONS, OSCAR und HINGE HEALTH. BTC: Bitcoin. 

FINANZSPEZIALITÄTEN: DISPOLISTE

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UNTERNEHMENSANLEIHEN: DISPOLISTE

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